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    Continental-Bilanz mit Verlust: In jeder Hinsicht mittendrin

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    Continental: Kurz vor dem Jubiläum vor massiven Herausforderungen. Im nächsten Jahr wird der Konzern 150 Jahre alt.
    Alles auf einmal: Nicht zufrieden mit 2019, ein durch Corona verhagelter Start ins aktuelle Geschäftsjahr, und das in Zeiten eines grundsätzliches technologischen Wandels und weiter bestehender Unsicherheiten: „Wir packen gerade alles an“, sagte Continental-Chef Elmar Degenhart und setzt dabei auf die technologische und bilanzielle Stärke des Konzerns.

    +++ Aktualisiert: Am 1. April hat Continental den Ausblick für 2020 zurückgezogen. +++

    Das im Sommer nach unten angepasste Umsatzziel mit 44,5 Mrd. Euro erreicht, beim Ergebnis ins Minus gedreht: Für 2019 schlägt ein Nettoverlust von 1,2 Mrd. Euro zu Buche. Im Jahr davor wies Continental noch ein Nettoergebnis von plus 2,9 Mrd. Euro aus. Unzufriedenheit also bei Vorstandschef Dr. Elmar Degenhart und Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Die beiden stellten jetzt in Hannover Zahlen für 2019 vor. Als Unternehmen habe man sich aber in einem herausfordernden Markt „vernünftig geschlagen“, so Degenhart.

    Besser entwickelt als der Markt

    Er kündigte einen Dividendenvorschlag von 4 Euro je Aktie an und stellte auch eine Bonuszahlung an die Mitarbeiter in Aussicht; über deren Höhe sei aber noch nicht entschieden. Continental habe sich besser entwickelt als der Markt, so Degenhart. Während die Automobilproduktion 2019 nach letzten Schätzungen weltweit um rund 6 Prozent nachgab, sank der organische Umsatz – also ohne Berücksichtigung von Währungskurseffekten und Veränderungen in der Zusammensetzung des Konzerns – im selben Zeitraum um 2,6 Prozent. Damit entwickelte sich das Unternehmen besser als seine Märkte.

    Drastische Beschreibung der aktuellen Lage

    Mit Continental veröffentlichte das größte Unternehmen der IHK-Region Hannover seine Geschäftsergebnisse für 2019. Der Zulieferer ist in jeder Hinsicht mittendrin: Die Herausforderung der digitalen Transformation in der Industrie insgesamt wird im Automobilsektor durch die Umstellung auf neue Antriebe noch massiv verstärkt. Und China als strategischer Markt für Continental leidet unter dem Coronavirus mit einem Einbruch der Automobilproduktion im ersten Quartal um 30 Prozent. Degenhart sieht den hannoverschen Traditionskonzern in dieser Situation aber weniger als Getriebenen, sondern mehr als Treiber der Entwicklung. „Wir sind der Wandel“, sagte er und sparte andererseits nicht mit drastischen Worten. Der Vorstandschef sieht die Automobilbranche in einem der bislang „heftigsten Stürme“, verwies auf eine „massive Marktkrise in Zeiten grundlegenden technologischen Wandels“ und erinnerte im gleichen Atemzug an die Weltwirtschaftskrise nach 2008.

    Continental als Problemlöser

    In dieser Situation sieht Degenhart den Konzern auf dem richtigen Weg, weil das, was Continental entwickelt, zur Lösung der Herausforderungen in der Mobilität beitrage – Klimaschutz und Transformation der Antriebstechnik ebenso wie autonomes Fahren und Vernetzung. Derzeit stamme 70 Prozent des Umsatzes aus der Kombination von Elektronik, Software und Sensorik – „bald werden es 80 Prozent sein“, so der Vorstandschef.

    Nachholeffekte unsicher

    Der Start ins Geschäftsjahr 2020 wird geprägt vom Coronavirus, der die ohnehin vorhandene Unsicherheit – Degenhart erinnerte an Handelsauseinandersetzungen und drastisch verschärfte Abgasvorschriften in Europa – weiter erhöht. In diesem Jahr rechnet Continental mit einem rückläufigen Umsatz, der sich zwischen 42,5 und 44,5 Mrd. Euro einpendeln soll. Der Vorstandschef hofft auf eine Beruhigung der gesundheitlichen Situation im zweiten Quartal. Allerdings sei unsicher, ob es dann zu Nachholeffekten kommt, also Autokäufer die aktuell ausbleibenden Bestellungen dann tätigen. Auch längerfristig wollte sich Degenhart nicht festlegen bei der Frage, wann der vor einiger Zeit geplante Sprung über die Umsatzmarke von 50 Mrd. Euro denn erfolgen könnte.

    Effizienzprogramm von 2019 wird ausgebaut

    In der aktuellen Situation arbeitet Continental aber zunächst an weiteren Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Den Ausbruch des Coronavirus habe man im vergangenen Herbst nicht vorhersehen können, man habe aber schon beim damals aufgelegten Strukturprogramm weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen. Degenhart wurde deutlich: Jeder Standort sei individuell zu betrachten, es gebe keine Garantien, und betriebsbedingte Kündigungen seien zwar nicht gewollt, aber als letzte, drastische Maßnahme denkbar. Er betonte dabei die Notwendigkeit, die Continental-Belegschaft zu qualifizieren – um ihre Einsatzmöglichkeiten im Rahmen der technologischen Transformation innerhalb des Konzerns zu verbessern oder auch ihre Beschäftigungschancen außerhalb.

    Noch kein Corona-Fall im Unternehmen

    Einen aktuellen Corona-Fall übrigens gibt es bei Continental nicht – und das bei 140.000 Beschäftigten weltweit, davon 25.000 in China. Man sei aber mit Notfallplänen vorbereitet und nutze in dieser Situation auch die Möglichkeiten der Heimarbeit.

     Vitesco-Pläne bestätigt

    An den Plänen zur Abspaltung der unter dem Namen Vitesco gebündelten Sparte Powertrain hält Continental fest. In diesem Bereich ist alles rund um den Antriebsstrang gebündelt. Für einen Spin-off, also die Übertragung von Vitesco-Anteilen an die Continental-Aktionäre, soll die Hauptversammlung im April grünes Licht geben. Vollzogen werden soll die Abspaltung dann in der zweiten Jahreshälfte. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer zeigte sich trotz der aktuellen Marktsituation optimistisch und wies auf Auftragseingänge von zuletzt 1,8 Mrd. Euro für Vitesco hin.

    Die Pressemitteilung mit umfassenden Zahlen auch für die einzelnen Sparten des Konzerns finden Sie hier.