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Ausstellung im Sprengel Museum – Künstler für neues Sehen

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Die deutsch-amerikanische Schauspielerin und Schriftstellerin Ruth Landshoff, 1927/28, Silbergelatinepapier, Stiftung Bauhaus Dessau. Foto: Herling/Herling, Werner, Sprengel Museum Hannover
Die deutsch-amerikanische Schauspielerin und Schriftstellerin Ruth Landshoff, 1927/28, Silbergelatinepapier, Stiftung Bauhaus Dessau. Foto: Herling/Herling, Werner, Sprengel Museum Hannover
Otto Umbehr, kurz Umbo, zählt zu den bedeutendsten Fotografen des Bauhauses und der Moderne. Das Sprengel Museum in Hannover präsentiert zum 100-jährigen Jubiläum der Bauhaus-Gründung die erste große Retrospektive seit 1995.

Umbo – dieser Name steht spätestens seit der von Herbert Molderings 1995 eingerichteten umfangreichen Retrospektive dieses Künstlers als Synonym für eine Art ‚Urknall‘ der modernen Fotografie Mitte der 1920er Jahre. Der 1902 in Düsseldorf geborene Otto Maximilian Umbehr gilt als Erfinder des Bildes der Neuen Frau, des neuen Bildes der Straße, der fotografischen Reportage schlechthin. Sein Name steht für den jugendbewegten Aufbruch der Wandervögel aus der Wilhelminischen Ära ins frühe Bauhaus. Er steht ebenso für die in den 20er Jahren wesentlich von osteuropäischen Immigranten beflügelte Medienmetropole Berlin, für eine sich rasant entwickelnde Film-, Musik-, Theater- und Kleinkunstszene, für Blicke in die Hinterhöfe und Wohnküchen überquellender Mietskasernen. Umbo, der von 1921 bis 1923 am Bauhaus studierte, ist der unglückliche junge Künstler, der dank der von seinem Bauhauslehrer Johannes Itten und seinem Künstlerfreund Paul Citroen empfangenen Impulse quasi über Nacht als Fotograf berühmt wird und an den großen internationalen Avantgarde-Fotografieausstellungen der Jahre 1928 bis 1933 teilnimmt – und doch immer ein Bohème, ein ewiger Wandervogel bleibt. Umbo, der, so die Erzählung, den Nationalsozialismus als „Anti“ durchsteht, dessen Berliner Atelier und Archiv 1943 durch Bomben völlig zerstört wird und dessen Anknüpfen an die frühere Existenz als Fotograf der Avantgarde im Wirtschaftswunder des bundesdeutschen Nachkriegs in Hannover – wo er seit Kriegsende bis zu seinem Tod im Jahr 1980 gelebt hat – scheitert; dessen expressives Früh-, dann neusachliches Werk in den 70er Jahren wiederentdeckt wird, und der 1979 in der Spectrum Photogalerie im Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel noch seine erste Einzelausstellung im musealen Kontext erlebt. 1995 wird die Ausstellung „Umbo. Vom Bauhaus zum Bildjournalismus“ in sieben Ausstellungshäusern in Deutschland, Frankreich und der Schweiz – darunter auch in der Kestner-Gesellschaft Hannover – gezeigt.

Umbos Tochter Phyllis Umbehr und Rudolf Kicken (Galerie Kicken) haben Umbos Nachlass über Jahre behütet und bewegt. 2016 haben die Stiftung Bauhaus Dessau, die Berlinische Galerie und das Sprengel Museum Hannover den Nachlass gemeinsam erworben. Unter dem Titel „Umbo. Fotograf“ zeigt das Sprengel Museum nun bis zum 12. Mai rund 200 Werke und Dokumente, die hauptsächlich aus diesem Nachlass stammen.

www.sprengel-museum.de

Bauhaus-Tipp: Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege zeigt in der Ausstellung „Auf dem Weg zum Bauhaus – Das Erwachen der Moderne in Niedersachsen“ Vorläufer und das kulturelle Umfeld des Bauhauses und richtet damit den Blick auf dessen Innovationskraft sowie Wegbereiter der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts. Zu sehen bis 23. Juni, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr.