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Auftragsschub durch Corona

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Rainer Schmidt (links) und Tobias Regenhardt vor einer Prüfanlage für FFP2-Masken.
Die Lorenz Meßgerätebau GmbH & Co. KG steht trotz Corona-Pandemie gut da: Die Messanlagen für Atemschutzfilter aus Katlenburg-Lindau sind aktuell in der ganzen Welt gefragt.

 

Bis Ende des Jahres sind die Auftragsbücher gut gefüllt“, erklärt Tobias Regenhardt (40). Zusammen mit Rainer Schmidt (54) bildet er die Geschäftsführung der Lorenz Meßgerätebau GmbH & Co. KG. Der Messgeräte-Spezialist für Atemschutzfilter und Rauchmelder aus Katlenburg-Lindau erlebt die Corona-Pandemie aktuell deutlich positiver als die meisten anderen Unternehmen. „Corona hat zu einem starken Anstieg der Nachfragen nach Testgeräten für Atemschutzmasken geführt“, so Schmidt. „Zuerst sind allerdings die Märkte in Asien weggebrochen – vor allem in China, wo wir sehr viele Kunden haben.“

Seit März häufen sich im Unternehmen die Anfragen von Maskenproduzenten, die die Qualität ihrer FFP2-Masken oder anderer Halbmasken mit Hilfe der Anlagen aus Katlenburg prüfen wollen, und von Prüfeinrichtungen wie der Dekra oder von Landes- oder Bundesbehörden. Viele Masken, die aus China kamen, entsprachen den beiden Managern zufolge nicht den Vorgaben. Auch Unternehmen aus anderen Ländern, die auf den FFP2-Zug aufsprangen, taten sich mit der Maskenproduktion schwer: „Viele haben es unterschätzt, FFP2-Masken herzustellen. Das ist gar nicht so einfach“, stellt Schmidt fest.

Sondermaschinenbau Filtermessung. Foto: Lorenz Meßgerätebau

„Die einschlägige Norm für Schutzmasken ist die EN 149. Danach muss eine FFP2-Maske mindestens 94 Prozent der Partikel abhalten. Die Masken, die am Markt sind, sind aber in der Regel besser“, erklärt Regenhardt. „Eine FFP2-Maske lässt ein bis zwei Prozent der Partikel – beispielsweise Viren, die in der Luft sind – durch. Eine Community-Maske 90 Prozent. Die Community-Masken schützen aber insofern, als keine Tröpfchen verteilt werden“. Die Prüfgeräte von Lorenz Meßgerätebau können die Abscheideleistung von Partikelfiltern mithilfe verschiedener flüssiger Aerosole wie etwa Paraffinöl, die von einem Laserphotometer gemessen werden, bestimmen. Zusätzlich können die Geräte den Atemwiderstand der Maske messen. Aerosolgeneratoren sind dabei ein essentieller Teil; die damit erzeugten Aerosole dienen zum Testen der Effizienz bzw. des Abscheidegrads von Filtern. Da diese auch bei der Prüfung von Rauchmeldern verwendet werden, hat sich hier ein weiteres Geschäftsfeld aufgetan.


„Meist gibt es Anlässe wie die Erfüllung der Rauchmeldepflicht, die Schweinegrippe oder SARS, die zu einer erhöhten Nachfrage nach unseren Produkten führen .“
Tobias Regenhardt


 

Neuland für das Unternehmen ist aktuell allerdings die Produktion in höheren Stückzahlen. Die Herstellung der Anlagen ist aufwändig. So dauert es etwa bis zu einem halben Jahr, bis beispielsweise ein Testkanal für Rauchmelder fertiggestellt ist. „Wir mussten in Richtung Massenproduktion denken, obwohl wir eine Manufaktur sind“, sagt Regenhardt. Inzwischen hat das rund 20-köpfige Team aus Elektronikern, Physikern, Programmierern, Mechanikern und Konstrukteuren die Fertigung so umgestaltet, dass mehrere Anlagen parallel gebaut werden können. Wie viele Aufträge unter Corona-Arbeitsbedingungen bearbeitet werden können, haben die Manager zusammen mit ihren Mitarbeitern definiert. „Wir sind ein Familienunternehmen und haben gemeinsam ein Ziel festgelegt, wie viele Geräte wir bis zum Herbst produzieren wollen“, so Schmidt. „Uns ging es dabei sehr darum, den Leuten zu helfen. Denn mit Beginn der Pandemie haben viele Firmen angefangen, Filtermasken zu entwickeln bzw. zu fertigen“, beschreibt er die Motivation. Als Dienstleistung hat Lorenz Meßgerätebau außerdem Masken – darunter auch Community-Masken – getestet, die Unternehmen zur Bekämpfung von Covid-19 jetzt genäht haben.

Testtunnel zur Messung von Rauchmeldern. Foto: Lorenz Meßgerätebau

Zum Produktportfolio gehören neben den Anlagen zur Messung von Aerosolen auch Messanlagen für Rauch- oder Wärmemelder. Lorenz Meßgerätebau hat vor 20 Jahren den ersten Testkanal für diese Melder entwickelt und sich seitdem auf dem Weltmarkt einen Namen gemacht. Weitere Produkte sind Messausrüstungen für die Schwebstofffilterprüfung oder Messgeräte zur Beurteilung des schwebefähigen Feinstaubanteils von Schüttgütern. Viele Kunden kommen aus der Lebensmittel- und Baustoffindustrie und testen mit Hilfe der Anlagen von Lorenz den Feinstaubanteil von Mehl, Tütensuppen, Katzenstreu oder Zement. „Bei der Produktion darf nicht so viel Staub aufwirbeln. Das ist für die Maschinen nicht gut. Oder die Verpackungen, in die sie eingefüllt werden, schließen dann nicht mehr“, erklärt Regenhardt. Auch Abluft oder Allergiefilter von Staubsaugern lassen sich mit den Produkten testen, ebenso wie Raumluftfilter. Einige Anlagen sind Sonderanfertigungen, die auf die Belange eines Kundens entwickelt und installiert werden – etwa als Teil einer Produktionsstraße. Hauptabsatzmärkte für Lorenz Meßgerätebau sind die EU, Russland, Asien, Nordafrika und Australien.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Neben einer mittelfristigen Personalverstärkung wollen die beiden Manager das Produktportfolio unter anderem im Bereich der Atemschutzfilterprüfung, basierend auf einem NaCl-Aerosol (Kochsalzlösung) erweitern, um so weitere Bereiche der entsprechenden Norm abdecken zu können.

 


Start in einer Garage
Das Unternehmen wurde 1985 von Gerhard Lorenz im südniedersächsischen Krebeck gegründet. Der Entwicklungsingenieur beim Göttinger Labortechnikspezialisten Sartorius begann in seiner heimischen Garage Platinen zu ätzen, um erste elektronische digitale Glasthermometer für Labore zu entwickeln. Rainer Schmidt ist seit 1988 an Bord, Tobias Regenhardt kam 2001 dazu. Beide absolvierten am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen erfolgreich eine Ausbildung zum Industrie-Elektroniker Geräte. 2007 übernahmen Schmidt und Regenhardt das fünf Mann starke Unternehmen und zogen an den heutigen Standort Im Siechenanger – eine ehemalige Tischlerei – in Katlenburg-Lindau um. Seitdem stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 22 an.


 

 

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Barbara Dörmer

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