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Corona trifft Reisekonzern: TUI baut um und spart

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Foto: TUI/Christian Wyrwa
TUI-Hauptverwaltung in Hannover.
Die TUI ist bereit für einen Neustart der Urlaubsreisen in Deutschland und Europa. Gleichzeitig werden aber die Verwerfungen durch die Stilllegung nahezu aller Geschäftsbereiche des Konzerns deutlich.

 

Die Lage: Nach starkem Jahresbeginn eine durch Corona erzwungene Absage aller Reisen. Ein Milliardenkredit von der KfW, den die TUI schnell zurückzahlen will, um die hohe Verschuldung abzubauen. Das – und erste Schritte in Europa zu Grenzöffnungen und einem einer gewissen Wiederaufnahme des Tourismus bereits in den kommenden Wochen – sind die Rahmenbedingungen bei dem von TUI-Vorstandschef Friedrich Joussen vorangetriebenen Umbau des Konzerns zu einem digitalen Plattform-Unternehmen.

Heißt mit anderen Worten: Der Druck hat sich immens erhöht. Corona hat einen Digitalisierungsschub gebracht, der die Transformation beschleunigt. Gleichzeitig kämpft TUI mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie: Der Tourismus in der gesamten Breite vom Reisebüro bis zur TUI als weltweit führendem Reisekonzern gehört zu den am meisten gebeutelten Branchen: Früh und umfassend betroffen, werden sie voraussichtlich auch besonders lange an den Folgen leiden. Die TUI setzt angesichts eines nicht nur global geschwächten, sondern auch nach der Pandemie nachhaltig veränderten Tourismusmarktes auch auf umfangreiche Kostensenkungen. Friedrich Joussen nannte eine Zahl von 8000 Stellen weltweit, die nicht mehr besetzt oder abgebaut werden sollen. Er kündigte Einschnitte bei Kosten, bei der Größe des Unternehmen und der weltweiten Präsenz an. So sollen die Gemeinkosten dauerhaft und konzernweit um 30 Prozent reduziert werden.

Der TUI-Vorstandschef bekräftigte das Ziel, die TUI zu einem digitalen Plattform-Unternehmen umzubauen. Joussen: „Die TUI soll gestärkt aus der Krise hervorgehen. Aber sie wird eine andere TUI sein und ein anderes Marktumfeld vorfinden als vor der Pandemie.“

Hoffnungssignal: Die ersten Hotels der TUI auf Sylt und in Mecklenburg-Vorpommern öffnen in den kommenden Tagen ihre Türen für Gäste. Weltweit werde in den Häusern des Konzerns aktuell ein 10-Punkte Katalog für erhöhte Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt. TUI-Chef Joussen sagte, die organisierte Reise biete gerade jetzt große Vorteile. Er äußerte die Hoffnung, dass die später startende Saison dafür länger dauern könnte.

Mitte März, noch vor Ablauf der ersten sechs Monate des bis September dauernden Geschäftsjahres, musste die TUI ihre operativen Reiseaktivitäten aufgrund von Covid-19 aussetzen. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich der Konzern auf Kurs: In den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres wurde der Umsatz um sechs Prozent auf 6 Mrd. Euro gesteigert. Das operative bereinigte EBIT ohne die Auswirkungen von Einmaleffekten lag bei minus 240 Mio. Euro – das entspricht einer Verbesserung um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mit dem Herunterfahren des Reisebetriebs wurde die 2020 Prognose für das gesamte Geschäftsjahr zurückgezogen, und es gibt auch noch keine neue. Derzeit ist das Sommerprogramm noch zu 35 Prozent gebucht.