Start Unternehmen Aktuell HaMix: Ziemlich aufgemischt

HaMix: Ziemlich aufgemischt

-
TEILEN
Tobias Schwarte in der Süßwaren-Produktion. Foto: Insa Hagemann.
Die ehemaligen Vogeley-Manager Christoph Meyer und Tobias Schwarte haben 2013 im Rahmen eines Management Buy Out die HaMix GmbH gegründet. Aktuell sind 90 Beschäftigte an Bord des Hamelner Spezialisten für Lebensmittel auf Trockenstoffbasis.

In neun Jahren von 10 auf 90: So lautet die Bilanz nach Mitarbeiterköpfen, die Tobias Schwarte (42) und Hans-Christoph Meyer (58) mit der 2013 gegründeten HaMix GmbH ziehen können. Das Unternehmen – der Name steht für eine Wortkombination aus Hameln und Mixen – wurde von den beiden ehemaligen Managern des Traditionsunternehmens Vogeley (siehe unten) im Rahmen eines Management Buy Out gegründet. Ein Kupferschild an der Fassade mit dem Firmen-Logo, einer Wort-Bildmarke aus einem Vogel und dem Vogeley-Schriftzug, erinnert an die alten Wurzeln. Ende 2012 wurde Vogeley inklusive seiner Rezepturen und Kunden an die Schweizer Hügli AG verkauft, die Produktion in ein Hügli-Werk am Bodensee verlagert. Die Firmengebäude, in denen zuletzt 110 Menschen arbeiteten, wurden im Mai 2013 von der HaMix GmbH übernommen. Denn Christoph Meyer und Tobias Schwarte hatten entschieden, einen Neustart zu wagen. Meyer war bei Vogeley als Geschäftsführer mit der Abwicklung der Vogeley-Gesellschaften beauftragt, Schwarte – ein studierter Wirtschaftsinformatiker – für Produktion, Disposition und Logistik zuständig.

„Mit acht Mitarbeitern und uns beiden Geschäftsführern haben wir am 1. Mai 2013 angefangen und uns dann stetig vergrößert. Am 2. Mai hat uns der erste potenzielle Neukunde hier besucht. Die Erstkontakte gingen über Kontakte von früher. So sind wir stetig gewachsen“, erklärt Tobias Schwarte. Inzwischen beschäftigt HaMix 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und produziert 5500 Tonnen pro Jahr.

Vieles haben die beiden Unternehmer verändert, der Fokus aber ist geblieben: die Lohnfertigung hochwertiger Lebensmittel auf Trockenstoffbasis, mit den Verarbeitungsschwerpunkten Mischen und Abfüllen. Die Produktpalette reicht von Vanillezucker, Back- oder Puddingpulver über Instant-Kaffeegetränke und Proteinshakes bis zu Suppen, Saucen oder Salatkräutermischungen. Dazu werden Produkte wie Zucker, Maisstärke, Mehl, Gewürze oder Aromen nach einer Rezeptur in riesigen Horizontal- und Vertikalmischern miteinander vermengt und veredelt. Je nach Abnehmerschaft werden die Produkte entweder in Papiertütchen, Dosen, Schlauchbeutelverpackungen oder Großgebinden abgefüllt.

Eine Auswahl von Produkten, die HaMix herstellt. Foto: Insa Hagemann.

Ein Ass von HaMix war von Anfang an der von Vogeley verbliebene Wirbelschichttrockner. „Das ist die Anlage, die der Wettbewerb nicht hat. Somit konnten wir damals drei Kunden von Vogeley übernehmen“, so Schwarte. Die rund sechs Meter hohe Maschine ummantelt in ihrem riesigen Trichter Rohstoffe wie beispielsweise Backpulver mit Fett oder verbindet feinste Pulverartikel durch Aufsprühen von wässrigen Lösungen – und trocknet diese dann wieder. „Bei diesem Prozess verkleben die Produkte miteinander wie zu einem Schwamm – mit dem Ergebnis, dass sich das Pulvergemisch in Flüssigkeit besser auflöst.“

Zu den Kunden zählen namhafte Markenhersteller, Lebensmittelhändler wie Aldi, Penny oder Rewe, Großverbraucher wie Kantinen und Gastronomiebetriebe und Start-Ups. „Wir sind als Lohnverarbeiter gestartet und haben dann eine eigene Entwicklung aufgebaut“, berichtet Schwarte. Das „Private Label Geschäft“, also die komplette Entwicklung und Produktion von Produkten wie Vanillezucker oder Backpulver für Lebensmittelhändler, hat sich inzwischen zu einem Schwerpunkt entwickelt.

