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Aufschlag für Arineo

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Standort Göttingen: Die Arineo-Geschäftsführer Dr. Marco Weinrich (l.) und Martin Renker.

Sprunghaftes Wachstum: In Göttingen entsteht ein neuer IT-Dienstleister mit einem besonderen Unternehmenskonzept.

 

Ein halbes Jahr nach Gründung 170 Mitarbeiter. Für 2019, das erste Geschäftsjahr, plant die Arineo GmbH einen Umsatz von 13 Mio. Euro und will diesen Wert im kommenden Jahr auf über 28 Mio. Euro schrauben, also mehr als verdoppeln. Etappenziel war ein Umsatz von rund 1 Mio. Euro allein in diesem Mai. Dr. Marco Weinrich und Martin Renker, zwei der vier Arineo-Geschäftsführer, stellten jetzt in Göttingen das neue Unternehmen vor. Die Besonderheit liegt dabei weniger in dem, was Arineo als durchaus klassischer IT-Dienstleister anbietet: Das Unternehmen will mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen. Das Spektrum reicht von SAP-Lösungen bis zu Anwendungen, mit denen die Vermietung mobiler Güter organisiert wird. Ein Beispiel, so Martin Renker, ist Verschalungsmaterial, das Bauunternehmen in der Regel nicht mehr selbst besitzen, sondern leihen.

Ein Schwerpunkt, auf den sich das noch junge Unternehmen konzentrieren will, steckt in den ersten vier Buchstaben des Kunstnamens Arineo: Artifical Intelligence, künstliche Intelligenz soll künftig ein wichtige Rolle im Angebot der Göttinger spielen, steht aber auch stellvertretend für andere innovative Technologien aus dem Bereich Big Data oder dem Internet der Dinge, also der Vernetzung technischer Geräte mit entsprechenden Möglichkeiten beispielsweise zur Optimierung der Produktion.

Ungewöhnlich wird es bei den letzten beiden Buchstaben des Namens: E und O stehen für Employee Owned – ein Unternehmen im Besitz der Mitarbeiter also. Die Gründungssatzung sieht vor, dass das Unternehmen innerhalb einer Frist von fünf Jahren zu 51 Prozent der Belegschaft gehören wird, nach zehn Jahren dann ganz. Die Mitarbeiter können, müssen aber nicht Anteile erwerben. Die Beteiligung ist aber nicht renditeorientiert. Ziel ist ein sogenanntes Purpose-Unternehmen, das durch zwei Aspekte gekennzeichnet ist: Erwirtschaftete Überschüsse werden nicht ausgeschüttet, sondern bleiben im Unternehmen und werden dort investiert, unter anderem in die Entwicklung der Mitarbeiter. Außerdem soll mit dieser Eigentümerstruktur ein Verkauf des Unternehmens nur möglich sein, wenn alle Mitarbeiter einverstanden sind. „Damit ist ausgeschlossen, dass mit Firmenanteilen spekuliert wird“, erklärt Dr. Marko Weinrich, seit Juli 2019 Mitglied der Geschäftsführung der Arineo GmbH.

Einfluss auf das operative Geschäft haben die Mitarbeiter aber nicht. Über einen Zusammenschluss wählen sie aber einen Teil der Aufsichtsratsmitglieder, in dem die Belegschaftsvertreter zusammen mit externen Fachleuten die Mehrheit haben sollen.

Purpose-Unternehmen stellen die Sinnhaftigheit ihrer eigenen Arbeit der Firma wie der einzelnen Mitarbeiter in den Vordergrund. Im Netzwerk Purpose beispielsweise arbeiten rund ein Dutzend Unternehmen mit, das Team junger Berater wird im Beirat unter anderem von Thomas Sattelberger unterstützt, Ex-Personalvorstand bei Continental und der Telekom. Die Unternehmensberater von Roland Berger haben herausgefunden, dass 85 Prozent der Purpose-Unternehmen überdurchschnittlich wachsen.

Passend zu den Plänen für die Eigentümer-Struktur ist Arineo außerdem nach den Prinzipien der kollegialen Führung und der Subsidiarität organisiert. Das heißt: Entscheidungen sollen dort getroffen werden, wo es am sinnvollsten ist. Das bedeutet mehr Entscheidungskompetenz und damit auch Motivation für die Mitarbeiter, so die Geschäftsführer Marco Weinrich und Martin Renker. „Hierarchische Strukturen führen zu Sektionierung, zu Kästchendenken – das behindert uns“, sagt Weinrich. Und aus Sicht von Renker erfüllt Arineo als Purpose-Unternehmen mit Entscheidungsspielraum drei Grundbedürfnisse, auf die es Mitarbeitern wesentlich ankommt: Sicherheit, Bindung, Selbstwert.

Damit soll das neue Unternehmen so attraktiv sein, dass mittelfristig die Belegschaft auf 350 Mitarbeiter steigen soll. Sie bringen, so die Vorstellung von Arineo, auch weiteres Geschäft mit: Die Umsatz soll bis 2023 auf 40 Mio. Euro steigen. So lässt sich auch das sprunghafte Wachstum bislang erklären. Mittlerweile gibt es Standorte in Bielefeld, Greven, Chemnitz, Hamburg, Salzburg und Wien. Die heutigen Mitarbeiter der Arineo GmbH, die zunächst in Moers vom heutigen Arineo-Geschäftsführer gegründet wurde, aber bereits seit Anfang des Jahres ihren Sitz Göttingen hat, kennen sich zum seit Jahren und haben zum weitaus überwiegenden Teil eine gemeinsame Vergangenheit bei einem IT-Beratungsunternehmen in der Universitätsstadt.

Purpose-Unternehmen mit kollegialem Führungsstil und schnellem Wachstum über neue Mitarbeiter: Die einzelnen Zutaten für diese Konzept sind nicht neu: „Das hätten wir gerne gehabt“, so Arineo-Geschäftsführer Marco Weinrich. Bei der Planung sei man jeweils auf verschiedene Vorbilder gestoßen. In der Kombination aller drei Merkmale, so meinen Weinrich und sein Mit-Geschäftsführer, sei Arineo schon ungewöhnlich.