TEILEN

In Hannover entstand 2016 das erste Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum. Seit dem Frühsommer gibt es einen Nachfolger. Das Ziel bleibt das gleiche: Den Mittelstand bei der Digitalisierung zu unterstützen.

Man muss schon genau hinsehen, denn der Übergang war nahtlos: Ende Mai lief nach fünfeinhalb Jahren Förderung durch den Bund das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hannover aus – nur, um unmittelbar vom neuen Mittelstand-Digital Zentrum abgelöst zu werden. Mittelstand-Digital: Das steht künftig deutschlandweit für Unterstützungssangebote regionaler Zentren. Der Name ist Programm: Es geht um die Digitalisierung des Mittelstandes. Ziel des neuen Zentrums, das vom Bundeswirtschaftsministerium mit 5,7 Mio. Euro in den nächsten drei Jahren gefördert wird, ist es, Anwendungen der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz in kleinen und  mittleren Unternehmen voranzutreiben. Die Angebote sind dank öffentlicher Förderung für Unternehmen kostenfrei. Offiziell ging Hannover im Juli mit einer gestreamten Veranstaltung an den Start. Rund 25 Zentren sind bundesweit seit 2016 entstanden. Auf der, wie das Bundeswirtschaftsministerium betont, „sehr erfolgreichen“ Arbeit dieser Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, bauen die Mittelstand-Digital-Zentren jetzt auf, erweitern das Unterstützungsangebot jedoch um vielfältige betriebliche Themen und Ziele, wie beispielsweise Ressourceneffizienz, alternative Arbeitsmodelle und lebenslanges Lernen.  Hannover hatte dabei die Nase vorn. Und am 1. Juli nahmen auch die Mittelstand-Digital Zentren Digitales Handwerk, ebenfalls in der niedersächsischen Landeshauptstadt angesiedelt, und unmittelbar jenseits der Landesgrenze Ruhr-OWL ihre Arbeit auf. Benachbarte Zentren sind aktuell in Lingen, Bremen und Magdeburg. Zudem gibt es in der Nachbarschaft außerdem die Initiative it’s OWL in Paderborn. Eine dichte Förderlandschaft also für die Digitalisierung des Mittelstandes. Und um kleine und mittlere Unternehmen, zu erreichen, wurden im hannoverschen Zentrum in den vergangenen
Jahren verschiedene Instrumente entwickelt. Unter anderem wurden allein 65 Digitalisierungsprojekte in Unternehmen umgesetzt. Genauso wie beispielsweise Schulungen gehören diese Projekte naturgemäß zu den wissensintensiven Formaten
– über 3000 Unternehmen wurden so erreicht. Außerdem waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterwegs, bei Roadshows mit einem eigens eingerichteten Bus oder bei Messen. Hier zählt das Zentrum rund 28.000 erreichte Unternehmen. Dabei lag ein
Schwerpunkt auf dem produzierenden Gewerbe. An diese Arbeit wird nun angeknüpft, künftig sollen aber auch Bereiche wie Handel oder Gastronomie noch stärker in den
Fokus rücken. „Die Bewilligung unseres Antrags ist eine große Auszeichnung und gleichzeitig auch eine Bestätigung der erfolgreichen Arbeit“, so Professor Dr. Berend Denkena, Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen der
Leibniz-Uni und Konsortialleiter des neuen Mittelstand-Digital Zentrums Hannover.
Denkena weist aber auch auf einen Aspekt hin, der in den Themenschwerpunkten des Zentrums auftaucht: Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise sei die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit deutlich geworden. Dabei müssten ökologische, aber auch soziale und ökonomische Aspekte betrachtet werden: Es geht um die ganzheitliche Betrachtung der Unternehmen. Auch Künstliche Intelligenz wird zunehmend interessanter. Weitere Themen:

  • Digitale Technologien und Prozesse
  • Logistik und vernetzte Wertschöpfungsketten
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • IT-Sicherheit
  • Marketing und E-Business
  • Digitales Lernen

Im Fokus stehen weiter das produzierende Gewerbe, das Handwerk, aber auch künftig noch stärker die Gastronmie. „Wir wollen die Unternehmen in die Lage versetzen, digitale Anwendungen und Technologien so bei sich einzusetzen, dass diese einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen bringen und damit unmittelbar zu ihrer Zukunftsfähigkeit beitragen“, erklärt Zentrumsgeschäftsführer Dr. Michael Rehe. Dafür schafft das Zentrum
unterschiedliche Angebote, um den Unternehmen individuell passende Angebote zu machen. Stärker eingebunden als Partnerin des Mittelstand-Digital-Zentrums Hannover ist jetzt auch die IHK Niedersachsen. Außerdem sind im Boot:

  • Produktionstechnisches Zentrum Hannover (PZH)
    der Leibniz Universität Hannover (LUH) mit acht
    Instituten der Fakultät für Maschinenbau
  • Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung (LUH)
  • Institut für Marketing und Management (LUH)
  • Forschungszentrum L3S
  • Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH
  • Technische Universität Braunschweig mit Schwerpunkt
    ökologische Nachhaltigkeit
  • Hochschule Hannover mit den Schwerpunkten
    IT-Sicherheit und Energieeffizienz

Lesen Sie die weiteren Teile des Fokus-Themas: