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Für ein besseres Gründer-Klima

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Vier von fünf Start-ups in Deutschland sehen in der aktuellen Krise ihre Existenz bedroht. Der Landkreis Northeim hat sich daran gemacht, das Gründer-Klima gezielt zu verbessern und damit Erfolg gehabt. Vielleicht ein Vorbild auch für andere nach der Pandemie.

 

Wie schnell Corona die Verhältnisse auf den Kopf stellt, zeigt sich auch bei den Gründern. Im vergangenen Jahr wurden im Bereich der IHK Hannover 15 794 Unternehmen gegründet, 4,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Jetzt, kurz nach dem Start, trifft sie das Virus.

Betroffen ist die komplette Gründerszene. Vier von fünf Start-up-Unternehmen in Deutschland sehen in der aktuellen Krise ihre Existenz bedroht. Im Tourismus sind es sogar fast alle. Das ergab eine bundesweite Umfrage des Start-up-Verbandes. Die Ergebnisse seien „schlimmer als befürchtet“, so Verbandspräsident Christian Miele.

urück in die IHK-Region: Im vergangenen Jahr lag bei den Neugründungen laut Landesamt für Statistik neben den Landkreisen Nienburg und Holzminden mit zweistelligen Zuwachsraten Northeim an der Spitze, was die Dynamik betrifft. Gerade dort wurde auch intensiv am Gründungsklima gearbeitet, denn 2018 war der Landkreis in dieser Hinsicht noch Schlusslicht im Bereich der IHK. Die Maßnahmen haben offenbar gewirkt. Damit könnte der Landkreis im Süden Niedersachsens Orientierung für die Zeit nach der Krise bieten, um das Gründer-Ökosystem zu stützen.

Im vergangenen Jahr wurden im Northeimer Kreisgebiet 603 neue Gewerbeanmeldungen gezählt – ohne Übernahme bestehender Betriebe. Das sind 45,5 Anmeldungen pro 10 000 Einwohner, im Jahresvergleich ein Plus von 13 Prozent, wie der Landkreis errechnete. Demgegenüber stehen 533 Abmeldungen, also vollständige Geschäftsaufgaben. Die Zahl der Abmeldungen ist im Vergleich zum Jahr 2018 damit um sieben Prozent zurückgegangen. Auch in der sogenannten Gewerbebilanz, die sämtliche An- und Abmeldungen von Gewerbebetrieben berücksichtigt, hat sich der Landkreis Northeim von minus 39 auf plus 70 entwickelt. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel zeigt sich erfreut: „Die jetzt veröffentlichten Zahlen sollten uns Mut machen und unseren bisherigen Weg bestätigen. Auf keinen Fall dürfen wir uns darauf ausruhen sondern müssen, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Entwicklungen im Blick behalten, um gegebenenfalls über Unterstützungsmaßnahmen den möglichen Gründerinnen und Gründern zur Seite zu stehen.“

Bereits seit November 2017 gibt es das Gründernetzwerk im Landkreis Northeim. Arbeit und Austausch in diesem Netzwerk sieht man beim Landkreis als Ergänzung zum bereits seit Jahren bestehenden Gründungsforum Region Göttingen. Ziel des Netzwerks sei die Bündelung von Aktivitäten, das künftige Zusammenwirken der verschiedenen Akteure sowie die Entwicklung von Maßnahmen zur Opitimierung der Gründerkultur im Northeimer Kreisgebiet.

Als regionaler Partner des SüdniedersachsenInnovationsCampus (SNIC) und des Startup Göttingen e.V. ist die Wirtschaftsförderung des Landkreises seit April 2018 Mitveranstalter der regelmäßigen Startup & Innovation Meetups in Northeim – eine weitere Plattform, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Bislang haben neun Treffen stattgefunden, auf Grund der Pandemie steht der nächste Termin allerdings noch nicht fest. Geplant ist auch eine Fachstelle für Gründung und Selbstständigkeit in Northeim. Auch hier gibt es einen Kooperationspartner in Göttingen, und auch hier sorgt Corona für Verzögerungen: Ursprünglich sollte das Beratungs- und Seminarangebot in diesem Monat starten.

Corona trifft fast alle Start-ups
In der Pandemie hat sich die Wetterlage für Gründer grundlegend verändert. Neun von zehn Startups in Deutschland sind negativ von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie des Bundesverbands Deutsche Startups, die zusammen mit dem Hamburger Marktforschungsinstitut Curth+Roth Ende März veröffentlicht wurde. Befragt wurden mehr als 1000 Start-ups in Deutschland. Jeweils gut ein Fünftel der teilnehmenden Unternehmen kommt aus Bayern und Berlin, Niedersachsen ist mit knapp sechs Prozent der Antworten vertreten.

Die Probleme ziehen sich im Wesentlichen durch alle Branchen – Ausnahme: Bau – und durch alle Größen und Gründungsphasen. Besonders hart trifft es junge Unternehmen, die in den nächsten Monaten Geld brauchen: Knapp 90 Prozent der Start-ups, die vor einer Finanzierungsrunde in den nächsten ein bis drei Monaten stehen, sind gefährdet. Wenn eine weitere Finanzierung erst nach dem Sommer ansteht, entspannt sich die Lage etwas: Dann sind es 62 Prozent, für die es nach eigener Einschätzung eng wird.

Zwei Drittel der Start-ups wollen staatliche Hilfsangebote nutzen. Dabei erwarten sie vor allem schnelle Bearbeitung und Entscheidung sowie eine komplett digitale Abwicklung der Anträge. Mehr als die Hälfte hoffen auf flexible Rückzahlungsmöglichkeiten und eine niedrige, das heißt unter Marktniveau liegende Verzinsung. Problem: Die Programme sind für viele Start-ups dann nicht nutzbar, wenn sie noch nicht reif sind für Bankkredite – nicht „bankable“, wie es die Verbandsvertreter formulieren. Angesichts der Umfrageergebnisse befürchtet Christian Miele ein Desaster und ein massives Sterben junger Unternehmen. Er forderte staatliche Liquiditätshilfen, die umfassend für Start-ups greifen.

Politik signalisiert Verständnis
Mit seinen Argumenten findet der Verband immerhin in der Politik offene Ohren. Die Zusammenarbeit mit dem Start-up-Beauftragten der Bundesregierung, Thomas Jarzombek, sei intensiv gewesen, so Verbandspräsident Christian Miele. Jarzombek sieht als Zugeständnis an die Startup-Szene, dass bei den Größenkriterien für Unternehmen zusätzlich zu Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Bilanzsumme auch die Marktkapitalisierung berücksichtigt werde. Bei den Soforthilfen, so Jarzombek, sei auch noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.

 

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Klaus Pohlmann

 

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