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VW Nutzfahrzeuge: Umbaupläne vorgestellt – aber T steht für den Kern

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VWN-Chef Thomas Sedran vor einem Bild des ID.Buzz.
VWN-Chef Thomas Sedran bezeichnete 2019 als entscheidendes Jahr für die Transporter-Sparte des Autokonzerns. Er stellte die Strategie mit Modelloffensive und forciertem Wechsel zu alternativen Antrieben vor. Der Standort Hannover übernimmt wichtige Funktionen.

Volkswagen Nutzfahrzeuge setzt zum grundlegenden strategischen Umbau an: Thomas Sedran, Vorsitzender des VWN-Markenvorstands, stellte heute in Hannover das, wie er betonte, „umfangreichste Transformationsprogramm“ in der Geschichte der Nutzfahrzeugsparte vor. Das umfasst den Wechsel zu neuen Antriebsformen, einen Umbau der Werke und die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte. Sedran kündigte an, dass die Transporter-Baureihe T 7 als Kern der Marke im Jahr 2021 – und nicht wie ursprünglich anvisiert bereits im kommenden Jahr – an den Start gehen soll. Für 2022 ist dann die Einführung des ID.Buzz geplant, ein Tansporter, der mit seinem Design auf den klassischen ersten Bulli zurückgreift, aber elektrisch fährt. Gebaut wird der ID.Buzz in Hannover. Nächste Wegmarke nach den Worten Sedrans: 2025 sollen 80 Prozent der VWN-Fahrzeuge elektrifiziert sein. Damit sind aber auch Plug-in-Hybride gemeint. Bei Fahrzeugen in der Größe und mit den Aufgaben, wie sie bei VWN vom Band rollen, hält Sedran aber auch vorerst Verbrenner, die mit synthetischem Diesel aus regenerativen Quellen angetrieben werden, für notwendig. Anders als bei der Pkw-Sparte des Konzerns könnte mittel- bis langfristig auch die Brennstoffzelle eine Alternative sein. Der VWN-Chef forderte eine politische und gesellschaftliche Anstrengung, um den Klima- und Mobilitätswandel zu schaffen und auch sozialverträglich zu gestalten. Dazu gehört eine flächendeckende Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität ebenso wie eine Neubewertung des Einsatzes synthetischer Kraftstoffe.

Zukunftstag: Junger Fotograf mitten im Geschiebe der VWN-Pressekonferenz.

Die VWN-Werke sollen mit hohen Investitionen in die Lage versetzt werden, um flexibel auf die sich wandelnden Anforderungen zu reagieren. Dafür wird bereits ein Teil der in diesem Jahr insgesamt 1,8 Mrd. Euro aufgewendet, die im Nutzfahrzeugbereich investiert werden sollen. Die Vorjahreszahl wollte Sedran nicht nennen, nannte den Betrag aber „gewaltig“ und verwies aber auf einen Vergleich: Die Investitionssumme erreicht danach etwa 15 Prozent des VWN-Umsatzes.

Hannover soll im Rahmen der VWN-Strategie, die unter dem Namen „Grip 2025+“ läuft, Vorzeigewerk für Elektromobilität werden und bleibt Hauptsitz der Marke. Und: Die konzernweite Entwicklung für das autonome Fahren wird in Hannover gebündelt unter der Leitung von VWN-Entwicklungsvorstand Alexander Hitzinger.

Aber nicht nur bei den Autos, sondern auch in den VWN-Werken ist der Übergang in die digitale Welt das große Thema. Wiederkehrende Tätigkeiten werden zunehmend automatisiert, dafür steigt der Bedarf an Anlagenüberwachung und Instandhaltung. Außerdem wird unter anderem mehr Software-Knowhow bei den Mitarbeitern gebraucht. Dafür sollen die Mitarbeiter in der Nutzfahrzeug-Sparte fit gemacht werden: Re-Qualifizierung ist hier das Stichwort. Bis 2028 jedenfalls, darauf haben sich Arbeitnehmer und VWN-Spitze geeinigt, wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Neben neuen Fahrzeugmodellen mit dem forcierten Wechsel zu alternativen Antrieben und dem Umbau der Werke steht bei VWN ein dritter Bereich auf dem Strategie-Zettel: Neue Geschäftsmodelle über das Fahrzeug hinaus, so Thomas Sedran, seien „vielleicht der größte Schritt unserer Transformation.“ Und weiter: „Wir bieten künftig Dienste entlang der kompletten Wertschöpfungskette: Vom vernetzten Auto über mobile Onlinedienste bis zum einsatzfähigen autonomen Fahrzeug – zum Beispiel als Robo-Taxi.“ Er wies auf den in Hannover getesteten und in Hamburg mit eigens konzipierten Elektrofahrzeugen vor der Einführung stehenden Shuttle-Dienst Moia hin. Die auf Crafter-Basis entwickelten Moia-Autos werden in Osnabrück gebaut.

Bei der Vorstellung der VWN-Strategie fächerte Sedran die Modellpalette der Nutzfahrzeugsparte auch nach Kundensicht auf. Man sei heute einer führenden Hersteller leichter Nutzfahrzeuge in Europa und wolle das auch bleiben: Der Markenchef bekräftigte in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit Ford. Die beiden Hersteller ergänzten sich ideal, die Gespräche über eine Beteiligung an der Ford-Tochter für autonomes Fahren, Argo, kämen gut voran. Neben professionellen Transporter-Kunden will VWN weiterhin „emotionale“, so Sedran, Fahrzeuge für Freizeit und Familie bauen. Und für die letzte Meile, den Transport kleinerer Mengen über kurze Entfernungen zum Beispiel in Innenstädten, hat VWN mit einer Fahrrad-Lösung, dem Cargo-Bike, für einiges Aufsehen gesorgt.

Für diese Herausforderungen sieht sich VWN mit den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2018 gut aufgestellt. Unter schwierigen Rahmenbedingungen habe man das zweitbeste Ergebnis der Geschichte erzielt mit einem Umsatz von rund 11,9 Mrd. Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis ging um knapp 8,6 Prozent auf 780 Mio. Euro zurück. Volkswagen Nutzfahrzeuge hat mit rund 500.000 ausgelieferten Fahrzeugen 2018 das Vorjahresergebnis übertroffen. Auch in diesem Jahr soll sich die Zahl der Auslieferungen etwa auf diesen Wert einpendeln.