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Am Scheitelpunkt?

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Dramatisches Bild auch in der dritten IHK-Umfrage zur Lage der niedersächsischen Wirtschaft in der Pandemie: Vier von fünf Unternehmen erwarten überwiegend drastische Umsatzeinbußen. Bei vielen könnte sich, so die Einschätzung Anfang Mai, der Umsatz in diesem Jahr sogar mehr als halbieren.

 

Momentaufnahme nach Wochen harter Einschränkungen, aber mit den ersten Lockerungen im Rücken und den Stufenplan des Landes für einen Corona-Exit vor Augen:
Rund 1700 Unternehmen beteiligten sich Anfang Mai an der dritten Ad-hoc-Umfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern. Im März wurde die Wirtschaft deutschlandweit nach und nach heruntergefahren: Veranstaltungen abgesagt, Geschäfte und Gastronomie geschlossen, Produktion gedrosselt oder gestoppt. Stillstand beim Tourismus, Kurzarbeit in ungekanntem Ausmaß. Bis Mitte April dauerte der Lockdown: Um Ostern herum war, wenn man so will, ein Scheitelpunkt erreicht. Seit dem 20. April wurde in Niedersachsen schrittweise gelockert. Seit Anfang Mai liegt das Konzept des Landes für den, wie es heißt, Weg in einen neuen Alltag mit Corona vor.
In diese Situation fiel die mittlerweile dritte Ad-hoc-Umfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern während der Pandemie. Und Ergebnisse wie diese wären noch vor wenigen Monaten jenseits jeglicher Vorstellungskraft gewesen: Mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen erwarten Umsatzeinbußen im zweistelligen Prozentbereich. Etwa 30 Prozent befürchten sogar mindestens eine Halbierung. Dieser Wert liegt noch über dem der Ad-hoc-Umfrage im März (27 %).


Auch in der turnusmäßigen IHK-Quartalsumfrage zur Konjunktur im April, bei der vergleichbar viele, zum Teil jedoch andere Unternehmen befragt wurden, gingen fast zwei Drittel von Umsatzeinbußen aus. Allerdings war hier der Anteil der Firmen, die einen Einbruch um mehr als 50 Prozent erwarten, mit fünf Prozent kleiner. Knapp 30 Prozent sahen sich aber damals noch nicht in Lage, überhaupt eine Einschätzung abzugeben.


Etwa 44 Prozent der Unternehmen in Niedersachsen hatten Anfang Mai ihre Tätigkeit nahezu oder sogar komplett eingestellt. Rund 15 Prozent befürchten sogar eine Insolvenz in den nächsten Monaten. Und mit einer Rückkehr zur Normalität rechnet jedes dritte Unternehmen erst für das kommende Jahr.
„Fast alle Unternehmen leiden unter Nachfrageeinbrüchen und fehlender Kundschaft bei gleichzeitig hohen Fixkosten und coronabedingten Mehrkosten. Insbesondere die Unternehmen, die nur aufgrund der behördlichen Vorgaben in eine existenzgefährdende Situation gekommen sind, müssen auch in einer weiteren Förderphase unterstützt werden. Die Unternehmen benötigen keine weiteren Kredite, die sie später nicht bedienen können, sondern direkte Unterstützung und weniger Belastungen durch Steuern und Abgaben“, so Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen (IHKN).
Besonders betroffen sind in Niedersachsen Gastgewerbe und Tourismus. Aber auch der niedersächsische Handel erreichte trotz Wiedereröffnung keineswegs Normalniveau. Gut ein Drittel der Unternehmen verzeichnete Anfang Mai weniger als die Hälfte der Kunden wie noch vor der Krise. Knapp 70 Prozent müssen dagegen Kosten stemmen, die in etwa genauso hoch sind wie vor Corona; bei nahezu jedem fünften Unternehmen sind die Kosten sogar noch gestiegen. Das führt oft zu einer stark rückläufigen Eigenkapitalausstattung (62 %) und in 27 Prozent der Unternehmen trotz aller Soforthilfen zu konkreten Liquiditätsengpässen.
Die Ergebnisse der Ad-hoc-Umfrage hellen das konjunkturelle Bild in keiner Weise auf. Bereits im April bezifferten die Industrie- und Handelskammern den Rückgang der niedersächsischen Wirtschaft auf einen Wert um acht Prozent. Von einer schnellen, V-förmigen Erholung der Wirtschaft könne man aktuell nicht ausgehen, so IHKN-Hauptgeschäftsführer Schrage.

 

Das Bild der Krise in Zahlen

Momentaufnahme Anfang Mai: Die Industrie- und Handelskammern haben in Niedersachsen rund 1700 Unternehmen zu unterschiedlichsten Aspekten befragt, neben erwarteten Umsatzrückgängen und den unmittelbaren Auswirkungen auch zur Entwicklung der Kundenzahl oder der Kosten. Eine wesentliche Rolle spielt auch die Unternehmensfinanzierung. Hier zeigt sich, dass derzeit die Krise vor allem auf die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen durchschlägt. Außerdem haben die Unternehmen insbesondere mit Forderungsausfällen und einer Zunahme ungesicherter Forderungsausfälle zu kämpfen. Die Umfrageergebnisse dienen auch dazu, der Politik ein aktuelles Bild der Wirtschaftslage zu vermitteln: In der Krise hat sich der regelmäßige Austausch zwischen Landesregierung und Industrie- und Handelskammern nochmals intensiviert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Klaus Pohlmann

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