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Socon: Spitze in der Tiefe

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Socon-Geschäftsführer Dr. Andreas Reitze an einer Sonde, mit der die Firma in der Zentrale in Emmerke Test-essungen durchführt. Foto: Georg Thomas
Socon-Geschäftsführer Dr. Andreas Reitze an einer Sonde, mit der die Firma in der Zentrale in Emmerke Test-essungen durchführt. Foto: Georg Thomas
Weltweit gibt es nur gut eine Handvoll Unternehmen, die unterirdische Speicher für Erdgas, Erdöl oder Wasserstoff vermessen können. Die Socon Sonar Control Kavernenvermessung GmbH aus Emmerke im Landkreis Hildesheim ist eines davon: Technologisch an der Spitze und Weltmarktführer.

Manchmal ist es gut, wenn man alles allein macht: Oder besser gesagt, selbst macht. „So gut wie wir kennt sich wohl keiner unserer Wettbewerber mit der Technik aus“, sagt Dr. Andreas Reitze, Geschäftsführer der Socon Sonar Control Kavernenvermessung GmbH. Das Unternehmen aus Emmerke entwickelt und baut seine Systeme komplett selbst – von der Sonde bis zur Software. „Gerade, wenn es irgendwo ein Problem gibt oder ein Kunde einen Extrawunsch hat, ist das von Vorteil“. Denn in einem riesigen Markt ist das Unternehmen aus dem Landkreis Hildesheim nicht tätig. Im Gegenteil. „Wir sind ein absoluter Spezialdienstleister, in einem Nischenmarkt“, erklärt Dr. Reitze.

Von der Entwicklung bis zur Fertigung setzt Socon auf sein eigenes Team, was sich auch in den exakten Messergebnissen niederschlägt. Hajo David, Leiter der Entwicklung, arbeitet gerade an einer neuen Schaltung für eine Sondenkonstruktion. Foto: Georg Thomas
Von der Entwicklung bis zur Fertigung setzt Socon auf sein eigenes Team, was sich auch in den exakten Messergebnissen niederschlägt. Hajo David, Leiter der Entwicklung, arbeitet gerade an einer neuen Schaltung für eine Sondenkonstruktion. Foto: Georg Thomas

Kerngeschäft von Socon ist das Vermessen künstlicher Hohlräume im Untergrund, sogenannter Kavernen, in denen vor allem Erdöl und Erdgas gelagert wird. Allein in Deutschland gibt es rund 350 dieser unterirdischen Speicher, die in Salzstöcken ausgespült wurden, um dort Stoffe zu lagern, etwa die strategische deutsche Erdölreserve. Das Salzgestein gilt als dicht. „Die Bohrung stellt den einzigen Zugang zur Kaverne dar und wird kontinuierlich überwacht“, erklärt der Socon-Geschäftsführer.

Zu wissen, wie groß die Kapazität einer neu angelegten Kaverne ist, ist sowohl für die Speichernutzer – unter anderem große Energieversorger – als auch für die zuständige Aufsichtsbehörde ein wichtiger Faktor. Das Vermessen ist kein einfaches Unterfangen, denn Zugang zum Speicher gibt es nur über die Bohrung. Das etwa fünf Meter lange Messinstrument muss also durch einen äußerst schmalen Zugang in teils über einen Kilometer Tiefe passen und in der Lage sein, die immer unterschiedlich ausgestalteten Hohlräume genauestens mit Hilfe von Ultraschall zu vermessen. Und das unter Druckverhältnissen von bis zu 300 bar.

Nicht maßstabsgetreu: Nach dem Vermessen einer Kaverne mithilfe der von Socon selbst entwickelten und gebauten Sonde kann eine 3D-Darstellung erstellt werden. Die Sonde ist so schmal, dass Sie durch ein Bohrgestänge in den unterirdischen Hohlraum eingeführt werden kann. Foto: Georg Thomas
Nicht maßstabsgetreu: Nach dem Vermessen einer Kaverne mithilfe der von Socon selbst entwickelten und gebauten Sonde kann eine 3D-Darstellung erstellt werden. Die Sonde ist so schmal, dass Sie durch ein Bohrgestänge in den unterirdischen Hohlraum eingeführt werden kann. Foto: Georg Thomas