Der Trend zu gesünderen Produkten schlägt sich auch bei HaMix in zucker-, gluten- oder salzreduzierten Produkten nieder. Rund dreißig Prozent der Tonnage sind inzwischen bio. Mit „Nutristyle“ und „M°“ hat HaMix seit 2017 zwei Eigenmarken auf dem Markt und setzt damit auch auf Fleischersatzprodukte wie „Veggi Burger“ oder „Veggi Gemüsefrikadellen“. Die neuen Produkte werden im eigenen Labor entwickelt, getestet und verkostet. Weitere vegetarische und vegane Produkte stehen in der Pipe-line: „Besonders im Bereich veganer Ernährung entwickeln wir gerade viel, zum Beispiel vegane Mayonnaise“, erläutert Schwarte.

Im Labor werden Produkte geprüft und neue Produkte entwickelt. Foto: Insa Hagemann.

Etwa 90 Prozent der Waren werden an Kunden in Deutschland geliefert, rund 10 Prozent ins meist europäische Ausland. Bevor die Rohstoffe eingelagert werden oder das Werk als fertige Produkte verlassen, werden sie im Labor auf Kriterien wie Geschmack, Farbe oder Viskosität geprüft. Rückrufaktionen hat das Unternehmen bislang nicht erlebt. Die Zusammenarbeit mit Kunden ist eher langfristig. „Die Produkte wechseln, aber die Kunden bleiben“, so Schwarte. Um mehr Kapazitäten zur Verfügung zu haben, hat HaMix zusätzlich zum 7500 Quadratmeter großen Hauptproduktionstandort auf dem ehemaligen Vogeley-Gelände vor zwei Jahren in Rodenberg einen zweiten Standort mit rund 4700 Quadratmetern eröffnet.

Die Produktion bei Vogeley in den 1930er Jahren. Foto: Vogelei.

Über Vogeley
Keimzelle von HaMix ist die 1892 von Adolf Vogeley und Karl Ludwig Bruhns in Kassel gegründete „Drogerie zum Rothen Kreuz“. Zwei Jahre später wurde die Firma in Hannover mit einem Zweigbetrieb der Drogerie und einem Kleinhandel für Spirituosen erweitert, wiederum zwei Jahre später die „Hannoversche Puddingpulverfabrik Adolf Vogeley“ gegründet. In den darauffolgenden Jahren wurde der Vertrieb auf Groß- und Einzelhandel, Gaststätten und Hotels erweitert. Während der Kaiserzeit war Vogeley Hoflieferant des preußischen Heeres. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb in Hannover weitgehend zerstört, die Produktion wich in die Molkerei Hameln aus. Nach dem Krieg wurde der Betrieb in Hameln erweitert. Seit 1990 wurden schwerpunktmäßig Großverbraucher beliefert. 2008 übernahm Vogeley das Aktienkapital der Wachter AG Nahrungsmittelwerke Schwaig. Wenige Monate später wurden die Wachter-Werke jedoch geschlossen. Vogeley befand sich in einer finanziellen Schieflage. 2011 verkaufte die Familie Vogeley die Mehrheit ihrer Anteile an ein Bankenkonsortium, bevor das Unternehmen endgültig 2012 an die Hügli AG verkauft wurde. Der Schweizer Lebensmittelhersteller übernahm die Marke Vogeley, die Rezepturen, den Kundenstamm und einen Teil des Vertriebsteams. Damals hatte Vogeley 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Produktion wurde in ein Hügli-Werk nach Radolfzell verlagert, der Vogeley-Standort Hameln im April 2013 geschlossen.