Außenansicht der Seidel Textilreinigung mit Firmengebäude und Seidel-Flagge Die Seidel GmbH wird von Anja Seidel und ihrem Mann Stefan Seidel als Familienunternehmen in zweiter Generation gemeinsam geführt. Foto: Seidel GmbH

Garbsener Textilreinigung macht ausländische Mitarbeiter zu Fachkräften

26. November 2025

Anja Seidel ist Unternehmerin aus Leidenschaft. Die Seidel GmbH wird von ihr und ihrem Mann Stefan Seidel als Familienunternehmen in zweiter Generation gemeinsam geführt. Die Auftragslage ist gut, etwa zehn Tonnen Textilien reinigt, wäscht und sortiert der Betrieb pro Tag – Wäsche aus dem Gesundheitswesen, Senioreneinrichtungen und Hotels, bis hin zu privaten Textilien und hochwertiger Abendmode. Aber es fehlt an Mitarbeitenden. Das Unternehmen beschäftigt heute 125 Menschen, die teilweise schon seit Jahrzehnten mit an Bord und im Betrieb verwurzelt sind. Die Rekrutierung neuen Personals ist für das Garbsener Unternehmen mittlerweile aber bereits der Flaschenhals für das laufende Geschäft und weiteres Wachstum: „Ich könnte sofort zehn Mitarbeitende und vier Azubis zusätzlich einstellen“, rechnet sie vor. Ungelernte Kräfte, die sortieren, bestücken und aufhängen, findet sie problemlos. Was fehlt, sind Auszubildende und Fachkräfte.

Mitarbeitende aus 20 Nationen

Die Einstellung von Mitarbeitenden aus dem Ausland ist für Anja Seidel heute schon fast alternativlos, um motivierte qualifizierte Fachkräfte für ihren mittelständischen Betrieb zu finden. Im Unternehmen beschäftigt sie bereits Menschen aus zwanzig Nationen – von der Ukraine bis Ghana. Deren Anstellung funktioniert mal mit mehr, mal mit weniger Hürden. So wie bei ihrem Mitarbeitenden S. aus Weißrussland. Er stand kurz vor einem Abschiebeverfahren, Seidel wollte den engagierten jungen Mann aber unbedingt in ihrem Betrieb halten. „Ohne gültigen Aufenthaltstitel darf ich in Deutschland aber niemanden beschäftigen.“

Ohne gültigen Aufenthaltstitel darf ich in Deutschland aber niemanden beschäftigen.“ - Anja Seidel, Unternehmerin

Unterstützung holte sich Seidel vom Welcome & Business Center der IHK Hannover. Fachkräfteberaterin Alina Richter übernahm die Koordination zwischen Betrieb und Ausländerbehörde, zog die Expertise des Flüchtlingsrats Niedersachsen e. V. hinzu und alle suchten gemeinsam nach einer Lösung. Schnell stellte sich heraus: Die Voraussetzungen für einen Aufenthaltstitel als Fachkraft in Deutschland waren erst einmal nicht erfüllt. 

Lösung gefunden

Die Lösung war dann eine betriebliche Ausbildung zum Servicefahrer. Für den jungen Weißrussen eröffnete sich eine neue berufliche Perspektive, Seidel musste sich für diesen Ausbildungsberuf allerdings erst noch bei der IHK selbst als Ausbilderin qualifizieren.

 

Gesagt, getan – mit viel Eigeninitiative und Engagement meisterte Seidel auch diese Hürde. Ein Ausbildungsberater der IHK Hannover bescheinigte ihr sehr schnell die Eignung. Damit war der Weg frei: der junge Mann konnte bleiben und eine Ausbildung zum Servicefahrer beginnen. Im Garbsener Betrieb will er jetzt seine berufliche Zukunft aufbauen.

„Für einen Mittelständler ist der Weg aber nach wie vor recht steinig. Das größte Problem ist für uns, das Dickicht aus Wegen, Möglichkeiten und Aufenthaltstiteln zu durchdringen“ - Anja Seidel, Unternehmerin

Empfehlung: frühzeitig Unterstützung holen

Anja Seidel arbeitet gern mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus fast der ganzen Welt zusammen und würde gern noch weitere ausländische Fachkräfte in Garbsen eine neue Heimat bieten. „Für einen Mittelständler ist der Weg aber nach wie vor recht steinig. Das größte Problem ist für uns, das Dickicht aus Wegen, Möglichkeiten und Aufenthaltstiteln zu durchdringen“, sagt Seidel und empfiehlt, sich im Rekrutierungsprozess frühzeitig Unterstützung, etwa vom Welcome & Business Center der IHK zu holen. Sie wird auf jeden Fall weiter in neue Mitarbeitende aus dem Ausland investieren.