Illustration: Pixabay/CharlesRondeau
Streiflicht, Freitags-Kolumne: Hinterfragen Sie sich
03. Juli 2026 | von Klaus PohlmannWenn ich am Ende dieser Woche einen Satz nicht mehr hören kann, dann ist es dieser: Wir müssen uns hinterfragen. Oder: Jeder (und jede) Einzelne muss sich hinterfragen. Wer es bildlicher mag: Wir müssen jeden Stein umdrehen. Klar, der Anlass dafür, dass solche Sätze gerade inflationär gebraucht werden, ist sportlich. Oder, na ja, Fußball eben.
Erstmal muss man den Satz natürlich korrekt übersetzen. Vielleicht bedeutet er ja eigentlich: Ich muss alle anderen hinterfragen, nur nicht mich selbst. Also nicht, ob ich zu langsam war, Entwicklungen verpasst habe, falsch abgebogen bin.
Aber ganz unabhängig davon: Fatal ist doch an diesem Satz, dass man nicht weiß, ob er tatsächlich eine Ankündigung ist oder nur Spielverzögerung bis zum Vergessen. (Woran erinnert mich das gerade? Läuft eigentlich die WM noch?) Bis es irgendwann heißt: Wir hätten uns hinterfragen müssen.
Denn das ist das schlimmste Wort: müssen. Denn das etwas getan werden muss, heißt noch lange nicht, dass es auch getan wird. Was würde Meister Yoda dazu sagen? Das wissen wir, die Älteren werden sich erinnern, seit dem zweiten (!) Teil der Starwars-Saga. Wir müssen uns hinterfragen!? Der Yedi sagt: Tu es. Oder tu es nicht. (pm)
