Gruppenfoto von Geschäftsleuten auf einer Veranstaltung in Hildesheim vor blau-grünem Hintergrund

IHK-Jahresempfang in Hildesheim: Wunsch nach Verlässlichkeit und Planbarkeit

19. Mai 2026 | von Georg Thomas

Die Wirtschaft braucht Verlässlichkeit, Planbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit insbesondere bei den Energiepreisen. Diese Themen dominierten den regionalen Jahresempfang der IHK in Hildesheim, zu dem am 19. Mai mehr als 200 Gäste in die Hildesheimer Halle 39 gekommen waren.

 

Wirtschaft unter Strom – war eines der zentralen Themen des regionalen Jahresempfangs der IHK Hannover in Hildesheim, zu dem mehr als 200 Gäste aus Mitgliedsunternehmen, Politik und Verwaltung am 19. Mai in die Halle 39 gekommen waren.
IHK-Präsident Gerhard Oppermann benannte in seiner Rede, was die Wirtschaft jetzt braucht, um in der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu bestehen: verlässliche Entscheidungen, wettbewerbsfähige Energiepreise und Genehmigungsverfahren mit klaren Zeitabläufen. „Energie ist längst nicht mehr nur ein Kostenfaktor. Sie ist zu einer Standortfrage geworden“, sagte Oppermann, der sich zudem für einen „fundamentalen Wechsel des Mindsets in Verwaltungen“ aussprach, um die Bürokratie zu verringern. Berichtspflichten seien auf das Nötigste zu reduzieren und die Verwaltung müsse weiter an der konsequenten Digitalisierung arbeiten. 
Präsident Oppermann versicherte zudem, dass die IHK ein verlässlicher Partner in Hildesheim bleibe – unabhängig von den Räumlichkeiten am Hindenburgplatz.

Vizepräsident Karsten Krüger machte in seiner Rede deutlich, welche Themen die Mitgliedsunternehmen in den Kreisen Hildesheim und Holzminden aktuell besonders umtreiben. Aus Sicht der Wirtschaft braucht es mehr Gewerbeflächen für Unternehmen, die wachsen wollen. Es brauche zudem die Planungssicherheit, Firmen müssten wissen, wann eine Genehmigung erteilt wird. Krüger warnte vor der Einführung einer Verpackungssteuer in Hildesheim –„aus Sicht der Wirtschaft ein weiteres Bürokratiemonster“ und machte deutlich, dass die Unternehmen zunehmend darunter litten, dass es Verzögerungen beim Ausbau von Strom- und Netzanschlüssen gebe. Krüger beklagte zudem, dass die Sanierung der Weserbrücke in Holzminden zehn Jahre dauern solle.

Energietalk mit IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt
Im Talk diskutierte IHK- Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt mit Ottmar von Holtz (Landesbeauftragter für regionale Landesentwicklung Leine-Weser), Dr. Jakob Dohse (Geschäftsführer MeKo Manufacturing, Sarstedt) und Dr. Kai Schiefelbein (Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiebel-Eltron Gruppe) über die wirtschaftlichen Perspektiven der Region – mit dem Schwerpunkt auf den wichtigen Energiethemen von der Wärmepumpe bis zum Netzanschluss. 
Dr. Jakob Dohse, Geschäftsführer der Sarstedter MeKo Manufacturing, sprach über die besondere Herausforderung seines Unternehmens, Innovationen voranzutreiben und gleichzeitig im Alltagsgeschäft das dafür nötige Geld zu erwirtschaften. Das vor 35 Jahren gegründete Unternehmen ist Auftragsfertiger für Medizinprodukte wie Stents, Rahmen für Herzklappen oder Präparate zur Senkung des Augeninnendrucks, die insbesondere mit Lasertechnologie hergestellt werden. Um die teuren Anlagen in der Produktion auszulasten, müsse im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden. Mitarbeitende dafür zu begeistern, sei heute immer schwieriger und diese führe auch zu niedrigeren Umsätzen.

