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Werkzeug vom König

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Geschäftsführer Kurt König vor einem Takeuchi-Minibagger. Foto: Georg Thomas
Vom Schaufelbagger bis zur Schlagbohrmaschine: Kurt König versorgt Unternehmen aus der Mitte Deutschlands mit Werkzeug und Maschinen. Dabei setzt der 33-jährige Geschäftsführer des mehr als 80 Jahre alten Unternehmens aus Einbeck auch auf innovative, digitale Lösungen.

 

An schlechtem oder fehlendem Werkzeug dürften Heimwerker- und Bauprojekte in Einbeck nicht mehr scheitern. Denn seit zwei Jahren gibt es in der Stadt eine digitale Werkzeugverleihstation des Einbecker Baumaschinen-Experten Kurt König. Auf dem Gelände eines Baumarkts hat der junge Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens eine „kurts.toolbox“ aufgestellt. Rund um die Uhr kann man dort nun auf die Werkzeuge, über die ein gut sortierter Handwerksbetrieb verfügt, zurückgreifen. Mithilfe einer App können die Kunden wie bei einer Packstation zum Paketversand eines der Fächer öffnen und sich auch nur für ein paar Stunden beispielsweise einen Bohrhammer, eine Schleifmaschine oder ein Trocknungsgerät ausleihen. „Das Angebot wird hier besser angenommen, als wir gedacht hatten“, erklärt der 33-Jährige. Denn eigentlich habe das Unternehmen „kurts.toolbox“ in Einbeck nur erproben wollen, bevor man das neue Produkt in größeren Städten einführt. Das komplette Konzept, inklusive der App, haben die Einbecker selbst entwickelt und vor zwei Jahren sogar auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt. Seit April gibt es das Angebot auch in Hamburg. „Gerade in der Hochphase von Corona hat das dort richtig gut funktioniert, auch kostendeckend“, erklärt der Geschäftsführer.
Kerngeschäft von Kurt König ist allerdings der Verkauf und der Verleih von Baugeräten und Maschinen, zum Beispiel an regionale Baufirmen. Neben der Zentrale gibt es elf weitere Standorte in der Mitte Deutschlands, allein 360 Beschäftigte und nicht zu vergessen die drei Tochterfirmen in Polen, Lettland und Litauen. Neben großen und kleinen Baggern zählen beispielsweise auch Radlader, Walzen und Vorderkipper zum Angebot von König. „Die Kunden sollen bei uns alles bekommen, was sie für ihre Arbeit brauchen“, beschreibt es der Geschäftsführer, der vor vier Jahren in das Familienunternehmen einstieg, das sein Großvater 1932 in Nordhausen gegründet hatte.
Es ist dem Weitblick des Firmengründers zu verdanken, dass es das Unternehmen heute noch gibt. Denn Kurt König senior, der einst auf dem Rad die Gründungsphase meisterte, schickte 1945 seinen besten Lehrling nach Einbeck, um dort eine Niederlassung aufzubauen. Als der Betrieb in Nordhausen Ende der 50er Jahre kurz vor der Verstaatlichung in der DDR stand, floh die Familie, um das Unternehmen im Westen fortzuführen.
Jetzt ist seit 2016 die Enkelgeneration an der Reihe. Etwas früher als geplant hat Kurt König die Führung des Familienunternehmens übernommen. „Ich hatte den Eindruck, dass es der richtige Zeitpunkt ist.“ Die polnische Tochterfirma des Unternehmens stand damals kurz vor der Abwicklung. „Ich wollte mir vorher einmal vor Ort selbst ein Bild machen.“ Am Ende war er sechs Monate dort. Zusammen mit dem Geschäftsführer der litauischen Tochter deckte er Unregelmäßigkeiten auf und stellte einen neuen Geschäftsführer für das Unternehmen in Polen ein.

