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Wirtschaft für Azubis: Liebe als Wirtschaftsfaktor

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Liebe Ökonomie …
Bald ist Valentinstag. Yeah. Herzchen-Emoji. Was das mit Ökonomie zu tun hat? Der V-Day nicht unbedingt viel. Liebe aber eine ganze Menge. Zwinker-Emoji

Ökonomen gelten ja nicht unbedingt als beinharte Romantiker. Aber in den vergangenen Jahrzehnten taucht immer wieder die Liebe als Wirtschaftsfaktor auf. Jetzt erstmal nichts Falsches denken: Die Wissenschaftler sehen das in einer engen Verbindung – im wahrsten Sinn des Wortes – mit Themen wie Ehe und Familie. Oder Familienunternehmen. Doch der Reihe nach.
Erstmal noch ein kleiner Exkurs. In den Wirtschaftswissenschaften unterscheidet man Makro- und Mikroökonomie. Makro ist das, was man sich im Prinzip unter Volkswirtschaft vorstellt. Es geht um Bruttosozialprodukt, Konjunktur, und die Beobachtung der Wirtschaft aus der Vogelperspektive.
Mikroökonomie dagegen beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Entscheidungen Einzelner: Welche Kriterien bestimmen das Verhalten zum Beispiel von Unternehmen und den Menschen, die in ihnen zusammenarbeiten? Die Frage, wer etwas wie, wo und warum produziert stand ganz am Anfang der modernen Wirtschaftswissenschaften. Und vor etwa 40 Jahren hat ein US-amerikanischer Ökonom angefangen, Ehe und Familie nach ökonomischen Kriterien zu untersuchen. Gary S. Becker hieß er, und er wurde unter anderem mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Die Ehe, sagt Becker kurz gefasst, ist eine Art Produktionsgemeinschaft: Darüber wird wohnen, schlafen oder essen organisiert, ebenso wie die Betreuung von Kindern. Und sie erfüllt abstrakte Bedürfnisse, Zuneigung oder Zusammengehörigkeit. Liebe hin oder her: Für Ökonomen ist das höchste der Gefühle ohnehin Effizienz, also die Vorstellung, dass man etwas nicht nur irgendwie hinkriegt, also effektiv ist, sondern es bestmöglich – und damit effizient – erledigt. Und da ist eine funktionierende Ehe ganz weit vorn.
Immer wieder wurde auch festgestellt, dass verheiratete Menschen in Unternehmen leistungsfähiger sind. Dazu gibt es Studien. Und die Gründe sind nachvollziehbar. Verantwortung gegenüber Ehepartner und Kindern oder gesündere Lebensweise: Abends eher zu Hause als unterwegs, weniger Party. Und – Achtung, Valentinstag – keine Suchkosten mehr für Partnerinnen oder Partner. Also weniger Ablenkung vom Job.
Trotzdem: Wo bleibt die Liebe? Damit haben sich zum Beispiel seit 2010 Ökonomen in Kanada auseinandergesetzt. Etwa mit der Frage, wie die – in westlichen Industriegesellschaften ja heute verbreitete – Heirat aus Liebe sich auf Familienunternehmen auswirkt. Weil damit die Möglichkeit ausfällt, mit einer arrangierten Vernunft-Ehe (wie vielleicht noch im 19. Jahrhundert) unternehmerisches Know-how in die Firma zu holen. Bei einer Liebesheirat richten sich die Kinder ja nicht unbedingt danach, ob der oder die Auserwählte Chef-Qualitäten hat. Aktuell diskutierte These: Diese Entwicklung hat es Familienunternehmen in westlichen Industriegesellschaften nicht leichter gemacht, aber der Gesamtwirtschaft genutzt. Und natürlich ist eine Liebesheirat sooooo viel romantischer. Glücks-Emoji.