Start Themen Im Fokus Die Freitags-Kolumne: Digital-Spiele

Die Freitags-Kolumne: Digital-Spiele

-
TEILEN

Digital-Spiele: Über kaum einen Aspekt der Digitalisierung kann man so herrlich kontrovers diskutieren wie über E-Sport. Genau: Ist das überhaupt Sport? Sollen doch die – zumeist – jungen Leuten sich lieber bewegen statt vor Konsole oder PC zu hocken. Die Argumente lassen sich mittlerweile hin- und herschieben wie bei einer Standarderöffnung im Schach. Eben, das Brettspiel gilt auch den Traditionalisten unwidersprochen als Sport. Selbst manche olympische Disziplin setzt voraus, dass man sich möglichst nicht bewegt.

Die Anhänger eines klassischen Sportverständnisses werden trotzdem wohl eher skeptisch nach Hannover blicken. Dort wirft man sich voll ins Thema, die Region hat gerade angekündigt, auf 2500 Quadratmetern bis Mitte 2022 eine Arena für E-Sports und Gaming-Aktivitäten aufzubauen. Samt Trainingsmöglichkeiten. Und mit interaktivem Videospielmuseum.

Das wird so manchem suspekt sein. Aber man kann Computerspiele auch anders sehen: Als Prüfstein, um zu messen, wie sehr man sich auf die Digitalisierung einlässt. Denn die, das wissen wir, ändert alles. Aber sind wir dafür wir wirklich bereit? Die Einstellung zu E-Sport kann da ein Selbsttest sein. Oder auch zu Videospielen als Literatur. Sie stutzen? Die Direktorin des Marbacher Literaturarchivs hat dazu schon vor zwei Jahren eine Diskussion ausgelöst, weil sie auf der Schillerhöhe (!) Videospiele sammeln und erforschen wollte.

Sport, Literatur – und Wirtschaft. „Das E-Sport- und Gaming-Zentrum wird wichtige Impulse für die niedersächsische Wirtschaft setzen“, meint Digitalstaatssekretär Stefan #digiSts Muhle. Da kommt einiges zusammen. Spiele als Treiber für intuitive Software-Bedienung. Selbstverständlicher Umgang mit mehrteiligen Bildschirmen inklusive Chat – kommt Ihnen das aus Ihrer letzten Videokonferenz bekannt vor? Wirklichkeitsnahe Animationen, digital unterstützte und virtuelle Realität. Lernprogramme, die Belohnungssysteme nutzen – Gamification nennt man das.

Nicht nur Hannover, auch Niedersachsen hat schon länger einen Hang zum Videospiel. Mit dem APITs Lab zum Beispiel, dass zwischen Spielebranche und Unternehmen vermitteln soll. Da schaute auch ein Ministerpräsident mal bei der Gamescom vorbei, die aber nun mal in Köln ist. Als Messe jedoch eine ziemliche Nummer. Überhaupt, wer es lieber in harter Währung mag: Erstfußballbundesligaabsteiger Schalke 04 war früh im E-Sport unterwegs, allerdings nicht mit der Fußballsimulation Fifa, sondern mit Computerspiel League of Legends. Die Westfalen haben gerade ihre LOL-Liga-Lizenz für über 26 Mio. Euro verkauft. Dürfte für etwas Luft sorgen beim anderen Sport auf dem grünen Rasen.

Da nehmen sich die 168.000 Euro, die in Hannover in das neue Zentrum fließen, nahezu bescheiden aus. Aber es könnte ein wichtiger Schritt sein, Hannover als zentralen Ort für die Branche zu bestätigen. pm

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.