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Talanx: Fokussiert auf profitables Wachstum

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Erste Bilanzpressekonferenz nach nicht ganz einem Jahr an der Talanx-Spitze: Torsten Leue.
Unter dem Strich hat der Talanx-Konzern das im Herbst angepasste Ertragsziel für 2018 erreicht und will auf dieser Grundlage erneut die Dividende erhöhen.

Fokus: Das war das Wort der Stunde für Torsten Leue in seiner ersten Bilanzpressekonferenz an der Talanx-Spitze. „Fokussierung zahlt sich aus“ – so lässt sich ein zentraler Satz Leues für die Strategie des Versicherer übersetzen: „Focus pays off.“ Heißt: Der Talanx-Konzern soll profitabel wachsen.

Für die Industriesparte heißt Fokussierung allerdings zunächst, die Ertragsstärke zurückzugewinnen: Die Sanierung der Feuerversicherung steht ganz oben auf der Tagesordnung. Hier ist die Talanx im vergangenen Jahr aber bereits deutlich vorangekommen. Etwa habe man knapp 90 der Preiserhöhungen, die man bis 2020 durchsetzen wollte, bereits jetzt geschafft, machte Dr. Christian Hinsch, stellvertretender Talanx-Vorstandsvorsitzender und für die Industrieversicherung zuständig, in seiner letzten Bilanzpressekonferenz. Er geht ebenso wie Ulrich Wallin, Vorstandschef der mehrheitlich zum Talanx-Konzern gehörenden Hannover Rück, in den Ruhestand.

Geht nach Jahrzehnten beim HDI und bei der Talanx in den Ruhestand: Dr. Christian Hinsch.

Trotz der Fortschritte lief 2018 für den Bereich Industrieversicherung nicht gut, und nicht wegen der um gut 5 Prozent gestiegenen Prämieneinnahmen, sondern wegen der Versicherungstechnik, wie Christian Hinsch betonte. Das bedeutet: Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag bei rund 109 Prozent, also salopp gesagt musste der Versicherer mehr ausgeben, als er an Prämien eingenommen hat. In der ganzen Feuersicherungsbranche ist das gerade ein Thema. Hinsch kündigt an, dass in der Industrieversicherung die Combined Ratio bereits in diesem Jahr die 100-Prozent-Marke erreichen und sie 2020 dann unterschreiten soll. 2018 lag das operative Ergebnis der Industrieversicherung „knapp über Null“, so Hinsch, bei 11 Mio. Euro (Vorjahr: 109 Mio. Euro), der Beitrag zum Konzernergebnis war mit minus 16 Mio. Euro negativ.

Die anderen drei Säulen des Talanx-Geschäfts – Privat- und Firmenversicherung Deutschland, Privat- und Firmenversicherung International sowie die Rückversicherung – verbuchten gute bis sehr gute Ergebnisse. In einer Vorlage für die Presse wird etwa die Rückversicherung als „zentraler Treiber des Konzernergebnisses“ bezeichnet. Hannover-Rück-Chef Wallin übersetzte das mit der von ihm gewohnten hanseatischen Zurückhaltung in „recht anständig.“ Sven Fokkema, seit dem Wechsel von Torsten Leue an die Talanx-Spitze für die internationale Privat- und Firmenversicherung zuständig, ist mit 2018 ebenfalls sehr zufrieden. Von einem guten Jahr zu sprechen, sei Understatement, sagte er und hob insbesondere den polnischen Markt hervor mit einem Ebit-Beitrag von 150 Mio. Euro hervor. Im Auslandsgeschäft bedeutet Fokussierung in der Strategie 2022, dass die Talanx in ihren Kernmärkten jeweils zu den Top 5 der Versicherer gehören will. Im deutschen Geschäft mit Privat- und Firmenversicherungen greift offenbar das vom Konzern aufgelegte Effizienzprogramm mit einem, wie es heißt, deutlich verbesserten operativen Ergebnis. „Ein gutes Geschäftsjahr“, bilanzierte der zuständige Talanx-Vorstand Dr. Eberhard Wicke. Der Konzern baut in bislang bekannten Umfang Stellen ab, es geht um jetzt noch etwa 300. Weltweit beschäftigt Talanx rund 20.000 Mitarbeiter.

Das gute Geschäft in drei von vier Segmenten führte zu dem bereits vorab angekündigten Konzernergebnis von 703 Mio. Euro. Die Talanx will sich bei der Dividendenentwicklung treu bleiben und wie bislang jedes Jahr um 5 Cent auf 1,45 Euro erhöhen. Die ursprüngliche Jahresprognose für 2018 war im Herbst mit einer Gewinnwarnung kassiert worden. Vorstandschef Torsten Leue bekräftigte aber bei der Bilanzpressekonferenz Mitte März, dass er für 2019 ein Ergebnis von 900 Mio. Euro erwartet.

Die gebuchten Bruttoprämien im Konzern stiegen im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 34,9 Mrd. Euro. Die Talanx sah sich 2018 von der Währungsentwicklung gebeutelt – bereinigt darum lag das Plus nach Angaben der Talanx fast 9 Prozent. Die konzernweite Schaden-Kosten-Quote wurde 2018 mit 98,2 Prozent unter die 100-Prozent-Marke gedrückt. Beim Kapitalanlageergebnis steht zwar ein Minus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr; die knapp 3,6 Mrd. Euro findet Finanzvorstand Dr. Immo Querner aber „eigentlich ganz okay“. Dickster Brocken: 2018 wurden 660 Mio. Euro weniger Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalanlagen realisiert.