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Die Freitags-Kolumne: Digital erschütternd

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Nehmen wir die Digitalisierung eigentlich ernst? Es gibt beunruhigende Hinweise, dass genau das nicht der Fall ist. Klar, die Diskussionen über Deutschlands digitale Versäumnisse waren in den Monaten der Pandemie allgegenwärtig. Aber Gefahr erkannt heißt noch lange nicht: Gefahr gebannt.

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie sind da schlicht erschütternd. Wenn es um die digitale Wettbewerbsfähigkeit geht, fallen wir weiter zurück. Das Institut mit dem etwas sperrigen Namen European Center for Digital Competitiveness hat erneut untersucht, wie sich die Staaten weltweit entwickelt haben. Zählen wir mal auf: Unter den G7-Staaten liegt Deutschland auf Platz 6 vor Japan, in der G20 auf 17. Unter den Ländern Europas und Nordamerikas hat nur Albanien noch mehr an digitaler Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt.

Gemessen wird das in der Studie unter anderem an der digitalen Kompetenz der Menschen oder an den Hürden für eine Unternehmensgründung. An den Möglichkeiten, Fachkräfte aus anderen Ländern zu holen oder an der Verbreitung mobiler Breitband-Anschlüsse. Aber auch die Offenheit von Unternehmen gegenüber disruptiven Ideen geht in das Ranking ein. Um es noch einmal zu sagen: Über das ganze Spektrum dieser Kriterien hinweg hat Deutschland international deutlich an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Wobei eigentlich ein dickes Ausrufezeichen hinter diesen Satz gehört. Und das, während gleichzeitig irgendwie intensiv über den Digitalisierungsnachholbedarf gesprochen wird. Irgendwie. Aber auch nicht überall, wie Bitkom-Chef Achim Berg zuletzt mit Blick auf zentrale Fernseh-Kandidaten-Diskussionen anmerkte.

Digitale Aufsteiger übrigens sind erneut China unter den G20, wen überrascht’s? Bei den G7 stehen Kanada sowie Frankreich und Italien oben. Das aber zeigt auch: Hoffnung gibt es immer, um an dieser Stelle einmal mehr ein Filmzitat zu verwenden. Denn Studie zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit zeigt auch, dass man mit den richtigen Maßnahmen auch schnell nach oben kommen kann. Allerdings muss man dazu, um des deutlich zu sagen, aus dem Quark kommen. (pm)

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.