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Sichtbarer werden in Afrika: Staatsministerin Keul besucht die IHK

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Katja Keul, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, sprach vor dem Arbeitskreis Afrika und tauschte sich mit IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt (l.) und IHK-Präsident Gerhard Oppermann aus.
So groß und vielfältig wie der Kontinent selbst sind die Aufgaben, vor denen Politik und Wirtschaft gerade stehen. Und Deutschland muss in Afrika jetzt sichtbarer werden: So lässt sich am ehesten zusammenfassen, was Staatsministerin Katja Keul an Informationen in die IHK Hannover mitbrachte.

 

Die gegenseitige Abhängigkeit sei in der aktuellen Situation nur noch deutlicher geworden, so Katja Keul: Ernährungskrise, Pandemie, Klimawandel. Sie lieferte einen Parforceritt durch die Afrika-Agenda der Bundesregierung von der Sicherheits- über die Wirtschafts- bis zur Kulturpolitik. Wesentliches Ziel: Nicht nur angesichts der starken Position Chinas, sondern auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sichtbarer werden. Dazu müsse  man die Kommunikation stärken, gerade auch im Hinblick auf Demokratie und Multilateralismus, also Zusammenarbeit über Grenzen hinweg, sagte die Staatsministerin.

Auch die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit spielt eine wesentliche Rolle. Die Rückgabe von Kunstwerken, wie sie gerade begonnen hat, sei dabei erst der Anfang, so Keul.

Hürden zwischen den Ländern Afrikas

Im Bereich der Wirtschaft zeichnete sich im Austausch mit den Unternehmerinnen und Unternehmern in der IHK weitgehende Übereinstimmung ab. Zum Beispiel mit Blick auf Hürden zwischen den afrikanischen Staaten selbst: Katja Keul sprach die Handelshemmnisse auf dem Kontinent an. Bernd Brandorff, der Vorsitzende des IHK-Arbeitskreises, bestätigte und erweiterte das Problem mit Blick auf fehlende Verkehrsinfrastruktur, die dazu führe, dass die beste Verbindung zwischen zwei afrikanischen Ländern über Dubai führen könne.

Delegationsreisen angemahnt

Die gleiche Einschätzung auch bei der Energiepolitik: Die derzeitigen Abhängigkeiten Deutschlands ließen sich gemeinsam mit Afrika beseitigen, so Keul. Der dringende Bedarf nach Strom steht aber gegen die Klimaschutz, wenn manche afrikanische Länder auf fossile Brennstoffe setzen.

Bernd Brandorff, Vorsitzender des IHK-Arbeitskreises Afrika.

Brandorff wurde in diesem Zusammenhang noch deutlicher und nannte es „irrwitzig“, wenn angesichts der Möglichkeiten aus politischen Gründen auf Fotovoltaik verzichtet werde. Er forderte hier gezielte Förderprogramme. Ebenso mahnte er, dass Deutschland ständig in Afrika sichtbar sein müsse, etwa durch politisch begleitete Delegationsreisen. Auch hier durchaus Übereinstimmung mit Katja Keul, die bereits zuvor deutlich gemacht hatte, dass die Politik sich ihrer flankierenden Rolle für die Unternehmen bewusst sei.

Verbesserungen bei den Arbeitsvisa

Als besonderes Anliegen bezeichnete die Staatsministerin Verbesserungen bei den Arbeitsvisa. Sie wies auf viele junge Menschen hin, die sowohl in Deutschland arbeiten als auch lernen könnten. Denn Afrika hat ebenfalls ein Fachkräfteproblem, etwa bei Eisenbahningenieuren – was die Lösung der Infrastrukturfragen nicht einfacher macht. Wobei, auch das wurde mehrmals deutlich, die Situation von Land zu Land höchst verschieden ist. Schließlich ist Afrika auf dieser Erde der Kontinent mit den meisten Staaten.

Was sowohl in den Worten von Katja Keul als auch in der anschließenden Diskussion deutlich wurde, formulierte Thomas Ehbrecht, der als Unternehmer auch in der Politik zu Hause ist: „Schneller werden, schneller werden, schneller werden.“

Live in die Sitzung aus Addis Abbeba zugeschaltet: Die Unternehmerin Emebet Tafesse informiert über den Kaffeeanbau in Äthiopien.

Aktualisierte Fassung des Beitrags. In einer früheren Version hieß es noch, dass die beste Verbindung zwischen afrikanischen Staaten über Europa führen könne. Dieser Hinweis wurde in Dubai korrigiert.