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Der erste Ausgabe trägt das Datum 15. Mai 1946: In diesen Tagen vor genau 75 Jahren traf die Niedersächsische Wirtschaft als neue IHK-Zeitschrift erstmals in den Unternehmen ein. In einem Gebiet zwischen Nordsee und Harz, das aber noch nicht Niedersachsen war: Erst ein paar Monate später im November entstand das heutige Bundesland.

Zweimal im Monat acht Seiten, auf grobem Papier gedruckt. Der erste Leitartikel, fast genau ein Jahr nach Kriegsende, steht unter der Überschrift „Tatsachen – Pläne – Hoffnungen“. Manches spricht dafür, dass Dr. Johannes Niggemann ihn schrieb. Er war Gründungschefredakteur der neuen Zeitschrift, Mitarbeiter der IHK Hannover, Journalist aus Überzeugung. Und er war es, der zunächst persönlich die Lizenz für die Niedersächsische Wirtschaft erhielt: So steht Niggemann 1947 im Impressum der NW. Denn die NW war – natürlich – zunächst ein Blatt der britischen Militärbehörden.

Um die Erlaubnis für eine neue IHK-Zeitschrift zu bekommen, wird Niggemann, das darf man getrost annehmen, des Öfteren im hannoverschen Anzeiger-Hochhaus gewesen sein. Seit Januar 1946 gab es in der britischen Besatzungszone wieder Zeitungen, zunächst in Braunschweig und Lüneburg. Einen Tag nach der Niedersächsischen Wirtschaft erschien in Düsseldorf erstmals das Handelsblatt.

In Hannover war ab 1946 für die Presse der damals gerade 21-jährige britische Offizier John Chaloner zuständig. Mag sein, dass der sich weit mehr für die Zusammenarbeit mit dem etwa gleichaltrigen Sohn eines hannoverschen Kamerafabrikanten und Fotohändlers interessierte als für eine IHK-Zeitschrift: Während die Vorbereitungen für die Niedersächsische Wirtschaft liefen, trieben Chaloner und seine Leute zusammen mit dem Kreis um Rudolf Augstein im Anzeigerhochhaus das Projekt eines Nachrichtenmagazins voran, das im Herbst in Hannover unter dem Titel „Diese Woche“ erschien und kurz darauf in Hamburg zum „Spiegel“ wurde.

Johannes Niggemann dürfte diese ganze Entwicklung gefreut haben. In seinen Unterlagen finden sich Hinweise darauf, dass er bereits mit Kriegsende auf die britischen Besatzungsbehörden zuging, um insbesondere in wirtschaftlichen und kirchlichen Bereichen die Zulassung einer von deutschen Redakteurinnen und Redakteuren geschriebenen Presse anregte, der Glaubwürdigkeit wegen. Und bei seinem Tod 1963 wurde Niggemann als Verfechter der Idee gewürdigt, den Veröffentlichungsorganen der Industrie- und Handelskammern den Charakter eines Magazins zu geben.

Denn eine Erfindung der Nachkriegszeit sind IHK-Publikationen gerade in Hannover nicht. Die Ursprünge im heutigen Niedersachsen reichen bis ins Jahr 1868 zurück, als erstmals die Wochenschrift des Gewerbevereins auch als Organ der hannoverschen Handelskammern erschien. Im Januar 1921 kam dann erstmals das „Wirtschaftsblatt Niedersachsen“ heraus, unmittelbarer Vorgänger der NW. In den Jahren nach 1945, die in eine Zeit des Übergangs und nicht allein eines Neubeginns waren, zeigt sich schon an der Wahl des Namens, worauf sich die Industrie- und Handelskammern bezogen. Denn sie hatten sich seit Jahrzehnten für einen Niedersachsen benannten Wirtschaftsraum im Nordwesten Deutschlands eingesetzt.

Nur kurz darauf hatte die neue Zeitschrift dann ein erstes großes Thema. Nicht nur, dass im Frühsommer 1947 die „soziale Marktwirtschaft“ als Wirtschaftsmodell vor- und zur Aussprache gestellt wurde: Wenige Wochen zuvor hatte auch die NW eine Herbstmesse in Hannover angekündigt. Die Möglichkeiten, überhaupt eine solche Exportschau veranstalten zu können, wurden in der Folge geradezu leidenschaftlich diskutiert. Bis zur digitalen Ausgabe dieses Jahres begleitet die NW seither die Hannover Messe und den Messestandort insgesamt. Und dazu zählt auch die von der IHK Hannover leidenschaftlich unterstützte Expo 2000 wie nicht minder die IdeenExpo.

In den frühen Jahren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stand der technische Fortschritt auch als Thema der Handelskammer-Publikation über allem. Die Ausgaben strotzen nur so von Hinweisen auf alles, was gerade neu war. Mehr und mehr Raum nahmen später Themen wie Bildung und Außenwirtschaft ein, und immer geht es um die Region: Was bietet die Wirtschaft mit ihren Branchen und Unternehmen, also: Was sind die Stärken? Und was muss verbessert werden? Es sind die Kernanliegen der IHK, um die sich die Niedersächsische Wirtschaft als Publikation dreht. Und, nicht zu vergessen, die gedruckte Ausgabe ist bis heute das Veröffentlichungsorgan der IHK, neben beispielsweise Prüfungsordnungen oder Sachverständigen auch für alles, was die IHK selbst betrifft – bis hin zu den alle vier Jahre stattfindenden Wahlen.

Im Zentrum steht aber immer die regionale Wirtschaft mit ihren vielfältigen Unternehmen. Deren Interessen zu vertreten, ist Aufgabe jeder Industrie- und Handelskammer. Und ebenso, die Wirtschaft zu fördern. Für die Niedersächsische Wirtschaft heißt das: informieren. Und das längst nicht mehr allein auf Papier. Die NW erscheint auch als Digitalausgabe, die dem gedruckten Heft entspricht. Das Webmagazin, in dem Sie diesen Beitrag lesen, ergänzt seit Ende 2017 die Digitalausgabe und bietet die Möglichkeit für mehr und aktuellere Information. Damals war und ist vielleicht bis heute das Webmagazin als IHK-Angebot in dieser Form einmalig. Digital first: Das gilt für die Niedersächsische Wirtschaft künftig noch mehr. Und als IHK-Publikation reiht sich die NW in eine Reihe anderer Kommunikationskanäle ein, mit denen die IHK Hannover Kontakt zu ihren Mitglieder und zur Öffentlichkeit hält: Internet, Newsletter, Social Media mit Twitter und Facebook oder Instagram. In den 75 Jahren seit der Erstausgabe vom 15. Mai waren die Veränderungen in der Medienwelt noch nie so massiv wie heute. Die Niedersächsische Wirtschaft wird sich auch daran anpassen, auch weiterhin.