Aus Gambia an den Maschsee, von der Schulbank in die Ausbildung
13. Januar 2026Lena Hydara ist ein Vorbild, denn die junge Frau hat aus einer Idee einen Ausbildungsvertrag gemacht – und das innerhalb nur weniger Wochen. Mithilfe des Welcome & Business Centers IHK und dem Projekt Unter einem Dach wurde die 20-Jährige auf ihre eigenen Potenziale und Wünsche aufmerksam – und hat nun trotz einiger Hindernisse den ersten Stein für ihre berufliche Karriere gelegt. Wir zeichnen ihren Weg nach.
Herbst 2025: Der Anfang
Lena Hydara weiß genau, wohin sie möchte – auch wenn sie diese Klarheit erst seit kurzem hat. Die 20-Jährige plant eine Ausbildung in der Hotelbranche. Talentcoach Anna Immoor aus dem Welcome & Business Center der IHK (WBC) begleitet sie auf diesem Weg.
„Ich weiß, dass es herausfordernd wird, aber ich bin bereit, alles für eine Ausbildung zu tun“, sagt Hydara bei unserem ersten Treffen im Herbst 2025. Erst vor fünf Jahren kam ihre Familie aus Gambia nach Niedersachsen, Hydara selbst folgte kurz darauf. Heute spricht sie Deutsch auf B2-Niveau und hat mit dem Realschulabschluss ihren persönlichen Startpunkt für eine berufliche Zukunft gelegt. Prüfungen würden sie immer etwas nervös machen. Aber wenn sie von ihren Plänen spricht, wirkt sie gleichzeitig voller Zuversicht.
Oktober 2025: Der Workshop
Erst vor kurzem hat sich Hydara konkret für eine Ausbildung entschieden. Ausschlaggebend war der Workshop „Get ready 4 Ausbildung“. Den hatte das hannoversche Projekt Unter einem Dach in Kooperation mit dem Welcome & Business Center der IHK Hannover für Jugendliche veranstaltet. Dort wurde Hydara auf Chancen aufmerksam, die ihr vorher nicht bewusst waren.

„Seitdem ich weiß, dass ich eine Ausbildung machen will, bin ich viel selbstbewusster geworden“, erzählt sie. Gemeinsam mit Talent Coach Immoor arbeitet sie inzwischen an ihren Bewerbungsunterlagen. „Anna hat mir sehr viel Motivation gegeben.“
„Seitdem ich weiß, dass ich eine Ausbildung machen will, fühle ich mich viel selbstbewusster.“ – Lena Hydara
Auch Iyabo Kaczmarek, Geschäftsführerin von Unter einem Dach, beobachtet genau diese Entwicklung häufiger: Viele junge Menschen mit Migrationsbiografie würden eine hohe Motivation mitbringen – doch ihnen fehle oft eine strukturelle Unterstützung, vor allem bei der Sprache und im Bewerbungsverfahren. „Im Workshop konnten sie sich ausprobieren, austauschen, Fragen stellen. Das hat sie sichtbar gestärkt.“
Dass Lena noch kein C-Sprachniveau hat, gleicht sie durch Engagement und echtes Interesse aus – ein Aspekt, den Kaczmarek für besonders wichtig hält. „Sprachliches kann man lernen. Einsatzbereitschaft und Fleiß bringt man von Anfang an mit – und davon haben viele junge Menschen mit Migrationsgeschichte sehr viel.“
„Sprachliches kann man lernen. Einsatzbereitschaft und Fleiß bringt man von Anfang an mit – und davon haben viele junge Menschen mit Migrationsgeschichte sehr viel.“ - Iyabo Kaczmarek, Geschäftsführerin von Unter einem Dach
Im Workshop wurden professionelle Bewerbungsfotos gemacht, Gespräche simuliert, Betriebe recherchiert und Ausbildungswege aufgezeigt. „Alle waren neugierig, offen, mutig – einfach sowas von bereit für die Ausbildung!“, resümiert Talent Coach Immoor vom WBC abschließend.
Oktober 2025: Die Messe
Nur wenige Tage später konnte Hydara dieses Selbstbewusstsein direkt anwenden: Auf der BiZ-Messe „Zukunftsstarter“ trat sie erstmals mit Unternehmen in Kontakt. Das Ergebnis: viele Gespräche, Visitenkarten und der klare Plan, sich zu bewerben. „Ohne die Vorbereitung hätte ich mich nicht so sicher gefühlt“, sagt Lena und lächelt in Richtung Immoor, die sie an diesem Tag zur Messe begleitet.
„Wenn ich alles hätte alleine machen müssen, hätte ich mich nicht so sicher gefühlt.“ – Lena Hydara
Auch Hydaras Umfeld unterstützt ihren Weg. „Meine Mutter war sehr stolz – und meinte gleichzeitig, jetzt solle ich meine Entscheidung nicht wieder ändern,“ erzählt die junge Frau und schmunzelt. Ihr Berufswunsch war lange unklar. Ein Praktikum im medizinischen Bereich passte nicht. Der Wunsch, Menschen zu unterstützen, blieb jedoch. Ihr Hauptschulabschluss mit gastronomischem Schwerpunkt gab ihr erste Hinweise. Der Workshop brachte schließlich Klarheit.

In der Hotellerie sieht Lena die besten Chancen, ihre Stärken einzubringen. „Ich möchte im Praktikum vieles ausprobieren – vor allem Zimmer-Service und Kochen“, erzählt sie. Kochen begeistert sie auch privat. Langfristig möchte sie sich innerhalb der Branche weiterentwickeln – vielleicht bis ins Management. „Aber erst kommt die Ausbildung – und ich weiß, dass ich das nicht bereuen werde.“
Dezember 2025: Das Praktikum
Nur wenige Wochen später, Ende Dezember, hat die junge Frau genau das getan und ein mehrtägiges Praktikum im Courtyard by Marriott am Maschsee absolviert. „Es gefällt mir sehr gut und ich lerne so viele neue Sachen“, berichtet sie und zählt dabei Stationen wie die Küche oder den Veranstaltungsservice auf. Gemüse schneiden, Gläser polieren, Gäste empfangen – das alles lernt Hydara mithilfe der einzelnen Teams im renommierten Hotel am Maschsee kennen – und lieben. „Wir sind schon wie eine Familie.“
Das bestätigt auch Silvio Heyder. Er ist seit 20 Jahren im Betrieb und nach der Hotelfachausbildung und weiteren Stationen inzwischen im HR-Bereich des Hotels tätig. Er ist mit der Leistung von Hydara vollends zufrieden und will auch andere junge Menschen ermutigen, die sich für das Hotelgewerbe interessieren. Als ersten Schritt empfiehlt er dazu beispielsweise eine gute Bewerbung. „Ich finde es total schön, wenn ich heutzutage noch ein einigermaßen gutes Anschreiben bekomme“, sagt Heyder. Oft erhalte er lieblose Mails mit einem Lebenslauf im Anhang, den Rest müsse er sich selbst erschließen. Für den Personaler ein Minuspunkt.
Worauf er vor allem achte, das seien die Kopie des letzten Zeugnisses und die Zahl von ent- und unentschuldigten Fehltagen. „Das ist für mich ein Indiz für Zuverlässigkeit.“ Schulnoten seien bei seiner Entscheidung hingegen nicht ausschlaggebend, aber: „Es geht mir um die Einstellung“. Für viele junge Menschen sei der Wechsel von der Schule in eine Ausbildung mit Schicht- und Wochenendarbeit und Feiertagsdiensten eine Umstellung. Da brauche es Zuverlässigkeit, Teamgeist und keine Angst, auch mal Fehler zu machen. „Vor allem bei der Sprache“, ermuntert Heyder.

Für ihn sei ein Sprachzertifikat für eine erfolgreiche Einstellung nicht zwangsläufig nötig. Wichtig sei da vielmehr, sich auf die Arbeit mit dem Team und den Kontakt mit den Gästen einzulassen. „Wir haben sehr nette und verständnisvolle Gäste aus dem Ausland, die sich immer freuen, wenn man sie anspricht und auf sie eingeht. Ob die Grammatik dabei stimmt, ist erstmal zweitrangig.“
„Das ist für mich ein Indiz für Zuverlässigkeit.“ – Silvio Heyder, HR im Courtyard by Marriott Hannover Maschsee
Während Hydara Tische weihnachtlich mit gefalteten Servietten eindeckt und auf den Maschsee hinausschaut, lächelt sie. „Ich möchte noch mehr lernen und am liebsten hier meine Ausbildung beginnen.“ Sie ist vom Team und der Atmosphäre im Courtyard by Marriott beeindruckt und froh, dass sie ihren Weg in Richtung Ausbildung mithilfe des Welcome & Business Centers gefunden hat.
Aus ihren Erfahrungen heraus empfiehlt sie anderen jungen Menschen: „Einfach machen! Auch ich war anfangs unsicher, aber bin durch das Praktikum selbstbewusster geworden und konnte viele Erfahrungen sammeln.“
Februar 2026: Das Happy End
Und so hat die Geschichte von Lena Hydara ein Happy End, denn pünktlich zum 1. Februar konnte die junge Frau ihren beruflichen Erfolgsweg weiterführen und ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau im Courtyard by Marriott Hannover Maschsee beginnen.

