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Die Freitags-Kolumne: Unpassend

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Manchmal wundert man sich, was man so alles vorgeschlagen bekommt im Internet. Und manchmal geht das auch richtig schief.

Sie ist noch nicht so weit, die künstliche Intelligenz. Und das führt manchmal zu schlimmen, makabren Ausrutschern. Jedenfalls dann, wenn man davon ausgeht, dass Online-Werbung algorithmengesteuert personalisiert untergemischt wird: Wer dies liest, ist auch daran interessiert. Wir erinnern uns, bestürzt den Brand von Notre Dame im Internet verfolgend, Werbung für irgendwas rund ums Thema Feuer gesehen zu haben, irgendein Grillzubehör oder so. Zufall? Immerhin waren in Paris keine Todesopfer zu beklagen. Wenn aber, wie in der vergangenen Woche geschehen, online über einen schweren Autounfall berichtet wird, von dessen Opfern, junge Menschen allesamt, eines in Lebensgefahr schwebte, am Schluss des Beitrags dann eine Anzeige mit dieser Überschrift auftaucht: „Jetzt habe ich Mama mal ganz für mich allein“, zuckt man unwillkürlich zusammen. Zufall? Wenn ja, dann sollte er doch wohl eine solche Kombination vermieden werden, im Sinne des Anzeigenkunden, dessen Werbung an dieser Stelle wohl kaum mit Interesse, sondern eher stirnrunzelnd aufgenommen wird. Wofür er nichts kann. Und im Sinne des Mediums, dessen Berichterstattung über ein ernstes Thema Schaden nimmt. Luft nach oben also für automatisierte Prozesse im Internet, die so gerne und manchmal wohl vorschnell künstliche Intelligenz bezeichnet werden. pm

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.