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Garten. Fest. Spiele. So heißt das Motto der Landesgartenschau in Bad Gandersheim, die in einem halben Jahr eröffnet. Vom 14. April bis zum 9. Oktober 2022 erwartet die Stadt im Landkreis Northeim mehr als 460.000 Menschen auf dem gut 40 Hektar großen Gelände.

Man braucht noch einiges an Vorstellungskraft, um sich auszumalen, wie es im nächsten Jahr auf dem Gelände der Landesgartenschau (LaGa) aussehen wird. Rund um die drei Osterbergseen sind die alten Wege des Kurparks aus den 1970er Jahren vollständig
entfernt. Eine neue Wegeführung lässt sich bereits erahnen, in einigen Teilen ist ein neues, weiß-graues Pflaster aus schmalen Riemen bereits verlegt. Der zweite Osterbergsee hat eine neue Uferlinie erhalten, neue Bastionen ragen in den See. Wenn im April nächsten Jahres die Besucher über das LaGa-Gelände strömen, werden sie hier über einen ein Kilometer langen, optisch und pflanzlich einheitlich gestalteten Boulevard flanieren, der sie bis in die historische Innenstadt Bad Gandersheims führt – immer entlang eines farbenprächtigen Blütenbands.

Gartenschau mit Kontrapunkt Auenlandschaft
Rund 40 Hektar umfasst das Gelände der Schau, durchflossen von den beiden Flüssen Gande und Eterna, das sich aus vier Parkbereichen mit unterschiedlichem Charakter zusammensetzt: dem alten Kurpark mit den drei Seen, dem Sport- und Spielpark, dem Roswitha-Park und dem Auepark, einem aus ehemaligen Feuchtwiesen entstandenen Landschaftsschutzgebiet. Zum Konzept der Landesgartenschau gehören die klassischen Gartenanlagen, etwa die zehn Themengärten, in denen Unternehmen des Verbands der Garten- und Landschaftsbau-Betriebe aktuelle Trends der Gartengestaltung präsentieren. Dazu zählt auch die Blumenhalle, ein großer Zeltbau, in dem alle zwei Wochen wechselnde florale Ausstellungen gezeigt werden.

Mehr als 1500 Veranstaltungen an 179 Tagen
Auf dem Programm stehen an den 179 Tagen insgesamt rund 1500 Veranstaltungen, die auch auf der neuen Seebühne, für die die Sparkasse als Namenssponsor auftritt, oder der Parkbühne stattfinden werden – vom Konzert bis zur Lesung, vom Freiluftkochen bis zur morgendlichen Yoga-Stunde. Im Sport- und Spielpark wird ein Rundweg, der „Loop“, an Aktionsflächen vorbeiführen, auf denen Sportvereine aus der Region Mit-Mach-Angebote anbieten. Am Osterbergsee wird der Weltmeister Samuel Voléry auf einer bis zu 200 Meter langen Slackline seine Tricks zeigen. Die kann das Publikum anschließend in Bodennähe im Roswitha-Park selbst ausprobieren. Einen Kontrapunkt zur lebhaften Atmosphäre in diesen Bereichen setzen die Organisatoren im Auepark, einem Landschaftschutzgebiet im urbanen Kontext. Hier wird ein barrierefreier Holzsteg errichtet, der erstmals den Blick auf die bislang verborgenen Wasserflächen mit ihrer Flora und Fauna ermöglicht. In Abstimmung mit dem Naturschutz wurde hier besonders schonend gearbeitet – so wurde etwa auf Stahlanker anstelle fester Betonfundamente gesetzt. Auch in den anderen Bereichen haben die Planer stets darauf geachtet, wenn überhaupt, dann sensibel in den alten Baumbestand einzugreifen. Neue Elemente und Pflanzen seien mit großer Behutsamkeit eingefügt worden. Bei der Auswahl der neuen Gehölz- und Staudenbepflanzung wurde auf einen geringen Wasserbedarf
und Pflegeaufwand geachtet.

Die Sole-Quelle, dahinter das neue Kurpark-Quartier
– bald mit Café und 70 Hotelzimmern. Foto: Georg Thomas

Bevölkerung stimmte für die Landesgartenschau
Rund 60 Prozent der Bevölkerung des Kurorts mit etwas weniger als 10.000 Einwohnern haben sich im Jahr 2017 für die Ausrichtung der Veranstaltung ausgesprochen. „Die Idee, sich für eine Gartenschau zu bewerben, gab es in der Stadt schon länger“, berichtet Franziska Schwarz, die seit 2014 Bürgermeisterin in Bad Gandersheim ist. „Für uns ist die Landesgartenschau eine Riesenchance, ohne die wir diese Investitionen finanziell niemals hätten stemmen können“. Und es seien Investitionen, die der Stadt und ihren Menschen nachhaltig nützen, wenn sie etwa an das sanierte Freibad, den barrierefreien Zugang vom Skulpturenpfad zur Stadt oder auch eine neue, sichere Straßenführung denkt, die erst durch die Schau nun umgesetzt werden.

