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Am weiteren Glasfaserausbau geht kein Weg vorbei, auch wenn der Blick auf die aktuellen Möglichkeiten des Netzes nicht verheerend ausfällt. Die digitale Infrastruktur ist die Grundlage, um die Zukunft zu gewinnen. Es braucht aber auch Netzwerke und Unterstützung, ein Ökosystem für Ideen: 5G-Labore, die Techtide, das neue Mittelstand-Digital Zentrum Hannover, geförderte Smart Citys: Wir unternehmen einen Streifzug.

Mit der Digitalisierung verhält es sich so ähnlich wie mit dem Rennen zwischen
Hase und Igel. Von irgendwo ruft immer jemand: „Ick bün all hier.“ Ziemlich genau vor drei Jahren hat Niedersachsen sich mit dem Masterplan Digitalisierung ins Rennen begeben, um schneller dorthin zu kommen, wo andere schon sind. Oder besser: Wo sie
noch nicht sind. Fast in der Hälfte dieser Zeit hat Corona die Prioritäten verschoben. Aber gleichzeitig den Blick auf die Digitalisierung geschärft. Und das, was bislang versäumt wurde. Dieses „Ick bün all hier“ schallte oft genug und laut aus anderen Ländern nach Deutschland. Aber während der Pandemie hat sich auch gezeigt, wie schnell man rennen
kann: Home Office aka mobiles Arbeiten, Onlinebesprechungen, digitales Bezahlen, um nur die Jedermann-Anwendungen zu nennen. Unternehmen haben ihren Vertrieb umgestellt oder Online-Wartung angeboten. Sie haben digital Messen beschickt oder besucht – auch um festzustellen, dass es jetzt wieder höchste Zeit für persönliche Kontakte ist. Und über kaum etwas wurde so heftig diskutiert wie über den digitalen Schulunterricht. Dass von den ursprünglich 91 im Masterplan vorgesehenen Maßnahmen mehr als 60 umgesetzt wurden, ist nicht einmal unbedingt entscheidend. Der Plan sei ja „kein starres Dokument“, sagte Digitalstaatssekretär Stefan Muhle bei einer – digitalen,
natürlich – Diskussion zum Stand der Umsetzung. Und Muhle gehört ja auch irgendwie selbst zum Plan: Er, der bei Twitter als „@DigiSts“ unterwegs ist, wurde Anfang 2018 ins Wirtschaftsministerium geholt, um in der damals beginnenden Legislaturperiode die Digitalisierung voranzutreiben. Aber eigentlich gehöre ein Staatssekretär für Digitalisierung heute in jedes Ressort, überlegte Muhle bei der Diskussion im Juni. Oder eine Staatssekretärin, selbstverständlich. Niedersachsen steckt mit dem Masterplan während der laufenden Legislaturperiode insgesamt 1 Mrd. Euro in die Digitalisierung. Kein Wunder, dass Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann es sich vor drei Jahren nicht nehmen ließen, das Vorhaben gemeinsam
zu präsentieren. Zunächst standen die Netz-Infrastruktur und das Schließen von Mobilfunklöchern im Fokus. Als erfolgreiches Förderprogramm gilt mittlerweile der Digitalbonus, eine leicht zugängliche Hilfe bei Digitalprojekten in Unternehmen. Von
fast 9000 Anträgen waren im Juni etwa 6700 bewilligt, mit einem Volumen von insgesamt rund 50 Mio. Euro: Anschubhilfe, um schneller zu werden im Rennen der Digitalisierung.
Aber Ende 2018 wurde auch die Digitalagentur Niedersachsen eingerichtet als erste Anlaufstelle für Unternehmen. Ihre Laufzeit wurde bis Ende 2023 verlängert. Bei der Digitalagentur hat man sich auch auf das Thema Low Code geworfen: Softwareentwicklung nicht durch Programmierung, sondern über das Zusammenfügen bereits fertiger Softwarebausteine. Ende 2020 rief @DigiSts Muhle – per Twitter – das Low-Code-Land Niedersachsen aus mit der Aufforderung, sich am Aufbau zu beteiligen. Wieder ein neues Thema, wieder ein neues Rennen? Wie bei der Künstlichen Intelligenz:
Hier hat die Landesregierung gerade anknüpfend an den Masterplan Digitalisierung ein so
genanntes Working Paper veröffentlicht, als Diskussionsgrundlage für weitere Entwicklung dieser Technologie in Niedersachsen. Oder wie bei Quantencomputern, wo man sich im Land gute Chancen ausrechnet. Hier gibt es die Initiative QVLS: Das steht für Quantum Valley Lower Saxony – ein Verein, in dem sich Forschung und Wirtschaft zusammengetan
haben: Die Göttinger Sartorius AG ist dabei. Ach ja: In der südniedersächsischen Universitätsstadt waren die Brüder Grimm zu Hause, die den Schwank vom Hasen und dem Igel aufschrieben. Das digitale Rennen läuft. Mal sehen, wo der nächste Igel auftaucht, der tatsächlich oder vorgeblich die Nase vorn hat. Oder man ist selbst der
erste und ruft: „Ick bün all hier.“

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