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Hannovers Königstraße: Überbrücken

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Die Königstraße in Richtung City. Foto: Marie Stach
Die Geschäfte in Hannovers Königstraße müssen noch etwa ein Jahr überbrücken. Dann ist die Eisenbahnbrücke saniert und die Durchfahrt wieder frei.

Seit Juni 2018 ist die Königstraße in Hannovers Stadtteil Mitte zwischen Augustenstraße und Lavesstraße/Joachimstraße für den Autoverkehr, Radfahrer und Fußgänger gesperrt. Grund: Die Bahn erneuert die 140 Jahre alte Eisenbahnbrücke über die Königstraße. Seitdem wird der Straßenverkehr über den Schiffgraben und die Fernroder Straße umgeleitet, die Einbahnstraße in der Augustenstraße umgedreht. Auch die Bushaltestelle in der unteren Königstraße wurde an die Berliner Allee und die Fernroder Straße umgelegt. Im Frühjahr 2020 soll die Unterführung wieder passierbar sein. Die NW hat sich bei den Geschäften umgehört, die die Bauzeit – im wahrsten Sinn – überbrücken müssen.

„Die Bauarbeiten bedeuten bisher keine erwähnenswerte Lärmbelästigung und auch bei der Anlieferung von Material gibt es keine nennenswerten Verkehrsengpässe. Hier herrscht derzeit ein bisschen das ‚Feeling‘, auf einer Ferieninsel zu sein aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens. Neue Kunden kommen und die Stammkunden bleiben und freuen sich über die entspannte Parkplatzsituation. Mittlerweile haben alle die geänderte Verkehrsführung verinnerlicht und wissen, dass die Königstraße lediglich direkt bei der Brücke gesperrt ist. Direkt vor der Unterführung kann nach rechts in die Augustenstraße gefahren werden als Alternative zum Wenden“, sagt Angelika Figeis-Blecker, die seit 2014 mit ihrem Mann Martin Blecker in der Königstraße das gleichnamige Brillen- und Hörgeräteunternehmen führt. „Wir haben keine nachweislichen Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Einige Passanten bleiben aufgrund der Sperrung sogar stehen und betreten unser Geschäft, statt wie sonst weiterzulaufen. Ich kann nur sagen, dass wir uns weiterhin freuen, dass die Brücke instand gesetzt wird und die Kunden freuen sich, wie positiv wir die ganze Situation sehen.“

Auch Petra Koch von der Galerie Koch bestätigt: „Die Umsätze bei uns sind in etwa gleich geblieben.“ Allerdings zieht die Brückensanierung ein anderes Problem nach sich. „Wir haben einen extremen Rückgang bei der Laufkundschaft. Insbesondere an Samstagen kommen so gut wie keine Besucher. Wir haben aktuell eine sehr hochkarätige Ausstellung zum Thema ´Gelb´, in der wir Werke von Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner zeigen, die aber kaum besucht wird.“

Ulrike Knab, die sich mit ihrer Werkstatt und Galerie für Schmuckgestaltung seit 2015 die Räume mit dem Musikgeschäft Bornemann teilt, sieht die Situation so: „Durch die Brückensperrung finden unsere Kunden viel leichter einen Parkplatz, weil die Parkplätze nicht von Menschen, die in die City wollen, belegt werden.“ Kritik gibt es von ihr in eine andere Richtung: „Es ist schade, dass die Bahn ihr Versprechen, den dunklen und stark verunreinigten Fernroder Tunnel – durch den die Verkehrsteilnehmer jetzt ausweichen müssen – zu reinigen, nicht gehalten hat und dass es dort nach wie vor weder eine hellere Beleuchtung noch sichere Verkehrssituation für Fußgänger, Radfahrer und Autos gibt.“ Und Birgit Jürning-Bornemann von Musik Bornemann resümiert: „Die Kunden haben sich schnell an die neue Verkehrsführung gewöhnt. Nichtsdestotrotz freuen wir uns, wenn es zeitgerecht abläuft.“

Thekla Schöttelndreier, seit fast sieben Jahren Inhaberin der Boutique Annett-Mode exclusiv, macht gerade Räumungsverkauf. „Ich habe Bedenken mit dem Einzelhandel an sich. Meine Zahlen sind absolut ok. Aber ich werde auch nicht jünger. Es ist einfach vorausschauend. Viele kaufen eben im Internet. Die jungen Frauen legen nicht so viel Wert auf Qualität, sondern wollen ständig was Neues.“ Im April schließt sie ihre Boutique. Danach kehrt die 53-jährige diplomierte Sozialpädagogin wieder in ihren alten Beruf zurück und leitet in Salzgitter ein kirchliches Seniorenwohnstift. „Die Kundinnen, die ich hatte, waren besonders und es war mehr als nur Verkauf. Insofern gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auch die anderen Geschäftsleute in der Straße sind supernett.“