Der neue barrierefreie
Weg, der den Skulpturenweg an die Stadt anbindet. Foto: Georg Thomas

Sole-Freibad als Teil der Gartenschau
Das Freibad, das gerade aufwendig saniert und umgebaut wird, gehört während der LaGa zum Veranstaltungsgelände, was es in dieser Form bei einer Landesgartenschau auch noch nicht gab. Das Becken wird zu einer Seite wie ein Sandstrand gestaltet. Wie am richtigen Meer wird auch in Gandersheim das Wasser salzig schmecken, der Salzgehalt wird etwa dem der Ostsee entsprechen. So erhält der Ort eines von nur drei Sole-Freibädern in Deutschland. Nach Abschaffung der sogenannten „Sozialkur“ Mitte der 1990er Jahre kämpft die Stadt, die auch durch ihre Domfestspiele und die Verleihung des Roswitha-Literaturpreises bekannt ist, noch mit einigen Herausforderungen. Drei Kurkliniken und ein Krankenhaus sind Bad Gandersheim nach der Gesundheitsreform geblieben. Am Rand der Innenstadt mit ihren hübschen Fachwerkhäusern steht etwa eine markante frühere Kurklinik seit längerem leer. Wenn alles so läuft, wie geplant, dann dürfte sich die Landesgartenschau für den Ort und die Region in mehrerer Hinsicht auszahlen. Finanziell: Die Stadt trägt nur einen Eigenanteil von wenigen hunderttausend Euro und erhält vom Land über Förderprogramme und Finanzhilfen insgesamt 10 Mio. Euro netto für die Investitionen. Erstmalig erhält eine kleine Kommune eine direkte Förderung vom Land Niedersachsen für die Ausrichtung einer Landesgartenschau. Sowohl die Organisatoren als auch Bürgermeisterin Schwarz wollen am Ende finanziell eine schwarze Null erreichen. Dass dies möglich ist, zeigt das Beispiel der letzten niedersächsischen Landesgartenschau in Bad Iburg vor drei Jahren. „Aber dort hat auch das sehr gute Wetter zu dem außergewöhnlichen Erfolg beigetragen“, betont der Pressesprecher. „Die Besucherzahlen wurden damals übertroffen und am Ende hatte die Schau einen Gewinn von rund 800 000 Euro erwirtschaftet“, erklärt Terhorst. Bad Gandersheim plant eher zurückhaltend, weil man gutes Wetter nicht voraussehen kann. Egal wie es kommt, Bad Gandersheim profitiert strukturell: Neben der Sanierung des Kurparks, der Pflasterung der Wege und der neuen attraktiven Flächen und der Bepflanzungen wird das seit drei Jahren geschlossene Freibad saniert. Zusätzlich löst die Schau private Investitionen aus: So bauen zwei Unternehmer aus dem Ort gerade ein altes Hotel für rund 6 Mio. Euro um. Unter dem Namen Kurpark-Quartier sollen dort ein Boardinghouse mit 70 Zimmern, barrierefreie Wohnungen und ein Café entstehen. Bislang mussten Übernachtungsgäste immer in Orte der Umgebung ausweichen. „Die Erfahrung zeigt, dass die Landesgartenschau- Orte nachhaltig profitieren, auch von der Imagesteigerung und der gewonnenen Attraktivität“, so Terhorst.

Riesenchance für die Stadt
Damit die Landesgartenschau in Bad Gandersheim zu einem Erfolg wird, setzt man
in Südniedersachsen auf Erfahrung. So ist es gelungen, Volker Schwarz ins Team zu
holen, der die Durchführung vieler Landesgartenschauen begleitet hat und sich in Marketing-, Veranstaltungs- und Organisationsfragen dieser besonderen  Großveranstaltungen bestens auskennt. Als gleichberichtigte Geschäftsführerin ist
auch Ursula Stecker Teil des Teams. Die selbstständige Unternehmensberaterin hat bereits die Landesgartenschau Bad Iburg erfolgreich gemanagt. Und gegen einen solchen wirtschaftlichen Erfolg hätte man sicherlich auch in Bad Gandersheim nichts einzuwenden.

Zahlen und Fakten
14. April bis 9. Oktober
Tageskarten 19 Euro, Kinder (U18) 5 Euro;
Jahreskarten ab 119 Euro jeweils inklusive
Eintritt ins Sole-Freibad. Kombiangebote
für Unternehmen, etwa für Betriebsausflüge
oder andere Firmenevents, sind möglich.

Weitere Informationen auf der
Internetseite der Landesgartenschau Bad Gandersheim 2021

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Georg Thomas

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Georg Thomas