Überall dort, wo es weltweit Salzvorkommen gibt, die sich zur Speicherung eignen, ist auch das Unternehmen aus Emmerke tätig. In Europa etwa in den Niederlanden, Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Schweiz, Österreich, Portugal, Polen und Italien. Weltweit gibt es nur wenige Mitbewerber in einem überschaubaren Markt. Socon sieht sich sowohl technologisch als auch von der Größe vorn. Neben dem Stammsitz vor den Toren Hildesheims gibt es eine kleine Niederlassung in China und ein hundertprozentiges Tochterunternehmen in den USA. Alle zusammen erwirtschafteten zuletzt einen Jahresumsatz von rund 12 Mio. Euro.

Etwa 700 Aufträge erledigt Socon jedes Jahr, darunter viele Überprüfungen von bestehenden Kavernen, die durchschnittlich alle drei Jahre anstehen. Aufgrund des stetigen Gebirgsdrucks auf die Hohlräume verkleinern sich die Kavernen nach und nach. In welchem Umfang ihre Speicherkapazität sinkt, muss daher regelmäßig überwacht werden. In Deutschland entstanden in den letzten fünf Jahren in Summe keine neuen Kavernen. Größere Aufträge erhielt Socon zuletzt in Großbritannien und der Türkei, wo auch die nächsten größeren Vorhaben vergeben werden. In der Türkei sollen in den nächsten vier Jahren 40 neue Kavernen gebaut werden. „Wir sind bei der Ausschreibung noch im Rennen“, sagt Reitze. Angst davor, dass bald keine neuen Kavernen mehr benötigt werden, hat der Geschäftsführer nicht. „Wir sind so aufgestellt, dass wir auch mit der Überwachung der bestehenden Speicher gut leben können“, sagt der Chef, der noch nie einen Mitarbeiter habe entlassen müssen. Als es nach dem jüngsten Boom 2013 weniger zu tun gab, habe man wenige Stellen einfach nicht neu besetzt.

Der gebürtige Kölner arbeitet seit dem Start des Unternehmens für den Spezialdienstleister. Hartmut von Tryller, der Socon 1991 durch einen Management Buyout gründete, holte ihn damals direkt von der TU Clausthal in das junge Unternehmen. „Ich bin einer der Gesellschafter, aber nur mit einem kleinen Anteil“, sagt der studierte Markscheider, so die offizielle Bezeichnung für einen Vermessungsingenieur im Bergbau. Mehrheitsgesellschafter bei Socon ist der Oldenburger Energiekonzern EWE. Von Tryller arbeitete zuvor bei der hannoverschen Prakla Seismos, die seit den 1970er Jahren auch im Kavernengeschäft tätig war, allerdings Anfang der 90er Jahre das Interesse an dem kleinen speziellen Geschäftsfeld verloren hatte. Nach der Gründung bezog Socon seinen Firmensitz zunächst am ehemaligen Kaliwerk in Giesen, seit 2008 ist das Gewerbegebiet in Emmerke Heimat des Unternehmens.

Der Erfolg des Unternehmens mit seinen 70 Beschäftigten basiert zu einem großen Teil auf der permanenten Weiterentwicklung der eingesetzten Technik. So sind unter anderem die selbst entwickelten Sonden in den vergangenen Jahren immer leistungsfähiger geworden. „Wir können auch unter äußerst schwierigen Bedingungen messen, wenn die übliche Technik bereits an ihre Grenzen stößt“, erklärt der Geschäftsführer. So seien die Sonden inzwischen auch wasserstofftauglich.

Eine Eigenschaft, die in der Zukunft noch von größerer Bedeutung sein könnte, wenn sich Wasserstoff als Speichermedium für Strom aus erneuerbaren Energien durchsetzen sollte. „Wir sind auf jeden Fall als erstes Unternehmen in der Lage, auch in Wasserstoffkavernen Vermessungen durchzuführen.“ Dem Markt und der Entwicklung in Deutschland im Bereich Wasserstoff ist Socon allerdings weit voraus. Seit 2012 wäre man bereit, doch passiert ist seither wenig. In diesem Jahr könnte es allerdings in den Niederlanden die erste Messung in einer Wasserstoffkaverne geben.