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Rohr-Feuerwerke: Für den Augenblick

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Heimspiel: Feuerwerk in den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Foto: Rohr-Feuerwerk
Heimspiel: Feuerwerk in den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Foto: Rohr-Feuerwerk
Wenn im Mai in Hannover der Feuerwerkswettbewerb beginnt, sorgt ein Unternehmen aus der Wedemark dafür, dass alles läuft: Rohr-Feuerwerke wurde vor 70 Jahren gegründet, begleitet den Wettbewerb von Anfang und hat ihn auch schon für Deutschland gewonnen.

Die vergängliche Schönheit des Augenblicks: Dafür brennt Guido Wolff-Rohr. Wenn man ihn ärgern will, filmt man das Ergebnis seiner Arbeit mit dem Smartphone: „Ein Feuerwerk ist eine Sache, bei der man den Moment genießen soll.“ Unmittelbar, nicht abgelenkt vom ohnehin vergeblichen Versuch, diesen Augenblick festzuhalten.

Aber auch er, der Profi, der für bis zu 120 Feuerwerke im Jahr verantwortlich ist, muss sich zum Loslassen, zum Genießen des Augenblicks zwingen. „Ich sehe die Fehler“, sagt Wolff-Rohr. Obwohl er das eigentlich nicht will. Sondern das Feuerwerk sehen und erleben: „Das ist der Lohn.“

In dritter Generation führt der 38-Jährige die Rohr-Feuerwerke, zusammen mit seinem Schwiegervater Uwe Rohr. Mehr als 70 Jahre Erfahrung hat das Unternehmen im Rücken. Gegründet wurde die Ernst Rohr GmbH 1949, aber das erste Feuerwerk wurde schon zwei Jahre zuvor gezündet, am Maschsee in Hannover. Die Engländer hatten es erlaubt, der Sprengstoffexperte Ernst Rohr, eigentlich mit der Beseitigung von Kriegsruinen und Fabrikschornsteinen beschäftigt, brannte es ab: Keimzelle der heutigen Feuerwerkerei, die seit rund 30 Jahren ihre Zentrale auf einem zwölf Hektar großen Gelände hat, ziemlich abgelegen in der Wedemark. Bunker, zusätzlich mit Erdwällen geschützt, erlauben die sichere Lagerung brisanten Materials. Auch Explosivlogistik gehört zum Geschäft, drei Lieferwagen und der Zwölftonner bilden den entsprechend gesicherten Fuhrpark. Die werden allein schon gebraucht, um das eigene Feuerwerksmaterial zu transportieren. Warum also nicht für andere fahren? Das erfordert nicht nur die eigens ausgerüsteten Fahrzeuge, bei denen unter anderem der Laderaum bis zu 20 Minuten einem Feuer widerstehen muss. Es braucht aber auch jede Menge Know-how bei der Routenplanung: Wo darf man fahren, muss man die explosive Ladung – wie zum Beispiel in Holland – vorher anmelden? Denn die Wege führen quer durch Europa, von den Herstellern in Italien, Spanien oder Portugal zu Feuerwerkern in Schweden. Bis vor einigen Jahren hat Rohr auch noch Sprengstoff transportiert, aber inzwischen drängen die großen Speditionen ins Geschäft.

Die Wedemärker konzentrieren sich auf Just-in-Time-Transporte: „Damit kann man noch punkten“, sagte Guido Wolff-Rohr. Denn was bringt es, wenn das Feuerwerksmaterial am Morgen danach eintrifft?

Außer dem Chef gehören drei Pyrotechniker zum festen Team, hinzu kommt ein Stamm von Mitarbeitern, auf die er zurückgreifen kann: Ein knappes Dutzend, „alle selbst ausgebildet“, betont der Geschäftsführer. Vertrauen entscheidet. Zwei „seiner Jungs“ waren im März in Valencia, haben sich die Mascletàs angesehen oder, vor allem, angehört: Es sind Tagfeuerwerke, in denen es mehr um Akustik als um Licht und Farben geht. Rohr-Feuerwerke aber gehören in die Dunkelheit, und das mit Erfolg. Im vergangenen September traten die Pyrotechniker aus der Region Hannover auf Coney Island, der zu New York gehörenden Halbinsel mit ihren Vergnügungsparks, für Deutschland an und setzten sich im Wettbewerb gegen Frankreich und Mexiko durch.

