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Seit der Gründung vor 21 Jahren hat Ute Friese mit ihrer Aktion Kindertraum gGmbH 3000 Herzenswünsche von kranken oder familiär belasteten Kindern und Jugendlichen erfüllt. Viel Engagement und ein großes Netzwerk machten dies möglich.

Foto: Redaktion

ZUFALL, Schicksal oder Bestimmung, könnte man fragen, wenn man sich die Entstehung und Entwicklung der Aktion Kindertraum anschaut. Ute Friese studierte in den 80er Jahren Lehramt, konnte nach ihrem Referendariat wegen eines Einstellungsstops für Lehrer aber nicht in ihrem Beruf arbeiten. Nach einigen Jahren als Texterin in einer Agentur für Sozialmarketing beschloss sie 1998, ihre eigene Wohltätigkeitsorganisation zu gründen. Mit ihrer Aktion Kindertraum gGmbH hat die 58-Jährige seitdem rund 3000 Herzenswünsche von Kindern und Jugendlichen, die es krankheitsbedingt oder familiär schwer haben, erfüllt. Zuletzt waren es die Wünsche von Amin und Jannis bei der 7. Nicolas Kiefer Charity, die Mitte September auf dem Golfplatz in Gleidingen bei Hannover stattfand. Zum Golfturnier mit anschließender Abendveranstaltung kamen 80 Golfer, Handicap 4,1 oder höher, dazu noch Gäste wie Partner und Freunde. Rund 25 Ehrenamtliche halfen bei der aufwändigen Organisation. Unter dem Strich hat die Aktion Kindertraum bei dem Event einen Erlös von 13 000 Euro erzielt.

Das Geld kommt Amin und Jannis zugute: Der elfjährige Amin eckte aufgrund seiner ADHS-Störung in der Schule häufig an. Seitdem er Tennis spielt, ist er ein anderer Mensch. Auf dem Court ist er konzentriert und ausgeglichen. Die Aktion Kindertraum ermöglicht Amin die Mitgliedschaft in einem Verein und bezahlt die Trainerstunden. Jannis leidet unter dem Bohring-Opitz-Syndrom – einer sehr seltenen Häufung von Fehlbildungen und Behinderungen. Weltweit sind etwa 100 Kinder daran erkrankt. Heute besucht Jannis die fünfte Klasse einer Förderschule, aber er kämpft sich noch immer mit kleinsten Schritten in seiner sehr verzögerten Entwicklung voran. Bei Reha-Aufenthalten konnte er Erfahrungen mit der Vibrationsplatte Galileo sammeln und erhält jetzt auch bei seiner Physiotherapeutin einmal die Woche Galileotraining. Das macht Jannis so viel Spaß, dass er sich ein eigenes Galileo wünscht, um sich täglich von der Vibrationsplatte durchschütteln zu lassen und dabei noch seine „Muckis“ trainiert. Das rund 4000 Euro teure Gerät wird nun von der Aktion Kindertraum finanziert.

So und anders ist die Palette der Herzenswünsche, die die Aktion Kindertraum seit 21 Jahren erfüllt: ein Therapiehund für die elfjährige Liah, ein Backstage-Besuch bei Ed Sheeran für Vanessa, ein Reitpferd für Lilly-Cayenne (12). Der komplizierteste Wunsch, den die Aktion Kindertraum je erfüllt hat, war eine Reise nach New York – mit dem Schiff. Willi, seit seinem achten Lebensjahr wegen einer Muskeldystrophopie im Rollstuhl, durfte aufgrund seiner Krankheit nicht fliegen. Mit einem Kreuzfahrtschiff reiste der damals 18-Jährige zusammen mit zwei Pflegern und seinen Eltern in die Stadt seiner Träume, verbrachte dort eine Woche, und kam wieder mit einem Kreuzfahrtschiff zurück. „Unsere Mitarbeiterin Michaela Nocke hat mehr als ein Jahr lang mit der Planung zu tun gehabt“, berichtet Helga Berndmeyer (55), die seit 2000 zum Team gehört. Viele Eltern und Kinder bedanken sich bei der Organisation, häufig auch mehrmals, und halten auch Jahre nach Wunschübergabe Kontakt zur Aktion Kindertraum. „Die Mutter von Lilly-Cayenne schreibt mir immer: ´Das ist so unglaublich, dass Sie das ermöglicht haben.´ Das sind manchmal Bedankungen, die sehr berührend sind.“

„Der Erfolg von Aktion Kindertraum hat viele Mütter und manche Väter: sechs superengagierte Mitarbeiterinnen in unserem Team, viele ehrenamtliche Helferinnen und unsere Helfer“, schreibt Ute Friese in der Publikation zum 20-jährigen Jubiläum, das die Aktion Kindertraum im vergangenen Jahr mit einer Ausstellungstournee durch zehn deutsche Städte begangen hat.

Mit der ehemaligen Bundesbildungsministerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Edelgard Bulmahn, hat das gemeinnützige Unternehmen seit 2006 eine prominente Unterstützerin. Zum großen Netzwerk zählen ferner hunderte Kinderhospize, Wohltätigkeitsorganisationen, Selbsthilfegruppen und Vereine sowie Dienstleister für die Wunscherfüllungen. Den finanziellen Rahmen ermöglichen die rund 40 000 aktiven Spender.

Helga Berndmeyer mit Ute Friese, Gründerin der Aktion Kindertraum (r.). Foto: Barbara Dörmer
Helga Berndmeyer mit Ute Friese, Gründerin der Aktion Kindertraum (r.). Foto: Barbara Dörmer

Unschwer vorzustellen, dass die Arbeit der Aktion Kindertraum prägt. „Ich bin in so vielen Gruppen und Netzwerken, ich habe so viele Menschen, Familien, Promis kennen gelernt. Das hätte ich in meinem Leben so nicht haben können, das ist unglaublich facettenreich“, resümiert Ute Friese, die vom Land Niedersachsen 2007 die Verdienstmedaille für vorbildliche Dienste um den Nächsten erhalten hat. Ihre langjährige Mitarbeiterin Helga Berndmeyer sieht es wie folgt: „Für mich hat die Arbeit hier die Welt komplett verändert. Wir haben unglaublich viele Wünsche gehabt und viele Herausforderungen zusammen gemeistert. Das macht immer noch Spaß. Man geht nicht so blauäugig durchs Leben, weil man sieht, was es an Belastungen und schwierigen Lebenssituationen gibt. Auch die Erinnerungen. Boah, das haben wir schon gemacht: Entenrennen, Tennisturniere. So sind wir auch als Team zusammengewachsen, haben eine Menge bewegt.“

Und es geht weiter. In Kürze steht die größte Gemeinschafts-Aktion des Jahres vor der Tür: „Im November finanzieren wir Weihnachtsfeiern in Kinderhospizen“, so Ute Friese. „Dadurch erfahren die Besucher der Hospize von uns. Und das ist das Wichtige.“ Letztes Jahr hat die Aktion Kindertraum fast 100 Weihnachtsfeiern finanziert, die zusammen mit dem Bundesverband Kinderhospiz organisiert wurden.