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In Deutschland hat der Anteil von Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen. Das geht aus der Studie „Bildung auf einen Blick 2022“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung(OECD) hervor.

Demnach stieg der Anteil von 25- bis 34-Jährigen mit einem Tertiärabschluss von damals 22 auf nun 36 Prozent.

Als Tertiärabschlüsse werden Abschlüsse an Universitäten oder Fachhochschulen oder Meisterabschlüsse bezeichnet. Trotz des stark gestiegenen Anteils bleibt Deutschland aber hinter den Werten in vergleichbaren Industrieländern zurück. Denn der Anteil junger Erwachsener mit einem tertiären Bildungsabschluss hat im vergangenen Jahr im OECD-Raum einen Rekordwert erreicht. Unter den 25- bis 34-Jährigen besaßen 48 Prozent einen solchen höheren akademischen oder beruflichen Bildungsabschluss. Im Jahr 2000 waren es noch 27 Prozent gewesen. Grund dafür ist die steigende Arbeitsmarktnachfrage nach fortgeschrittenen Kompetenzen.

Allerdings ist die niedrige Tertiärabschlussquote in Deutschland teilweise auf das leistungsstarke Berufsbildungssystem zurückzuführen, das mehr berufliche Möglichkeiten eröffnet als die Systeme vieler anderer OECD-Länder. Dies ist mit ein Grund für die besonders niedrige Arbeitslosenquote von Arbeitskräften mit einem Abschluss des postsekundären nicht- tertiären Bereichs (3,0 % gegenüber 6,5 % im OECD-Durchschnitt).

Arbeitskräfte mit Tertiärabschluss haben jedoch immer noch einen erheblichen Verdienstvorsprung. Ganzjährig Vollzeitbeschäftigte mit einem Bachelor- oder gleichwertigen beruflichen Abschluss verdienen in Deutschland 67 % mehr als Arbeitskräfte mit einem Abschluss des postsekundären nicht-tertiären Bereichs. Dieses Verdienstgefälle ist deutlich höher als im OECD-Durchschnitt, wo es sich auf 44 % beläuft.

Weitere zentrale Erkenntnisse für Deutschland:
• Die Ausgaben für den tertiären Bildungsbereich sind in Deutschland etwa so hoch wie im OECD- Durchschnitt. Deutschland gibt 1,3 % des BIP für Bildungseinrichtungen des Tertiärbereichs aus, verglichen mit 1,5 % im OECD-Durchschnitt. In absoluten Zahlen liegen die Ausgaben pro Bildungsteilnehmer/in im Tertiärbereich mit 19 608 USD gegenüber 17 559 USD etwas über dem OECD-Durchschnitt.

• Die durchschnittlichen Studiengebühren an den öffentlichen Bildungseinrichtungen des Tertiärbereichs in Deutschland sind praktisch gleich null. Dies erleichtert zwar insbesondere Studieren- den aus einkommensschwachen Haushalten den Zugang zur Tertiärbildung, führt aber nicht zu höheren Tertiärabschlussquoten als in Ländern mit hohen Studiengebühren.

• Die geschlechtsspezifische Verteilung der Abschlüsse im Tertiärbereich ist in Deutschland relativ ausgewogen. 51 % der Erstabsolvent/innen sind Frauen, gegenüber 55 % im OECD-Durchschnitt. Unter den Absolvent/innen berufsbildender Bildungsgänge des Sekundarbereichs II sind Frauen mit einem Anteil von 38 % dagegen unterrepräsentiert. In einzelnen Fächergruppen fällt die geschlechtsspezifische Differenz noch wesentlich größer aus. So sind beispielsweise im Bereich Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen nur 11% der Absolvent/Innen berufsbildender Bildungsgänge des Sekundarbereichs II Frauen, im Bereich Gesundheit und Soziales aber 83 %.

„Bildung auf einen Blick 2022“ bietet Informationen zu den Strukturen, der Finanzierung und der Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme der einzelnen OECD- und Partnerländer. Mehr als 100 Abbildungen und Tabellen liefern zentrale Informationen zum Output der Bildungseinrichtungen, zu den Auswirkungen des Lernens in den einzelnen Ländern, zu Bildungszugang, Bildungsbeteiligung und Bildungsverlauf. Die Ausgabe 2022 legt den Schwerpunkt auf den Tertiärbereich.

Link: Die komplette Studie