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Die Freitags-Kolumne: Optimierungsparadoxon

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Wir leben im Zeitalter der Optimierung. Und wir stehen erst am Anfang. Aber aufgepasst: Es gibt auch Fallen.

Nie zuvor wurden so viele Daten gesammelt und analysiert, als Quelle eines ständigen Verbesserungsprozesses. Die Zukunft wird geprägt von noch sehr viel mehr Daten und sehr viel leistungsfähigeren Rechnern und viel umfassenderer Vernetzung. Damit lässt sich dann alles noch viel weiter optimieren. Das gilt insbesondere für die Wirtschaft. Deren Wissenschaft, die Ökonomie, dreht sich letztlich um die Optimierung, ausgedrückt im ökonomischen Prinzip. Das fordert entweder, ein Ziel mit geringstmöglichem Aufwand zu erreichen oder aus den vorhandenen Mitteln das Meiste herauszuholen. Was im Zeitalter der Optimierung an Kapazitäten freigesetzt werden kann, weil jede Art von Ressourcen einfach besser genutzt werden, lässt sich heute, am Anfang dieser Epoche, nur erahnen.

Die Ökonomie feiert die Optimierung, und zwar schon immer. Und dieser Funke springt über. Wir leben auch im Zeitalter der Selbstoptimierung. Und das digital gestützt. Da helfen zum Beispiel Vergleichsportale, Verkaufsplattformen oder Fitness-Tracker. Bloß nichts zu teuer kaufen, zu billig verkaufen oder – um Himmels Willen – den optimalen Gesundheitspfad verlassen. Und: Bloß keine Sekunde verschwenden. Denn auch Freizeit-Nutzung lässt sich optimieren. Oder? Mag sein, dass dabei aber ein Paradoxon gilt: Je optimaler man die Zeit plant, desto weniger bleibt übrig – und desto weniger Erholung springt dabei raus. Dafür aber mehr Stress. Wenn’s bei Ihnen so ist: Heute ist Freitag, wie der Name der Kolumne schon sagt, wenn zwei Tage Freizeit anstehen: Befreien Sie sich einfach. Von der Optimierung. Lassen Sie’s einfach bleiben: Die nächste Woche wird es Ihnen danken.

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.