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Genesis Display: Figuren vom Land

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Schaufensterfiguren der Serie „Punk Deluxe“. Foto: Genesis Display
Schaufensterfiguren der Serie „Punk Deluxe“. Foto: Genesis Display
Es gibt Showrooms in New York und Barcelona, aber der Firmensitz liegt in Auetal an der A2: Hier entwirft Genesis Display Schaufensterfiguren für Modemarken aus der ganzen Welt. Individuell, nach Kundenwunsch und nachhaltig mit Bioharz statt Polyester.

Puppen darf man nicht sagen. „Wir machen hier ja kein Spielzeug“, sagt Andreas Gesswein. Der 61-jährige ist geschäftsführender Gesellschafter der Genesis Display GmbH aus Auetal. Das Unternehmen stellt Schaufensterfiguren her, die bei Modemarken aus der ganzen Welt gefragt sind. Die lange Liste der Kunden reicht von Louis Vuitton, großen schwedischen und spanischen Modeketten bis zu Primark. In Europa zählt sich Genesis zu den Top 3, weltweit sei man, gemessen am Umsatz, sicher unter den Top 10.

Schönheit ist nicht alles
Die Kunden aus aller Welt können bei Genesis Display aus einer Vielzahl ganz verschieden aussehender Figuren wählen: Die Bandbreite reicht von schlicht bis sportlich und geschminkt mit Perücke. Zur Wahl stehen mehr als 31 Serien mit über 300 Posen, 140 Köpfen und 40 Make-ups. Es gibt Kinderfiguren oder junge, trendbewusste Frauen- und Männerfiguren, genauso wie sportlich-trainierte oder auch übergewichtige Figuren, nicht zu vergessen die Serie „Punk Deluxe“, deren Köpfe an Science-Fiction-Helme erinnern. „Eine gute Figur ist nicht unbedingt schön. Sie muss vor allem eins: verkaufsfördernd sein“, erklärt Gesswein. Die Schauwerbegestaltung, heute visuelles Marketing – das ist das Metier des gebürtigen Augsburgers. Mitte der neunziger Jahre verschlug es ihn zufällig ins Schaumburger Land, wo er viele Jahre in der Branche tätig war, bis er im Frühjahr 2011 Genesis Display gründete, das er heute zusammen mit Ute Filyo führt. Der Jahresumsatz des Unternehmens liegt im zweistelligen Millionenbereich.

Andreas Gesswein, Geschäftsführer der Firma. Foto: Genesis Display
Andreas Gesswein, Geschäftsführer der Firma. Foto: Genesis Display

Alleinstellung mit Nachhaltigkeit
Genesis, die Schöpfungsgeschichte. Als Teil des Unternehmensnamens nicht zufällig gewählt. Denn seit Anfang an setzt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit. So bestehen die Figuren neben dem Grundaufbau aus glasfaserverstärktem Polyester inzwischen beinahe zur Hälfte aus Bioharz, das die Figuren zudem strapazierfähiger und langlebiger machen soll. „Wir waren weltweit der erste Hersteller, der auf dieses ökologische Material gesetzt hat“, sagt Gesswein. Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI arbeite man derzeit an „noch nachhaltigeren Figuren“. Nachhaltigkeit ist heute neben der Qualität das Alleinstellungsmerkmal von Genesis. Nachhaltig sein heißt für das Unternehmen aber auch, nur ungiftige Farben auf Wasserbasis einzusetzen, die Figuren bald als erstes Unternehmen nur noch in Pappe (und nicht mehr in Plastik) zu verpacken und für gesundheitlich unbedenkliche Arbeitsbedingungen in der Produktion in China zu sorgen. Die Firma unterstütze die Beschäftigten dort in mehrerer Hinsicht: es gibt Wohnungen für die Mitarbeiter und auch gesunde Mahlzeiten, Kinderbetreuung sowie Spiel- und Grünflächen.

