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Die Lücke beim Abitur kommt 2020

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Unternehmen kämpfen mehr und mehr darum, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. In dieser Situation werden 2020 voraussichtlich zwei Drittel weniger Abiturienten die niedersächsischen Schulen verlassen. Grund ist die Rückkehr zum Abitur nach regulär 13 Schuljahren.

Seit wenigen Tagen brüten von der Nordsee bis zum Harz die Abiturienten 2019 über ihren Klausuren. Sie bilden den letzten Jahrgang, der in Niedersachsen nach insgesamt zwölf Schuljahren das Abitur macht. Das Land kehrt zurück zum Abitur nach 13 Schuljahren – davon neun am Gymnasium, daher die Kurzform G9. Der nächste komplette Abiturjahrgang wird dann erst 2021 die Gymnasien verlassen. Das bedeutet für 2020 deutlich weniger Abiturienten: Das niedersächsische Kultusministerium rechnet mit einem Drittel der bislang sehr stabilen Zahlen (vgl. Tabelle unten) also mit 10 000 bis 11 000 Abiturienten in Niedersachsen insgesamt.

Dabei setzen Unternehmen bei der Ausbildung immer mehr auf Abiturienten. Im Bereich der IHK Hannover kletterte ihr Anteil unter den Auszubildenden eines Jahrgangs auf zuletzt knapp 36 Prozent. Im Großen und Ganzen verlief dieser Anstieg parallel zum steigenden Anteil der Abiturienten unter den Schulabgängern. Angesichts dieser Situation rät Professor Dr. Günter Hirth, Leiter Berufsbildung der IHK Hannover, bereits in der Ausbildungsrunde dieses Jahres zu reagieren: „Sorgen Sie vor“, rät er Unternehmen.

Der Abiturjahrgang 2020 fällt selbstverständlich nicht ganz weg, da es in Niedersachsen verschiedene Wege gibt, um zur Hochschulreife zu gelangen. Zusätzlich zu den bisher auf G8 ausgelegten Gymnasien und Kooperativen Gesamtschulen gibt es etwa die Integrierten Gesamtschulen und Beruflichen Gymnasien mit neunjähriger Schulzeit, aber auch Abendgymnasien oder Kollegs. Hinzu kommen Abiturienten, die ein Jahr übersprungen haben oder die Prüfung wiederholen müssen.

Die Suche nach Auszubildenden ist aber ohnehin in den vergangenen Jahren für viele Unternehmen zum Problem geworden. Das belegt die regelmäßige IHK-Umfrage zur Aus- und Weiterbildung. Darin steigt sowohl der Anteil der Unternehmen, die nicht alle Lehrstellen besetzen können, ebenso wie die Zahl der Firmen, die noch nicht einmal mehr Bewerbungen erhalten. Die Gründe dafür lassen sich auch an der Entwicklung der Abiturientenzahlen in Niedersachsen ablesen. Waren es 2015 noch fast 33 800 Schüler, die die allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen mit Hochschulreife verlassen haben, ist deren Zahl im Zuge des demografischen Wandels bis 2018 bereits auf rund 32 000 gesunken.

Foto: Redaktion
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Gute Chancen für Realschüler
Durch den deutlich kleineren Abiturjahrgang werden viele Ausbildungsunternehmen 2020 verstärkt gute Realschüler in den Blick nehmen. Aus deren Sicht erhöht das die Chancen auf einen Ausbildungsplatz, der bislang tendenziell eher an Abiturienten vergeben wurde. Beispiele sind Industriekaufleute, Bankkaufleute und Kaufleute für Versicherung und Finanzen. Besonders knapp wird es im kommenden Jahr dagegen für solche Unternehmen, die vermehrt ein duales Studium oder Abiturientenmodelle anbieten. Allerdings werden viele Unternehmen auch die Möglichkeit nutzen, bundesweit Ausbildungsplätze anzubieten, beispielsweise über die IHK-Lehrstellenbörse.

Bereits seit einigen Jahren sind Unternehmen dabei, ihr Ausbildungsrecruiting zu verstärken. So ermöglichen Unternehmen im Bereich der IHK Hannover über 800 ihrer Auszubildenden, als IHK-Ausbildungsbotschafter an allgemein bildenden weiterführenden Schulen über ihre Ausbildung und entsprechende Karrierechancen zu berichten. Des Weiteren bietet die IHK Hannover mit „Top Ausbildung“ ein IHK-Qualitätssiegel für Ausbildungsbetriebe an. Auch die Aktivitäten der Unternehmen, sich an Bildungsmessen zu beteiligen, haben zugenommen. Das zeigt auch der Erfolg der IdeenExpo.

Foto: Redaktion
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