Niederlassungen in Osteuropa
Bevor Kurt König Veränderungen in der Einbecker Zentrale anpackte, machte er über mehrere Monate in allen Bereichen des Unternehmens Station, auch um die Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit kennenzulernen. „Es lief nicht alles schlecht damals, aber es fehlte die klare Linie“, erinnert sich König, der gleich zu Beginn eine Strategie entwickelte mit Zielen, die ihm und allen Beschäftigten Orientierung bieten. So entstand der Leitsatz: „Wir schaffen die besten Voraussetzungen für unsere Kunden“, die gleichzeitig mit der „höchsten Qualität“ und „breitestem Angebot“ bedient werden sollen. So können die Kunden heute 4500 verschiedene Produkte bei König mieten, von der Rüttelplatte bis zur Großmaschine. Und bei der Auswahl hilft das Unternehmen mit fachkundiger Beratung. „Kein anderer Händler bietet so viele Produkte und Dienstleistungen aus einer Hand an“, schätzt König. So warten und reparieren die Einbecker auch die Baumaschinen ihrer Kunden in den eigenen Werkstätten.

Blick in die Werkstatt von Kurt König in Einbeck: In der Baubranche ist es üblich, dass der Händler auch Wartung und Reparatur der Maschinen übernimmt. Foto: Kurt König

In den letzten Jahren hat das Unternehmen zudem an den eigenen Strukturen gearbeitet und in diesem Zuge ein modernes Führungsmodell etabliert. „Mit den Maßnahmen haben wir nun die Voraussetzungen geschaffen, um in den nächsten Jahren zu wachsen“, sagt König. Weitere Niederlassungen seien durchaus denkbar. Die europäischen Töchter mitgerechnet zählt König mehr als 450 Beschäftigte, die zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 130 Mio. Euro erwirtschaftet haben.
Die Handschrift Kurt Königs zeigt sich aber auch im auffälligen und modernen Markenauftritt des Unternehmens inklusive Logo. Der Geschäftsführer musste hier gar nicht alles neu erfinden. Denn „die Farben orange und türkis prägten unser Erscheinungsbild bereits in den 1960er Jahren. Wir haben das nun wieder aufgenommen“, erklärt König. Sogar bis nach Ghana, wo Kurt König im vergangenen Jahr eine Berufsschule eröffnete, haben
es die Unternehmensfarben schon geschafft. „Zu unserer Überraschung hatte man die Fassade der Schule orange und türkis gestrichen“, erklärt der Geschäftsführer, der auch die Idee zu der Wohltätigkeitsaktion hatte. „Wir haben uns vor zwei Jahren komplett davon verabschiedet, unseren Kunden Weihnachtsgeschenke zu überreichen. Das Geld dafür kommt nun bedürftigen Menschen in Afrika zugute, die in der Schule eine Ausbildung absolvieren können.“ Über den Fortgang des Projekts, das die Einbecker zusammen mit dem Göttinger Verein Kpawumo umsetzen, informiert König regelmäßig in einem Blog. Natürlich hätten sich auch Kunden bei ihm gemeldet, die die Weihnachtsgans vermisst hätten. „Aber es war die richtige Entscheidung“, sagt König.

Statt Geschenken: Kurt König steckte das Geld lieber in den Bau einer kleinen Berufsschule in Ghana. Foto: Kurt König

Honig von Maschinchen
Möglicherweise können sich die König-Kunden allerdings bald über ein Glas Honig vom unternehmenseigenen Bienenvolk freuen. Anfang Juli hat König auf dem Firmengelände mit einem Imker einen Bienenstock aufgestellt. Auch ein passender Name für das Bienenvolk wurde gefunden: Maschinchen.
Kurt Königs Anspruch ist es, ein fortschrittliches Familienunternehmen zu führen. Und das Thema Innovation treibt ihn generell um. So hat er in Hamburg das Tochterunternehmen „Vioki“ gegründet, das auch andere Unternehmen insbesondere aus der Baubranche bei der digitalen Transformation unterstützt. Bei digitalen Diensten gebe es noch Nischen. Das beste Beispiel: „kurts.toolbox“.

 

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Georg Thomas

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