Ihm geht es um die Schönheit des Augenblicks: Guido Wolff-Rohr.

Mit der Lizenz für den Wettbewerb
Nun ja: An Wettbewerbserfahrung fehlt es dem kleinen Unternehmen nicht gerade. Von Anfang an begleitet es den Feuerwerkswettbewerb Hannover, der in diesem Jahr ab Mitte Mai zum 29. Mal ausgetragen wird. Rohr sorgt für die Explosivlogistik, betreut die internationalen Kollegen – in diesem Jahr aus Frankreich, Brasilien, Italien, Tschechien und Japan – und stellt die für das Feuerwerk nötige Lizenz. Gewonnen hat die Rohr-Mannschaft – „darauf sind wir stolz“ – den Wettbewerb auch ein paar Mal. Zuletzt ist sie aber nicht mehr angetreten. Schließlich gibt es so etwas wie einen Heimvorteil, und sie kennen die Umgebung in Herrenhausen wie ihre Westentasche: Auch beim Kleinen Fest im Großen Garten stammt das Feuerwerk regelmäßig von Rohr. Beim Feuerwerkswettbewerb kommen dann also andere Feuerwerkereien zum Zuge, wenn Deutschland antritt. Mit Rohr vergleichbare Unternehmen, sagt der Geschäftsführer, gebe es bundesweit knapp ein Dutzend.

Wettbewerbe sind aber die Ausnahme, etwas „zum Spaß haben.“ Wolff-Rohr schätzt dabei die Herausforderung ebenso wie die Begegnung unter Kollegen. Was nicht heißt, dass er ansonsten keinen Spaß am Feuerwerk hat. Allerdings können in der Saison, die vom späten Frühjahr bis in den Herbst dauert, die Termine ganz schön drängeln. Drei, vier, fünf Feuerwerke gleichzeitig zu sich organisieren, das kommt vor. Vom Steinhuder Meer in Flammen bis zur Hochzeit. Auch Bühnenpyrotechnik oder Feuerwerk in Hallen ist dabei. Am Anfang aller Pläne stehen Anlass und Gelände. Und Überzeugungsarbeit: „Dann versucht man, den Auftraggeber von einem Feuerwerk mit Musik zu überzeugen.“ Denn diese Herausforderung sucht Wolff-Rohr besonders: „Das macht die Kunst aus. Und ist das, was mich wahnsinnig interessiert: Die Musik zu interpretieren.“ Nicht nur die Dramaturgie der Höhepunkte, sondern gerade auch der ruhigen Momente, wenn es gilt, die Musik nicht zu übertönen. Mit einem für die Zeit typischen Bodenfeuerwerk die Stimmung barocker Musik aufzunehmen. Die Lieblingsmusik eines Auftraggebers in Bilder aus Feuer und Farben zu verwandeln. Längst hilft dabei digitale Technik: Programme, die Zündung, Flugdauer und Effekt mit der Musik synchronisieren und den Ablauf des Feuerwerks steuern – auch wenn der Pyrotechniker immer noch eingreifen kann. Aber dann sind da noch Erfahrung, Vorstellungskraft und Fingerspitzengefühl, die ein Feuerwerk ausmachen: Es darf eben nicht zu perfekt sein, das Künstlerische nicht verloren gehen, sagt Guido Wolff-Rohr. Denn nach den langen Vorbereitungen von der Planung über den Transport und den Aufbau gibt es doch nur eine einzige Chance, ohne Netz und doppelten Boden: „Unsere Generalprobe ist das Feuerwerk.“ Und dann, in diesem einen Moment, zeigt sich die ganze, vergängliche Schönheit des Augenblicks.

Internetseite von Rohr Feuerwerke aus der Wedemark

Fotos: Rohr-Feuerwerke

Licht und Farben: Feuerwerk beim Kleinen Fest im Großen Garten.
Steuergerät: Das gehört zur technischen Ausstattung, um ein Feuerwerk so wie geplant über die Bühne zu bringen.
Bevor es beginnt: Feuerwerksvorbereitungen in der Dämmerung am Steinhuder Meer.
Und wenige Stunden später das Ergebnis am Himmel: Steinhuder Meer in Flammen.
Trophäe aus den USA: Rohr-Feuerwerke gewann 2018 den Wettbewerb Fire up the Night auf Coney Island.
Fire up the Night: Momentaufnahme.