Im Jahr 2008 hat MeKo mit der Entwicklung von Stents aus einer Magnesiumlegierung angefangen, die den Vorteil bieten, das diese sich im Körper auflösen und nicht entfernt werden müssen. Erst kürzlich seien diese erstmals in einer Studie Menschen implantiert worden – „mit guten Ergebnissen“, so Dohse. Bedauerlich sei, dass dies in Europa aufgrund der hohen Anforderungen kaum noch möglich sei. Wenn es gut läuft, könne das Produkt vielleicht im Jahr 2030 oder 35 auf den Markt kommen. „Die Hoffnung ist, dass wir dann auch die Gewinne unserer Arbeit einfahren können.“

Stiebel Eltron im Boom - lange Wunschliste von Dr. Kai Schiefelbein
Nach zwei schwierigen Jahren für das Unternehmen konnte Dr. Kai Schiefelbein, Vorsitzender der Geschäftsführung der Holzmindener Stiebel-Eltron Gruppe Positives berichten: „Wir sind in einem Boom. Es geht uns gerade richtig gut“. Die steigenden Preise für fossile Energie und die Annahme, die staatlichen Förderungen könnten gekürzt oder verändert werden, seien dafür verantwortlich. Stiebel Eltron habe vor einigen Monaten eine neue Generation von Wärmepumpen auf den Markt gebracht, die sehr gut angenommen werde. „Unsere Geräte sind noch leichter zu installieren, was bei den Installateuren gut ankommt. Wir gewinnen aktuell Marktanteile“, sagte Schiefelbein, der aber auch deutlich mache, das Stiebel im internationalen Vergleich mit Wettbewerbern eher klein sei. 

Dr. Kai Schiefelbein sprach sich angesichts des chinesischen Industrieplans zur Übernahme der weltweiten Marktführerschaft bei Wärmepumpen dafür aus, die Bedingungen für die Wirtschaft zu verbessern Auf seinem Wunschzettel, wie es IHK-Chefin Maike Bielfeldt nannte: „Eine zukunftsgerichtete Industriepolitik, ein vereinfachter Zugang zu finanziellen Mitteln – auch für Technologien mit denen man gerade noch kein Geld verdient, mehr staatliche Subvention für Zukunftstechnologien, Ermöglichen von Kooperationen von Unternehmen.“

Von Holtz lobt Zusammenarbeit beim Wasserstoffnetzwerk Leine-Weser
Ottmar von Holtz erinnerte als Landesbeauftragter für regionale Landesentwicklung Leine Weser daran, dass „auch die Verwaltung unter der Bürokratielast leidet“. Von Holtz leitet das Amt, das mit seinen 135 Mitarbeitenden unter anderem Kommunen und Unternehmen bei der Beantragung von Fördermitteln unterstützt – was aber nur eine von vielen Aufgaben ist.

Das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser verstehe sich als „verlässlicher Partner für das Gelingen der Energiewende in Niedersachsen“, erklärte von Holtz, der in der Runde auch auf das gemeinsam mit der IHK Hannover aufgebaute Wasserstoffnetzwerk Leine-Weser und weitere Projekte mit Netzwerkcharakter hinwies. „Dabei ist unser Ziel klar: Pilotprojekte in die breite Praxisanwendung zu überführen - denn nur so legen wir heute das Fundament für eine klimafreundliche und wirtschaftlich starke Region von morgen", sagte Ottmar von Holtz, Landesbeauftragter für regionale Landesentwicklung Leine-Weser.

IHK-Chefin Maike Bielfeldt nutzte die Gelegenheit auch, um den anwesenden Gästen Bernd Feddeck vorzustellen, der in der IHK-Geschäftsstelle Hildesheim „jetzt erstmal die Geschicke übernommen hat und dort ihr Ansprechpartner ist“.