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Sennheiser will jede fünfte Stelle abbauen

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Daniel und Dr. Andreas Sennheiser (v.l.). Foto: Barbara Dörmer

Die Sennheiser-Gruppe mit Firmensitz in der Wedemark kämpft mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie und mit einem harten Wettbewerb im Kopfhörer-Bereich. Bis Ende 2022 sollen 600 Stellen abgebaut werden. 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der zunehmende Wettbewerb bei Kopfhörern für den privaten Gebrauch haben den Audiospezialisten Sennheiser aus der Wedemark ausgerechnet im Jahr seines 75-jährigen Bestehens stark getroffen. Dies berichteten Daniel und Dr. Andreas Sennheiser, die beiden Geschäftsführer des 1945 gegründeten Unternehmens, bei der Vorlage der Zahlen für 2019. „Wir bekommen die Auswirkungen auch massiv zu spüren, wenn unsere Kunden, unsere Märkte betroffen sind. Und zwar im Consumer- als auch im Pro-Bereich“, erklärte Daniel Sennheiser. Das Unternehmen werde „einen erheblichen Ergebnis- und auch Umsatzrückgang in allen Bereichen haben.“

Der Absatz von Mikrofonen sei sowohl im professionellen Bereich als auch im Consumer-Bereich massiv eingebrochen. Auch der Verkauf von Kopfhörern sei massiv beeinträchtigt. Hinzu kommt, dass auch 2019 – nach einem bereits eher mäßigen Vorjahr – nicht so gelaufen war, wie man sich das gewünscht hatte. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 hat die Sennheiser-Gruppe zwar im professionellen Bereich ein kräftiges Wachstum verzeichnet, blieb mit dem Consumer-Geschäft aber hinter ihren Erwartungen zurück. Unter dem Strich wurde ein Gesamtumsatz von 756,7 Mio. Euro erzielt – 6,5 Prozent mehr als 2018; das EBIT lag mit 18,5 Mio. Euro leicht unter dem Vorjahresniveau von 21,2 Mio. Euro.

Die Corona-Krise – so die Einschätzung der beiden Manager – werde sich noch weit bis ins kommende Jahr auswirken. „Mit der Absage von Live-Events auf der ganzen Welt ist die gesamte Veranstaltungs- und Musikindustrie praktisch zum Stillstand gekommen und läuft nur sehr langsam wieder an. Viele Verleiher und andere Dienstleister sind in ihrer Existenz bedroht. Dies hat deutliche Auswirkungen auf den Absatz von Mikrofonen, die sich auch noch im nächsten Jahr in unserem Geschäftsverlauf bemerkbar machen werden. Einzige Ausnahme sind bislang Studiomikrofone“, beschreibt Daniel Sennheiser die Situation. Außerdem sei der weltweite Kopfhörermarkt in den vergangenen Monaten um 30 bis 40 Prozent geschrumpft, insbesondere, weil der Verkauf im stationären Handel in vielen Ländern gar nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt möglich war. Im gleichen Umfang ging auch der Umsatz von Sennheiser-Kopfhörern zurück. Seit März hat Sennheiser darauf mit Kostenreduzierungen und Kurzarbeit reagiert.

Vor diesem Hintergrund will Sennheiser bis Ende 2022 bis zu 650 Stellen weltweit reduzieren, rund 300 davon im Heimatmarkt Deutschland. Hier arbeiten derzeit 1400 der weltweit 2800 Sennheiser-Mitarbeiter. Der Abbau soll möglichst sozialverträglich erfolgen. Unter anderem ist geplant, offene Stellen nicht nachzubesetzen und neben Möglichkeiten zur Altersteilzeit und Vorruhestand ein Freiwilligenprogramm und Abfindungsoptionen anzubieten. „Wir sind ein Familienunternehmen und jeder einzelne unserer Mitarbeiter ist Teil des Teams. Gemeinsam teilen wir die Leidenschaft für Audio. Vor diesem Hintergrund fällt uns dieser Schritt sehr schwer, und es ist uns wichtig, betriebsbedingte Kündigungen so weit wie möglich zu vermeiden und mit den Mitarbeitern individuelle Lösungen zu finden“, sagte Dr. Andreas Sennheiser.

Neben diesen Maßnahmen will Sennheiser sein Profil künftig wieder mehr darauf schärfen, was das Unternehmen ausmacht: „Wir werden an unseren Kernkompetenzen festhalten und die beiden Divisionen Consumer und Professional weiter stärken. Hierfür erhöhen wir die Eigenständigkeit der Divisionen und übertragen die operative Verantwortung vollständig an diese beiden Geschäftsbereiche“ so Dr. Andreas Sennheiser. Besonders Erfolg versprechend seien derzeit Produkte aus dem Bereich Konferenztechnik und eine 3D-Soundbar.

 

Sennheiser wurde im Juni 1945 von Dr. Fritz Sennheiser, dem Großvater von Dr. Andreas und Daniel Sennheiser, als „Laboratorium Wennebostel“ (kurz „Labor W“) gegründet. Anläßlich des 75-jährigen Bestehens erzählen Mitarbeiter, Kunden, Freunde und Fans auf der Geburtstagswebsite in 75 Geschichten über ihre magischen Momente bei Sennheiser.