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Die Freitags-Kolumne: Abstieg

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Woran merkt man ganz sicher, dass der Lieblingsverein aus der Fußballbundesliga abgestiegen ist? Daran, dass das Trikot der Abstiegssaison günstig verkauft wird…

Es gab selten so wenig Grund zur Freude für die Anhänger von Hannover 96 wie in der zurückliegenden Saison. Die Sportschau brauchte man sich schon gar nicht mehr ansehen. Zu sang- und klanglos verlor die Fußballmannschaft Spiel um Spiel. Am Ende stand der Abstieg fest. Zweite Liga, Hannover ist dabei, sangen die Fans der letzten Gegner, um die Hannoveraner ein wenig zu ärgern.

Aber nun ist die Freude zurück bei den 96-Fans in der Landeshauptstadt. Denn es ist Schlussverkauf im Fanshop. Trikot, Hose und Stutzen für zusammen nur gerade einmal 30 Euro – welcher ehemalige Bundesligist kann das schon bieten? Für den gleichen Preis hätte man sich vor ein paar Wochen noch auf einem Sitzplatz im Stadion über die Niederlage gegen Schalke ärgern können. Aber das ist nun Geschichte. Jetzt tragen nicht nur Sohn oder Tochter die üblicherweise eher teuren Sportklamotten, auch Väter und Mütter posieren stolz für Instagram-Fotos. Den Makel „Absteiger-Trikot“ können die Käufer anscheinend verschmerzen.

Allerdings fehlt den Trikots natürlich noch die Beflockung. Und die will in diesen Zeiten gut überlegt sein. Zu schnell wechseln gerade die beliebten Spieler – ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie doof sich ein Trikot mit dem Namen eines vermeintlichen Torjägers trägt, der nach einer Saison weitergezogen ist. Vor einem Jahr dachte man noch „Füllkrug“ wäre eine sichere Nummer. Heute scheidet der waschechte Hannoveraner, der nun Bremer ist, genauso aus wie Bebou, der schnell nach Hoffenheim gewechselt ist – übrigens auch zum Schnäppchenpreis.

Hat man sich für einen Spieler entschieden, ist das günstige Trikot endlich perfekt. Nur eine Sache fehlt: der Aufnäher der Bundesliga, der sonst auf dem Ärmel aufgebracht wir. Aber das Nachfragen hilft nicht. „Wir haben keine mehr. Und der Aufnäher kommt auch nicht mehr nach“, erklärt die Verkäuferin im Fanshop des Vereins. Willkommen in der zweiten Liga, Bundesliga ade!

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.