Start Unternehmen Dicht Dran Des Bankers neue Kleider: Ohne Krawatte – aber mit soliden Zahlen

Des Bankers neue Kleider: Ohne Krawatte – aber mit soliden Zahlen

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Von dieser Minute an . . . Die Krawatte ist in der Sparkasse Hildesheim - Goslar - Peine nicht mehr Pflicht, und Dominikus Penners, Dirk Vorderstemann. Michael Senft und Jürgen Twardzik (v.l.) wollen nur noch bei gegebenen Anlässen zu ihr zurück.
Dem gesellschaftlichen Trend folgend lockert die Sparkasse Hildesheim – Goslar – Peine die Kleidungsvorschriften für alle ihre Mitarbeiter. Das drängt sogar fast die Zahlen in den Hintergrund, die sich im wesentlichen solide entwickelt haben. Nur der Jahresüberschuss ist von der Lage bei der Nord/LB geprägt.

Es ist ein Einschnitt, der für Bankmitarbeiter mit vielen Berufsjahren im Rücken besonders tief geht. Fühlt sich komisch an, nach vielen Jahrzehnten erstmals ohne Schlips in der Bank: So eine Stimme aus dem vierköpfigen Vorstand der Sparkasse Hildesheim – Goslar – Peine, und sie klang glaubwürdig. Gerade hatten Jürgen Twardzik, Michael Senft, Dominikus Penners und Dirk Vorderstemann sich gegen Ende der Bilanzpressekonferenz symbolträchtig ihrer Krawatten entledigt. Die sei „von dieser Minute an“ in der Sparkasse keine Pflicht mehr: ein Kann, aber nicht länger ein Muss. Allerdings steht die Krawatte nur besonders herausgehoben für das, um was es der Sparkasse eigentlich geht: Eine neue Kleiderordnung – von den Mitarbeitern entwickelt, zeitgemäß, weniger förmlich, legerer, Distanz abbauend und der jeweiligen Situation angemessen. „Die Welt dreht sich“, sagte Vorstandssprecher Twardzik. Die Sparkasse folgt dem Trend, nicht als erste, aber für eine regionale Bank doch recht früh.

Zwar wird bei der Kleidung eine neue Phase eingeläutet, so Twardzik, für den wirtschaftlichen Rahmend gilt das allerdings nicht. Im Feld, das von den Eckpunkten niedriger Zinsen, hoher Regulierungsanforderungen, Digitalisierung und Demografie abgesteckt wird, hat sich die 2017 aus einer Dreierfusion hervorgegangene Sparkasse nach den Worten ihres Chefs „grundsolide“ geschlagen. Die Bilanzsumme stieg im vergangenen Jahr von rund 7,2 Mrd. Euro auf knapp 7,4 Mrd. Euro. Das Institut mit Satz in Hildesheim liegt damit in Niedersachsen auf Rang vier und bundesweit unter den größten 30 Sparkassen.

Allerdings hat sich der Jahresüberschuss 2018 fast halbiert, von 10,6 Mio. Euro auf jetzt 5,5 Mio. Euro. Maßgeblich dafür war die Abschreibung auf die Anteile der Sparkasse an der Nord/LB: Von den 31 Mio. Euro, mit denen die Beteiligung in der Büchern stand, bliebt nur 1 symbolischer Euro übrig. Diese außergewöhnliche Belastung habe man erfreulicherweise aus dem laufenden Ergebnis bewältigen können, so Twardzik. Den Anteil seines Instituts am frischen Kapital, das die Nord/LB erhalten soll, bezifferte er auf 26 Mio. Euro. Die Gespräche mit Trägern und Mitarbeitern über die Situation bei der Landesbank und die Auswirkungen auf die Sparkasse seien, so Twardzik, „emotional“ gewesen.

Vorstand Michael Senft wies darauf hin, dass trotz niedriger Zinsen die Kundeneinlagen im vergangenen Jahr weiter um 311 Mio. Euro auf 5,7 Mrd. Euro gestiegen seien. Dem steht ein Kreditvolumen von gut 5,4 Mrd. Euro gegenüber, im Klartext: Die Einlagen können nicht in vollem Umfang als Kredite ausgereicht werden. Für Geld, das bei der EZB deshalb geparkt werden muss, zahlt die Bank jährlich rund 1 Mio. Euro an Negativzinsen.

Angesichts der niedrigen Zinsen hätte sich Senft ein deutlich höheres Wertpapiergeschäft gewünscht. Die Bank betreut einen Bestand von 1,85 Mrd. Euro, der damit stabil auf Vorjahresniveau bliebt. Das vermittelte Volumen im Bauspargeschäft stieg dagegen „sensationell“, so Senft, auf 200 Mio. Euro an. Das Provisionsergebnis erreichte mit 70 Mio. Euro die Größenordnung des Vorjahres.

In der Folge der Fusion sank die Zahl der Mitarbeiter, nach Personen gerechnet, im vergangenen Jahr auf dem Weg natürlicher Fluktuation von 1664 auf 1488. Unter anderem an den Mitarbeitern machte Jürgen Twardzik auch die regionale Bedeutung der Sparkasse fest, mit einer Kaufkraft von 45 Mio. Euro an Nettogehältern. Außerdem zahlt die Bank Steuern in Höhe von gut 19 Mio. Euro. Hinzu kommt noch das ein soziales Engagement mit rund 3,4 Mio. Euro, sagte Vorstandsmitglied Dirk Vorderstemann.

Bei der Bilanzpressekonferenz wurde außer der Kleiderordnung noch eine weitere Neuerung vorgestellt: Linda heißt der Chatbot, der als digitaler Service ab jetzt Standardfragen in Echtzeit beantwortet und damit das bereits bestehende Chat-Angebot mit einem speziell ausgebildeten Team von Sparkassenmitarbeitern ergänzt, wie der zuständige Vorstand Dominikus Penners erläuterte. Linda ist virutell – und muss sich auf jeden Fall keine Gedanken darüber machen, was sie anzieht. Das ist Tag für Tag gleich.