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Die Freitags-Kolumne: Abgesang

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Auch Begriffe haben ihre Zeit, und manchmal läuft sie ab. Kein Grund zur Trauer.

Work-Life-Balance: Das war immer schon falsch. Übertragen ins Deutsche kommt man der Sache zwar näher, wenn man von der Balance zwischen Arbeit und Freizeit spricht. Wird das aber wiederum auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie verengt, kommt man auch nicht weiter, im Gegenteil.

Aber was ist falsch an Work-Life-Balance? Nehmen wir die Sache wörtlich, dann wird da ein Gegensatz von Arbeit und Leben konstruiert. Geht man von einem achtstündigen Klischee-Arbeitstag aus, plus Pausen plus Fahrtzeiten: Das ist schon ein großer Teil des Lebens. Und es ist ein Glück, dass heute so viele Menschen wie nie in Deutschland Arbeit haben.

Diesen großen Brocken Zeit kann man doch nicht isolieren: Arbeit ist kein Gegensatz zum Leben, sondern dessen wesentlicher Teil. Deshalb sprechen manche schon lange von Life-Balance. Das Leben als Ganzes, Arbeit inklusive, muss in der Waage sein.

Immer mehr, gerade jüngere Unternehmer, gehen weiter. Sie wollen der Arbeit einen Sinn geben. Darin sollen sich die Menschen in ihren Unternehmen wiederfinden. Und umgekehrt suchen immer mehr Menschen diesen Sinn in ihrer Arbeit – es ist ein Argument, einen Job anzunehmen. Oder eben nicht. Und Purpose-Unternehmen heißen deshalb so, weil sie um ein Ziel, einen Zweck oder besser: eine Bestimmung (alles Übersetzungen des englischen Begriffs) gebaut sind.

Das alles lässt den Begriff Work-Life-Balance in den Hintergrund treten. Kein Grund zur Trauer: Es ist ein Schritt vorwärts. pm

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.