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Schwedische Perspektive

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Olaf Reus, Mitglied der Geschäftsleitung der Ericsson Germany GmbH. Foto: Deutsche Messe
Olaf Reus, Mitglied der Geschäftsleitung der Ericsson Germany GmbH. Foto: Deutsche Messe
Olaf Reus ist Mitglied der Geschäftsleitung der Ericsson Germany GmbH, der deutschen Tochtergesellschaft des schwedischen Kommunikationskonzerns. Ende Januar war der gebürtige Niedersachse dabei, als Botschafter Per Thöresson in Hannover die Partnerland-Beteiligung Schwedens vorstellte.

Herr Reus, Schweden kommt als Messepartner mit einer Botschaft nach Hannover, die sich in vier Wörtern zusammenfassen lässt: Innovation und Zusammenarbeit, Technologie und Nachhaltigkeit. Was kann die deutsche Wirtschaft von Schweden lernen?
Diese vier Schlüsselwörter fassen das schwedische Erfolgsrezept schon recht gut zusammen. Ob Spotify, Tetra Pak oder Minecraft – Schweden hat im Verlauf seiner Geschichte schon viele Innovatoren hervorgebracht, die aktuelle Marktbedürfnisse erkannt und auf diese reagiert haben. Auch bei Ericsson leben wir die Philosophie, gemeinsam an innovativen Technologien für eine nachhaltigere Zukunft zu arbeiten – und das mit Erfolg. Mit Bluetooth haben wir schon früh begonnen, Datenübertragungen zu revolutionieren; eine Vision, die wir mit der neuen Mobilfunk- und Netztechnologie 5G auch heute noch verfolgen. Schon seit über 60 Jahren arbeiten wir – das sind derzeit 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – aktiv an den besten Vernetzungslösungen für Deutschland und entwickeln die gängigen Mobilfunkstandards kontinuierlich weiter. Möglich macht das nicht zuletzt Ericssons Engagement in Forschung und Entwicklung. In Herzogenrath, in der Nähe von Aachen, betreiben wir beispielsweise das Ericsson Eurolab, in dem seit 1991 an den neuesten Kommunikations- und Netztechnologien geforscht wird.

Oft wird auf schwedische Mentalität und die Unterschiede im Führungsstil gegenüber deutschen Unternehmen hingewiesen. Wie erleben Sie das, und ist auch die deutsche Tochtergesellschaft eines schwedischen Konzerns davon geprägt?
Grundsätzlich ist Ericsson ja ein sehr international aufgestelltes Unternehmen. Allein in Deutschland beschäftigen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 45 verschiedenen Nationen. Kultureller Austausch und der daraus resultierende Dialog ist uns wichtig, da für uns Innovation und Vielfalt Hand in Hand gehen. Man kann aber schon sagen, dass schwedische und europäische Werte unsere Unternehmenskultur maßgeblich prägen: flache Hierarchien und konsensorientiertes Arbeiten sind hier nur zwei der Charakteristika, die Ericsson als Arbeitgeber auszeichnen. Nach der Auszeichnung mit dem Schwedischen Unternehmenspreis im letzten Jahr freuen wir uns nun schon sehr darauf als eines der Unternehmen bei der Hannover Messe aufzutreten, die das Partnerland Schweden vertreten.

Erstes nordisches Partnerland, und das kleinste bisher: Ist die Hannover Messe in Schweden überhaupt ein Begriff?
Als führende Leitmesse für Themen wie Industrie 4.0 ist die Hannover Messe natürlich schon längst über Ländergrenzen hinweg ein Begriff in unserer Branche, auch in Schweden. Zugegeben, auch der CeBIT wurde in der Vergangenheit durch Ericssons Vorgeschichte als Handyhersteller viel Aufmerksamkeit geschenkt, doch durch ihre zunehmende Fokussierung auf Digitalisierung, Automatisierung und Energie- und Industriekontexte hat sich die Hannover Messe zusehends auch in Schweden als wichtige Plattform einen Namen gemacht. Zweifelsohne ist das Interesse aufgrund der Wahl des Partnerlandes dieses Jahr aber noch weiter angestiegen. Hinzu kommt, dass sich Deutschland mittlerweile als wichtiges Land für innovative Lösungen rund um die neue Mobilfunk- und Netztechnologie 5G etabliert hat, weshalb auch die Hannover Messe langsam spürbar zum internationalen Hotspot für die IKT-Branche avanciert.

Ist Industrie 4.0 in Schweden ein Thema, vielleicht auch unter anderem Namen?
Natürlich steht auch in Schweden die Industrie 4.0, oder vielmehr das englische Äquivalent Industry 4.0, ganz oben auf der wirtschaftlichen Agenda. Industry 4.0 ist mittlerweile ein wichtiges, globales Thema, in dem gerade auch Deutschland eine große Expertise nachgesagt wird. Ericsson trägt hierzu maßgeblich bei; das werden wir auch auf der diesjährigen Hannover Messe unter Beweis stellen. Dort wollen wir zeigen, wie industriell genutzte Mobilfunktechnologien intelligente Automatisierung ermöglichen oder beschleunigen können – echtes Revolutionspotenzial, wenn man bedenkt, dass aktuell noch immer 80 Prozent der industriellen Datenkommunikation kabelgebunden ist. Diese neuen Geschäftsmöglichkeiten wollen wir mithilfe konkreter Anwendungsfälle am Stand präsentieren; unter anderem stellen wir beispielsweise gemeinsam mit Partnern wie der Deutschen Telekom oder Vodafone Deutschland unsere Industrielösungen für Osram und e.GO vor. An unserem Stand in Halle 8 sowie am Swedish Pavilion in Halle 27 und in der 5G-Arena in Halle 16 kann man sich also sozusagen einen Überblick über unser gesamtes Industrieportfolio verschaffen.

Co-Lab Schweden
Das Partnerland Schweden kommt mit rund 100 Ausstellern nach Hannover. Zentraler Stand: Halle 27, H30. Leitmotiv ist der Begriff Co-Lab, was als Kombination der Begriffe Collaboration, also Zusammenarbeit, und Laboratory als Hinweis auf Innovation gemeint sein dürfte. Denn darum geht es den Schweden: Sie wollen sich auf der Industriemesse bei ihrem wichtigsten Handelspartner als weltoffen und technologieorientiert darstellen. Außerdem betonen die Schweden den Aspekt Nachhaltigkeit. Schweden ist das erste nordische und das kleinste Partnerland der Messe bisher, kommt aber unter anderem mit Konzernen wie ABB, SKF, Ericsson der Tetra Pak nach Hannover. www.swedenhannovermesse.com