Repha baut auf 30 Hektar Kapuzinerkresse an, unter anderem in Hessen. Fotos: Repha.
Pionier in Phytotherapie
27. November 2025 | von Barbara DörmerRepha aus Langenhagen ist seit 100 Jahren Spezialist in der Entwicklung und Herstellung pflanzenbasierter Medikamente.
Wäre Repha ein Investmentunternehmen, könnte man bei einigen pflanzenbasierten Produkten des Langenhagener Unternehmens von Evergreens sprechen: „Angocin Anti-Infekt“, das Repha 1957 auf den Markt gebracht hat, sorgt mittlerweile für den größten Teil des Umsatzkuchens. Die Apotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden im laufenden Jahr rund 1,8 Mio. Packungen des Phytopharmakons an Verbraucherinnen und Verbraucher verkauft haben. Das Mittel wirkt gegen Erkältungskrankheiten und Blasenentzündungen und enthält als pflanzliche Wirkstoffe die Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel. Hochdosiert hemmen diese Vermehrung von Bakterien und Viren und wirken entzündungshemmend. Ein weiterer Evergreen von Repha ist „Myrrhinil-Intest“. Das 1959 auf den Markt gekommene Produkt wirkt mit Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle gegen Durchfall, Krämpfe und Blähungen. Sowohl Angocin als auch Myrrhinil werden seit 2017 bzw. 2018 in den ärztlichen Leitlinien empfohlen.

Seit seiner Gründung vor hundert Jahren hat die Repha GmbH Biologische Arzneimittel, wie das Unternehmen juristisch heißt, eine Vielzahl an Produkten für die Gesundheit der Atemwege, Bauchspeicheldrüse, Harnwege, Magen und Darm, Leber, Immunsystem, Mund und Rachen, Schilddrüse sowie für guten Schlaf entwickelt und auf den Markt gebracht: Und das begann, in aller Kürze, so: Wenige Jahre nach Ende des ersten Weltkriegs kündigte Friedrich Bradtmöller, ein gelernter Drogist, seine Festanstellung beim Reifenhersteller Continental und gründete 1925 in einem Mehrfamilienhaus in Hannover ein Herzensprojekt: ein Familienunternehmen, das den damaligen Pioniergeist moderner Naturheilkunde verkörperte – Reformpharmazie. Nach der Zerstörung des Firmengebäudes im zweiten Weltkrieg führte Bradtmöller seine „Mission Repha“ zunächst in einer Notunterkunft fort und bezog nach Kriegsende den Standort Langenhagen-Godshorn, an dem Repha bis heute seinen Sitz hat.
„Seit 1925 bis heute vertrauen uns die Menschen, weil sie sich auf die Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit unserer Präparate verlassen können – oder anders: Seit einhundert Jahren überzeugen unsere Phytopharmaka generationsübergreifend sowohl Apotheker, Ärzte und Heilpraktiker als auch Patienten“, so Björn Bradtmöller (51). Der Urenkel des Gründers ist Apotheker und führt das Unternehmen mit seinen aktuell 90 Beschäftigten seit 2003. „Dabei lag der Fokus in der Firmengeschichte stets auf der wissenschaftlich fundierten Naturheilkunde – und auch das ist und bleibt künftig so.“
Aktuell sind 14 Produkte Over-the-Counter (OTC), das heißt rezeptfrei, in Apotheken im deutschsprachigen Raum erhältlich. „Wir liefern an den pharmazeutischen, vollsortierten Apotheken-Großhandel. Das ist für uns nach wie vor der größte Vertriebsweg“, so Bradtmöller. Die Medikamente werden von Lohnherstelllern in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen produziert und im firmeneigenen Labor geprüft. Insgesamt hat Repha im vergangenen Jahr 260 Millionen Tabletten verkauft und einen Gesamtumsatz von 28,5 Mio. Euro erzielt.

„Das, was uns antreibt, sind die Pflanzen und die Pflanzenwelt“, erklärt Bradtmöller. „Wir kommen von der Homöopathie und sind über die evidenzbasierte Pflanzentherapie zu dem geworden, was wir heute sind." In den letzten zehn Jahren hat Repha rund 20 Mio. Euro in die Forschung investiert – das entspricht etwa dem Gesamtumsatz von 2020. „So konnten wir produktübergreifend bis dato mehr als 80 wissenschaftliche Studien durchführen, um Wirksamkeit, Wirkweisen und Sicherheit unserer Präparate mit modernsten Forschungsmethoden zu belegen – und damit die Erfolge aus 100 Jahren Erfahrungsmedizin nicht nur wissenschaftlich bestätigen, sondern auch konsequent erweitern“, sagt Ole Goos, Geschäftsleitung Marketing, Sales, International & Business Development.“ Dabei kooperiere das Unternehmen mit 19 Universitäten. Als einer der wenigen Hersteller etablierter Phytopharmaka sei das Unternehmen seit seiner Gründung noch immer unabhängig und inhabergeführt geblieben, stellt der Unternehmer fest. „Das hat uns stets die nötige Flexibilität gegeben, um die langjährigen Partnerschaften mit Therapeuten und Pharmazeuten als wichtigen Innovationsmotor unseres Unternehmens zu stärken. Und das wird weiterhin so bleiben.“

Im laufenden Geschäftsjahr werden die Langenhagener Experten für Phytotherapie die 30-Millionen-Umsatzmarke knacken. Und im kommenden Jahr sollen zwei neue Produkte für Organe, unter anderem im Magen-Darm-Bereich auf den Markt kommen. Außerdem will Repha auch geografisch wachsen und weitere Länder in Europa und Übersee erschließen.
