Martin Polomka öffnet die Türen der „Baggi“ in Hannover nicht mehr jedes Wochenende – aber getanzt wird weiter auf der runden Tanzfläche. Foto: Georg Thomas

Die "Baggi" Disko in Hannover: Ab und zu

27. Juli 2026 | von Georg Thomas

Viele Diskos und Clubs in Deutschland haben in den letzten Jahren geschlossen. Seit 2011 hat sich ihre Zahl mehr als halbiert. Trotzdem gibt es in vielen Städten in der IHK-Region noch Clubs, die weiter bestehen oder zur Eventlocation werden – wie die „Baggi“ in Hannover.

Martin Polomka gehört nicht zu denjenigen, die schlecht über Hannover sprechen, im Gegenteil. „Es gibt nicht wenige große Städte, in denen nachts deutlich weniger los ist, als in Hannover.“ Die Clubs und Diskotheken seien hier aber stärker über die Stadt verteilt, als etwa in kleineren Städten wie Bielefeld oder Braunschweig. Der 43-Jährige ist seit einigen Jahren Chef vom „Palo Palo“ und der Osho-Disko am Raschplatz, die in Hannover nur als „Baggi“ bekannt ist. In dem kleinen Club und der Disko für bis zu 1000 Menschen hat der Hannoveraner früher als DJ selbst aufgelegt. Zusammen mit seinem damaligen Manager gründete er 2012 die Eventagentur Trend ID. „Wir haben nicht lange überlegt und es einfach gemacht.“ Wieso sollten sie nicht auch Partys selbst veranstalten, dachten sie sich. Sie hatten Erfolg und übernahmen 2014 den Club von Ferry Ghods und zwei Jahre später die benachbarte Disko. Mit ihren 18 Festangestellten – „bei großen Events können wir ein Team von bis zu 120 mit Minijobbern und Aushilfen stellen“ – zählt auch das RP5 am Raschplatz und der historische Maschseepavillon zu den Locations der Agentur.

„Wir haben jahrelang unseren Traum gelebt“, sagt Polomka rückblickend. Die Zeit der Corona-Pandemie nutzte er, um seine Clubs umfassend zu renovieren. Rund 1 Mio. Euro investierte er in neue Technik für Sound, Belüftung und die Umstellung auf LED-Licht. „Nach der Pandemie haben uns die Leute die Bude eingerannt.“ Aber schon nach einigen Monaten sei diese besondere Phase schon wieder vorbei gewesen.

Mann steht lächelnd in moderner Bar oder Club, Freizeitkleidung, entspannte Atmosphäre
Martin Polomka vor der leeren Tanzfläche in der „Baggi“. Foto: Georg Thomas

„Kriege, Energie, Migration“ – Themen, die sich aus Sicht von Martin Polomka direkt oder indirekt auf sein Geschäft mit den Diskotheken ausgewirkt hätten. Auch die Diskussion um die „Sicherheit in Hannovers Innenstadt“ habe ihm geschadet. Während die Umsätze pro Gast sogar gestiegen seien, sanken die Besucherzahlen in seinen Clubs drastisch um rund 50 Prozent. „Ich komme gern zu Euch, aber ich habe Angst vor dem Weg aus der Disko zum Bahnhof. Könntet ihr für den Weg nicht einen Sicherheitsdienst engagieren“, sei er nicht nur einmal gefragt worden. Polomka, selbst Vater zweier Kinder, nimmt die Bedenken ernst, sagt aber selbst aus voller Überzeugung: „Hier ist nie etwas passiert, bei uns nicht und auch auf dem Raschplatz – aber die Menschen hatten Angst, weil die Sicherheit so oft Thema war.“

Deutschlandweit hat sich die Zahl der Diskotheken in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert. Aufgrund der rückläufigen Besucherzahlen und der gestiegenen Kosten hat auch Polomka schon Ende 2024 die Reißleine gezogen. „Es hat sich nicht mehr gerechnet, Palo Palo und Baggi regelmäßig zu öffnen.“ Getanzt werden kann auf der runden Tanzfläche aber nach wie vor an vielen Wochenenden – nur eben nicht immer. Geöffnet wird zu besonderen Events, die Trend ID organisiert oder zu Abenden, zu denen sich externe Veranstalter einmieten. Zudem können sich Firmen für Mitarbeiterevents oder Weihnachtsfeiern einmieten.

Es gibt viele Gründe für das veränderte Ausgehverhalten der jungen Generation – von den gestiegenen Kosten bis zur gezielten Auswahl besonderer Events. Anstatt in die Disko oder den Club zu gehen, gibt es heute etliche Alternativen. 

Bereits während und nach der Corona-Pandemie haben viele Städte in Deutschland nach Möglichkeiten gesucht, um die Betreiber von Clubs und Diskotheken zu entlasten. So haben bis heute unter anderem Dortmund, Düsseldorf, Bielefeld, Essen, Duisburg, Braunschweig und Osnabrück die Vergnügungssteuer auf Tanzveranstaltungen abgeschafft. In Hannover steht ein entsprechender Antrag zur Entscheidung im August an. 
Polomka und das Team der Trend ID passen sich an und gehen auch den Trend zu Ausgeh- und Tanz-Veranstaltungen am Tag mit. So haben sie dieses Jahr bereits zwei Events im Stadtpark Hannovers organisiert – mit DJ und Musik. „Daydrinking liegt voll im Trend.“

Internetseite der Trend ID GmbH