Wenn jemand nicht bereit ist, für die Qualität und den höheren Aufwand zugunsten von Mensch und Natur zu bezahlen, dann bricht Gesswein  Verhandlungen auch schon mal ab. „Die rufen dann zwei Tage später an und wollen doch.“

Bevor in China produziert wird, kommt allerdings das 35-köpfige Team in Auetal zum Einsatz, das die Anfragen der Kunden bearbeitet, die mit ihren Vorstellungen und Ideen auf das Unternehmen zukommen. Dann werden Prototypen entwickelt und produziert und den Kunden entweder zugeschickt, oder in einem der weltweit fünf Showrooms oder am Firmensitz präsentiert. In New York, Montreal, London, Barcelona und Kairo ist Genesis vertreten. Dort aber auf weit weniger Fläche als in Auetal, wo viel Raum für die gesamte Produktpalette ist. „In den großen Metropolen ist so viel Platz unbezahlbar“, sagt Gesswein. Auch die Entscheider großer Marken kämen gern hierher. Ein Mitarbeiter holt die Besucher vom Flughafen ab, sodass sich die Anreise problemloser und planbarer gestaltet als in den Millionenstädten mit überlasteten Verkehrssystemen. „Vom Westen Londons in den Osten der Stadt dauert es länger als mit dem Flugzeug nach Hannover. Und die kommen mal raus aus der Stadt ins Grüne.“

Auetal sticht London aus
Auch für seine Mitarbeiter biete der Standort vor den Toren der Landeshauptstadt viele Vorteile. Eigentum sei noch finanzierbar und der Verkehr dränge sich morgens auf der A2 meist eher in Richtung Hannover. Bayern vermisst der Geschäftsführer übrigens überhaupt nicht. „Wo gibt es sonst so eine abwechslungsreiche Landschaft wie hier?“ Als leidenschaftlicher Motoradfahrer ist Andreas Gesswein in seiner Freizeit oft im Schaumburger Land unterwegs, das er in den letzten Jahrzehnten schätzen gelernt hat.

Nachdem es in den ersten Jahren für Genesis Display nur bergauf ging, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr bereits die Zurückhaltung bei ihren Kunden aus der Textilbranche gespürt. Die Insolvenzen in der Branche machten sich auch beim Jahresumsatz des Unternehmens bemerkbar. „Der Markt schrumpft.“ Gesswein kann sich noch an Jahre erinnern, indem er pro Jahr rund 250 000 Schaufensterfiguren und Torsen verkauft hat. Heute, bei Genesis, liege man etwa bei der Hälfte. Aber dass es irgendwann gar keine Geschäfte mit Schaufenstern und Figuren gibt, glaubt der Geschäftsführer nicht, der sich neben der Firma auch als Präsident des Europäischen Verbands für visuelles Marketing Merchandising (VMM) engagiert. Orte, bei denen die Kaufkraft in einem guten Verhältnis zu den vorhandenen Verkaufsflächen stehe, werden sich weiterhin gut entwickeln. Dazu brauche der Handel aber neue Ideen und ausgefeilte Dienstleistungen, die auf die Bedürfnisse der Einkaufenden in den Städten zugeschnitten sind. So gewinne der stationäre Handel in einigen Städten Asiens gerade wieder an Relevanz, „aber mit ganz neuen Ansätzen, ganz anders als zuvor.“

Genesis mischt auch bei AR und VR mit
Andreas Gesswein ist Optimist, in der Digitalisierung sieht er das Positive, die neuen Möglichkeiten etwa, die sich bieten. „Der Mensch wird nicht ersetzt werden. Aber die Digitalisierung kann die menschlichen Fähigkeiten noch besser in Szene setzen.“ Und auch im Geschäft mit virtuellen Figuren für den Einsatz im Onlinehandel möchte Genesis Display mitmischen. Der Geschäftsführer arbeitet dabei eng mit Scanblue zusammen, einer Firma, die er selbst nach Auetal geholt hat. Das Unternehmen sieht sich als Technologieführer im 3D-Digitalisieren physischer Produkte. So können Kunden Produkte in Augmented Reality, Virtual Reality und 3D erleben. Da entsteht was auf dem Land.

Fotos: Von Modelmaßen bis zu Sportlern oder auch Übergewichtigen: Die Bandbreite der möglichen Figuren kennt praktisch keine Grenzen.

Foto: Genesis Display
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