Der Göttinger Club Savoy: Club mit Geschichte
27. Juli 2026 | von Georg ThomasTrotz Krisen und Klagen: Der Club Savoy von Markus Thunert gehört seit 1999 zum Nachtleben in Göttingen. Bis heute öffnet das Savoy an drei Tagen in der Woche – das ganze Jahr über.
Selbst bei der Rekordhitze Anfang Juli herrschten im Savoy angenehme Temperaturen. Nicht nur die zwei Tanzflächen, sondern alle Räume des Göttinger Clubs sind klimatisiert. „Wir waren an dem Wochenende als es so warm war, sehr gut besucht“, sagt Markus Thunert. Vor 27 Jahren eröffnete er mit seinem Bruder Steffen und einem weiteren Partner die Diskothek in den Räumen der ehemaligen Landeszentralbank.

Die zwei Eichsfelder betrieben damals bereits die Großraumdiskothek Glashauscenter in Thüringen. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude musste zwar aufwendig umgebaut werden, aber „es lag ideal“, hinter dem Göttinger Wall und war so von der damals geltenden Sperrstunde um drei Uhr ausgenommen. „Dass man bei uns bis um fünf oder sechs Uhr morgens feiern konnte, war kriegsentscheidend“, sagt der 60-Jährige heute. Ihre größte Herausforderung bestand damals darin, sowohl den Eigentümer als auch das Verwaltungsgericht von der Doppelnutzung des Gebäudes zu überzeugen. Das Gericht im Obergeschoss und das Savoy teilen sich bis heute die Eingangstür – „ohne Probleme“. In den ersten Jahren betraten die Gäste die Diskothek durch den alten Tresorraum und eine massive Bode-Panzer-Tür. Zunächst gab es nur eine große Tanzfläche im Savoy. Es brauchte ein paar Wochen bis die Studierenden den Club für sich entdeckten – obwohl das Savoy mit freiem Eintritt und günstigem Bier lockte. „Das ging dann ganz plötzlich“. Später zogen die anderen Clubs in Göttingen nach.
Markus Thunert kann zu jedem Detail in den Räumen des Savoy etwas berichten. Früher hat er selbst als DJ aufgelegt – und bis heute besucht er im Urlaub im Ausland Clubs, um sich zu inspirieren. 2001 baute er den Keller zu einer zweiten Tanzfläche aus, später richtete er einen Außenbereich ein. Und er investierte regelmäßig in die Räume und Technik. So gibt es seit Corona ein Garderobensystem aus dem Maschinenbau, das Platz und Personal spart. Der ganze Club ist zur Sicherheit der Gäste videoüberwacht. „Wir gehören zu den wenigen Clubs in Deutschland, die heute noch - auch im Sommer – durchgehend geöffnet haben“, sagt Thunert, der 2017 mit dem Savoy mit dem Diskotheken-Unternehmer-Preis ausgezeichnet wurde. Der Club öffnet mittwochs, freitags und samstags - vom Donnerstag habe man sich erst kürzlich verabschiedet.
Auch das Savoy hat zu kämpfen: Die Gema verlange dieses Jahr fast doppelt so viel wie im Vorjahr und gleichzeitig seien die Personalkosten ein immer größerer Posten. Es gibt 50 Beschäftigte, ein Großteil im Minijob. Allerdings sei der Zuspruch der Gäste weiterhin recht stabil und damit die Lage wohl auch noch deutlich besser als andernorts, „Wir performen immer noch auf ziemlich hohen Niveau.“
Im Rückblick auf die letzten 27 Jahre sagt Markus Thunert: „Wir hatten Höhen und Tiefen.“ So musste die TTE Gastrobetriebs GmbH, die den Club bis dahin betrieb, im Herbst 2025 Insolvenz anmelden, weil – wie Thunert sagt – „beantragte Corona-Hilfen in sechsstelliger Höhe von der NBank nicht ausgezahlt" worden seien. Dazu liegen zwei Klagen beim Verwaltungsgericht, die noch nicht entschieden sind – anders als eine Klage gegen das Karfreitags-Tanzverbot vor dem Bundesverfassungsgericht, mit der er scheiterte. Er sieht sich durch das Tanzverbot als Unternehmer um einen der umsatzstärksten Abende gebracht.
