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Ein Transportunternehmer mit ukrainischen Wurzeln, ein Reisebusunternehmen und ein gut vernetzter Finanzexperte haben zusammen mit vielen anderen Unternehmen und Privatpersonen aus Hannover einen Transport von Sachspenden an die polnisch-ukrainische Grenze auf den Weg gebracht. Auf der Rückfahrt können die Busse Flüchtlinge nach Deutschland bringen.

Die große Welle der Hilfsbereitschaft hat Stanislav Shmul überrascht. Seit er den Aufruf gestartet hat, den Menschen aus der Ukraine zu helfen, steht das Handy des Selbstständigen aus Hannover nicht mehr still. Bereits Ende vergangener Woche hatte sich der 34-Jährige mit einem alten Linienbus auf den Weg an die polnisch-ukrainische Grenze gemacht, um dort Sachspenden abzuliefern. Doch nach mehreren Pannen mit dem Bus musste er seine Fahrt in Polen abbrechen. Aber das war nicht das Aus für die gute Idee – zurück in Hannover organisierte er sich die Hilfe vieler Freunde und Unternehmen.

Schörnig-Reisen stellt Busse und Fahrer
So wurde das Busreise-Unternehmen Schörnig-Reisen eigentlich nur gefragt, ob es die Aktion mit Fahrern unterstützen könnte. „Mit fremden, eventuell älteren Bussen zu fahren, kam für uns nicht in Frage. Aber mit unseren eigenen Bussen unterstützen wir das gern“, sagt Martin Schörnig. Am Mittwoch sollen zwei Busse des Unternehmens die Reise antreten, vollbeladen mit Sachspenden, die an der polnisch-ukrainischen Grenze benötigt werden. Neben sechs Fahrern will auch der Betriebsleiter die Fahrt begleiten. Angedacht ist, dass die Busse auf der Rückfahrt an der Grenze gestrandete Frauen und Kinder aufnimmt, die nach Deutschland wollen. „In Absprache mit den Behörden würden wir dann die Aufnahmestelle in Braunschweig ansteuern oder auch Hannover, sofern die Menschen hier gut untergebracht werden können“, erklärt Schörnig, der von der Diakonie Empelde-Ronnenberg um Unterstützung gebeten wurde.

Sammelstelle in Hemmingen
Säcke voller warmer Kleidung, Konserven und Windelpakete stapeln sich neben Babynahrung und Hygieneartikeln in Tüten auf dem Grundstück von Matthias Uelschen in Hemmingen. „Das ist alles in den letzten 48 Stunden zusammengekommen“, sagt der Unternehmer, der unter anderem als Finanzberater für Fußballprofis sein Geld verdient. „Ich kenne Stanislav seit mehr als 20 Jahren und musste nicht lange überlegen, ob ich ihn unterstütze.“ Er teilte den Aufruf für die Hilfsaktion in seinem privaten Netzwerk und erhielt binnen kürzester Zeit neben den Sachspenden rund 2500 Euro überwiesen. „Für das Geld haben wir heute Windeln, Babynahrung und Lebensmittel gekauft“, erklärt Uelschen.

Matthias Uelschen hat eine Hinweistafel für die Aktion an der Sammelstelle angebracht. Foto: Georg Thomas.

Stanislav Shmul hat nach den Problemen mit dem Bus die Grenzregion bereits einmal mit einem kleineren Transport erreicht. Er beschreibt die Lage dort inzwischen als gut und geordnet, allerdings gebe es noch immer lange Schlangen von Autos und Menschen auf der ukrainischen Seite der Grenze, die in der nächsten Zeit versorgt werden müssten.

Shmul und seine Unterstützer achten sehr genau darauf, dass sie nur die Dinge zusammentragen, die an der Grenze auch benötigt werden. So geht es ihm einmal darum, die ankommenden Flüchtlinge zu versorgen, aber auch die Männer, die in der Ukraine bleiben und kämpfen müssen. Helme und Schutzwesten seien nicht zu bekommen, aber warme Jacken und Medikamente seien hier gefragt, erklärt der Unternehmer, der eigentlich Sicherheitsdienstleistungen für Konzerte und Veranstaltungen anbietet. Im Zuge der Corona-Krise hat Shmul erst sein Transportunternehmen gegründet, das es ihm jetzt erleichtert, zu helfen. „Wenn man so will, hat das ganze ja dann jetzt auch etwas Gutes.“

Stanislav Shmul hat an seinem Transporter die Ukraine-Flagge angebracht. Foto: Georg Thomas

Zu den Unterstützern der Aktion haben sich inzwischen weitere Unternehmen gesellt. So hat Martin Schörnig von der hannoverschen Niederlassung der Team Energie GmbH + Co. KG die Zusage über eine Unterstützung mit 1000 Liter Kraftstoff erhalten. Die Brötchen-Express Hannover GmbH hat dem Team 1000 vakuumierte belegte Brötchen angeboten. Der Fotograf Oliver Farys hat den Aufruf am Wochenende über viele Kanäle in Social Media verbreitet.

Wer die Aktion mit Sachspenden unterstützen will, kann sich telefonisch bei Matthias Uelschen (Tel. 0178 5142830) über die Details der Abgabe informieren.

Benötigt wird vor allem Winterbekleidung für Männer, Frauen und Kinder. Die Spenden sollten sauber, gut erhalten und gut verpackt sein.

Weitere Informationen zu der Hilfsaktion:
Facebookseite von Stanislav Shmul

Sie planen auch eine Hilfsaktion mit ihrem Unternehmen oder wissen von der großzügigen Unterstützung eines Unternehmens, dann geben Sie uns gern bescheid.

nw@hannover.ihk.de, Tel. 0511 3107–468