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Konjunkturprognose: Alles andere als gut

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IHKN-Hauptgeschäftsführer Dr. Horst Schrage.
Keineswegs nur eine Delle: Der Abwärtstrend beim IHK-Konjunkturklimaindikator hat sich noch beschleunigt, der Abschwung greift nach der Industrie auf weitere Branchen über. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage bei rund 1900 Unternehmen in Niedersachsen.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator hat im dritten Quartal dieses Jahres mit 95 Punkten den niedrigsten Wert seit der Wirtschafts- und Finanzkrise erreicht. Klammert man den Einschnitt der Jahre 2008 bis 2010 aus, wurde zuletzt Ende 2004 ein vergleichbar niedriges Niveau errechnet. Der Indikator ist jetzt im siebten Quartal nacheinander gesunken, und das gleich um 10 Punkte und damit stärker als bisher. Und: „Wir sehen im Augenblick nicht, wo ein Wendepunkt sein könnte“, sagte Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachen, im Oktober vor der Presse in Hannover. „Alles andere als gut“ sei die Botschaft der im Oktober veröffentlichten Umfrageergebnisse.

Oktober-Konjunktur: IHKN-Pressekonferenz in Hannover.

Zum Teil, das machte Schrage deutlich, sind die Probleme bekannt. Während des Umfragezeitraums war noch nicht einmal die kurz vor Toresschluss erzielte Einigung beim Brexit absehbar. Der Hauptgeschäftsführer wies ebenso auf den Handelskrieg zwischen China und den USA hin, der in Dauer und Zähigkeit das übersteige, was man eigentlich erwartet hatte. Die Auseinandersetzungen führten auch dazu, so Schrage, dass deutsche und niedersächsische Unternehmen vermehrte Konkurrenz chinesischer Unternehmen spürten.

Nach oben katapultiert hat sich bei den konjunkturellen Risiken eine schwächelnde Inlandsnachfrage. Fast jedes zwei Unternehmen (48 %) bezeichnet das aktuell als Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung. Vor einem Jahr waren es noch 35 Prozent. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden stärker noch als vor Jahresfrist als Risiko gesehen (54 % gegenüber 47 %). Der Fachkräftemangel steht in der Liste der Risiken nach wie vor ganz oben (58 %), aber nicht mehr mit so deutlichem Abstand. Kein Wunder, denn die Beschäftigungspläne der Unternehmen zeigen ebenso wie die Investitionspläne nach unten.

Die Wirtschaft steht vor einem Berg an Herausforderungen, sagte Schrage, und nannte den Wandel zur E-Mobilität insbesondere für die Automobilzulieferer sowie die Digitalisierung für die Wirtschaft insgesamt. Es kommt alles zusammen, so der Chef-Konjunkturbeobachter der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern: „Neben Klimawende, Energiewende und was für sonst noch für Wenden haben, scheinen wir jetzt auch eine Konjunkturwende zu bekommen.“ Nach unten allerdings.

Einziger positiver Aspekt: Die Geschäftslage der niedersächsischen Unternehmen ist laut Umfrage zwar auf Talfahrt, aber das von einem sehr hohen Niveau aus. Deutlich abwärts ging es mit den Erwartungen. Insbesondere rechnet jetzt ein Drittel der niedersächsischen Unternehmen mit eine ungünstigeren Entwicklung in den nächsten Monaten (Vorquartal: 22 %). Hier klafft inzwischen eine deutliche Lücke zu dem Teil der Unternehmen, die noch eine bessere Entwicklung sehen (12 %). Wesentliche Treiber: Nahezu im Gleichklang mit dem Auftragsbestand der Industrie, der im dritten Quartal unter den langjährigen Durchschnitt fiel, bewegten sich auch die Exporterwartungen der Unternehmen weiter abwärts.

Die Wachstumsprognose der Industrie- und Handelskammer korrigierte Schrage vorsichtig noch einmal nach unten. Inzwischen könne man froh sein, wenn die vor drei Monaten anvisierten 0,5 Prozent Zuwachs noch erreicht würden. Auch für den Arbeitsmarkt haben sich die Perspektiven eingetrübt. Die IHK-Volkswirte wiesen aber auf den Stellenzuwachs im ersten Halbjahr hin: Den habe man im Sack.

Konjunkturprogramme alter Prägung sind aus Sicht von IHKN-Hauptgeschäftsführer Schrage in der aktuellen Situation kein Mittel. Die liefen vor allem über die Bauwirtschaft, die aber als einzige Branche noch in ungetrübter Verfassung sei und keine Kapazitäten habe. Nachfrageimpulse über diesen Weg würden damit verpuffen.

Dessen ungeachtet sieht Schrage die Politik in der Pflicht. Er brachte die völlige Abschaffung des Solidaritätszuschlages ins Spiel: „Das Signal hätte unmittelbare Wirkung.“ Insgesamt warten die Unternehmen aber auf Erleichterungen zum Beispiel bei Steuern oder bei Bürokratiehürden. Schnellere Genehmigungsverfahren oder der zügige Abschluss von Steuerprüfungen gehörten zu den vielen kleinen Schritten, mit dem die Politik jetzt dem konjunkturellen Abschwung begegnen könne. „Genehmigungsverfahren müssen schlanker und schneller, Blockaden müssen behoben werden. Unsere Nachbarländer machen vor, wie das geht“, so Schrage.

Überarbeitetet am 18. Oktober 2019.

Die Ergebnisse im Einzelnen finden Sie auf der IHKN-Website.