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Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auf die Wirtschaft in Niedersachen nicht anders als bundesweit in voller Breite aus. Je nach Branche sind Unternehmen unterschiedlich betroffen, nahezu alle aber von drastisch steigenden Energiekosten. Eine ganze Serie von Umfragen und Gesprächen ergab im März ein zunehmend deutlicheres Bild.

Knapp 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland spüren direkt oder indirekt die Folgen des Krieges. In der Industrie und der Logistik sind es über 90 Prozent. Das ergab eine bundesweite Umfrage der Industrie- und Handelskammern Mitte März, an der sich auch die IHK Hannover beteiligte.

Im Mittelpunkt stehen zunächst die international in mehreren Schüben verhängten Sanktionen. Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover, machte deutlich, dass die Unternehmen in großer Mehrheit absolut hinter den Sanktionen stehen. Sie forderte aber eine besser koordinierte Information, um die Unternehmen vor Verstößen und den damit verbundenen Strafen zu schützen und Handelsbeziehungen, soweit sie noch erlaubt sind, zu ermöglichen. Bereits Anfang März hatte aber eine Umfrage der IHK Hannover in ihrem Bereich gezeigt, dass viele Unternehmen ihr Russlandgeschäft auch über die Sanktionen hinaus einstellen. Insgesamt sind rund 500 niedersächsische Unternehmen in Russland oder in der Ukraine aktiv.

Inzwischen, so Bielfeldt, werde allerdings auch deutlich erkennbar, welche Einschnitte damit verbunden sind: „Für einzelne Unternehmen, die bisher besonders große Umsatzanteile mit russischen Partnern erzielt haben, wird die Situation existenzbedrohend.“ Noch bestehende Geschäftsverbindungen werden zudem durch Probleme in der Logistik belastet.

Mitte März nahm Bielfeldt für die IHK Hannover an einem Krisengespräch mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann teil. Dabei standen neben den direkten Folgen durch die Sanktionen vor allem die rasant steigenden Energiekosten im Mittelpunkt. Althusmann hatte bereits zuvor das Gespräch mit niedersächsischen Unternehmen der Energiebranche gesucht. Aus aktueller Sicht und ohne weitere Liefereinschränkungen ist danach die Gasversorgung bis zum Winter gesichert. Die Preisexplosion macht aber nach den Ergebnissen der bundesweiten DIHK-Umfrage fast 90 Prozent der Unternehmen zu schaffen und sorgt bereits für existenzielle Probleme, insbesondere in energieintensiven Bereichen. Althusmann sprach sich dafür aus, die Wirtschaft über Senkungen bei den Steuern auf Energie zu entlasten. Die Einnahmeausfälle beim Bund hält Althusmann für verkraftbar. Die Vorschläge zur Senkung der Energiesteuern entsprechen Forderungen, wie sie von IHK-Chefin Bielfeldt und weiteren Wirtschaftsvertretern nach dem Krisengespräch vertreten wurden. Neben betroffenen Unternehmen nahmen auch Volker Schmidt als Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall und Oliver Meinecke für die Unternehmerverbände Niedersachen am Treffen teil.

Wirtschaftsminister Althusmann will außerdem prüfen, ob bislang nicht ausgeschöpfte Fördermittel für Unternehmen genutzt werden können, die durch in Ukraine-Krieg in Bedrängnis gekommen sind. Dazu müssten die beihilferechtlichen Voraussetzungen geklärt werden. Er wies jedoch auch darauf hin, dass manche Unternehmen bereits mit dem Rücken zur Wand stünden.

Auch die Konsequenzen für die Unternehmen durch die gesamtwirtschaftlichen Folgen des Krieges werden immer deutlicher. Die Krise hat alle Konjunkturprognosen vom Jahresbeginn überholt. Danach sollte auch die Inflation im Laufe des Jahres moderat sinken. Auch diese Einschätzung ist mittlerweile überholt.