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Continental: Angepasste Jahresziele 2018 erreicht – Antriebsgeschäft heißt Vitesco

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Die Continental-Bilanzpressekonferenz läuft seit einigen Jahren ausschließlich online - hier ein Blick auf den PC-Bildschirm und ins Studio mit Pressesprecher Felix Gress, Vorstandschef Elmar Degenhart und Finanzvorstand Wolfgang Schäfer (v.l.).
Der hannoversche Automobilzulieferer Continental hat das Jahr 2018 mit einem Umsatz von 44,4 Mrd. Euro abgeschlossen. Das Antriebsgeschäft ist nun organisatorisch selbstständig und soll Vitesco Technologies heißen.

Unter dem neuen Namen Vitesco Technologies will Continental das Antriebsgeschäft möglicherweise im zweiten Halbjahr an die Börse führen. Die Vorbereitungen dafür liefen planmäßig, hieß es bei der der Online-Bilanzpressekonferenz heute in Hannover. Seit Jahresbeginn ist die Antriebssparte selbstständig, fast alle Mitarbeiter hätten auch dem Wechsel in das neue, selbstständige Unternehmen zugestimmt. In diesem Geschäftsfeld sollen Systeme und Lösungen für konventionelle und elektrifizierte Antriebe entwickeln, vermarkten und für Automobilhersteller weltweit produziert werden. „Die organisatorische Verselbstständigung unseres Antriebsgeschäfts haben wir in Rekordzeit abgeschlossen“, sagte Continental-Vorstandschef Dr. Elmar Degenhart. Ob es aber zum Börsengang noch 2019 kommt, machte Degenhart von einem passenden Marktumfeld abhängig und betonte, man stehe nicht unter Zeitdruck.

In einem schwieriger werdenden Umfeld sieht der Continental-Chef den Konzern gut aufgestellt. Für die Automobilbranche habe sich 2018 der Wind gedreht, und auch dieses Jahr werde herausfordernd, aber: „Führend ist, wer gut spielt, auch wenn es schlecht läuft.“ Diese Spitzenposition reklamierte Degenhart für Continental. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer sprach von enttäuschenden Märkten 2018, in denen Hannovers größtes Unternehmen aber überdurchschnittlich wuchs.

Wesentliche Aspekte im Continental-Geschäftsverlauf in Kürze:

Umsatz: Der hannoversche Autmobilzulieferer hat seine im Verlauf des Geschäftsjahres nach unten angepassten Jahresziele erreicht. Der Umsatz 2018 stieg um knapp 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 44,4 Mrd. Euro.

Beim Ertrag fällt der Blick auf das Geschäftsjahr 2018 differenziert aus: Während das Ebit um knapp 12 Prozent auf rund 4 Mrd. Euro zurückging, wies Wolfgang Schäfer auf das Nettoergebnis von 2,9 Mrd. Euro hin – ein Rückgang von knapp 3 Prozent, aber trotzdem fast auf dem Rekordniveau des Vorjahres, so der Finanzvorstand. Die Ebit-Marge sank von 10,4 auf 9,1 Prozent.

Der Dividendenvorschlag liegt bei 4,75 Euro pro Aktie und damit 25 Cent höher als im Jahr zuvor.

Die Zahl der Conti-Mitarbeiter weltweit erhöhte sich um mehr als 3 Prozent auf über 243.000. Ein Jobabbau, wie gerade beim Continental-Großaktionär Schaeffler angekündigt, steht bei den Hannoveranern nicht an.

Ausblick: Continental geht für 2019 weiter von einem Umsatz zwischen 45 und 47 Mrd. Euro und einer bereinigten Ebit-Marge von rund 8 bis 9 Prozent aus.

Für Zukäufe stehen Continental derzeit rund 5 Mrd. Euro zur Verfügung. Konkrete Übernahmeziele wurden nicht genannt. Felder, auf denen man sich verstärken würde, sind aber Ergänzungen im Bereich Technologie wie zuletzt die Fahrzeugantennensparte von Kathrein oder Kapazitätserweiterungen im Bereich ContiTech oder im Reifengeschäft.

Conti-Chef Degenhart ließ keinen Zweifel daran, dass der auch international zweitgrößte Automobilzulieferer auf der richtigen Spur fährt. Nach der Herauslösung der Antriebsparte in der neuen Vitesco Technologies stützt sich das Geschäft auf die großen Bereiche Automotive einerseits und die Rubber Group mit dem Reifengeschäft und ContiTech andererseits. Im vergangenen Jahr hat Continental beispielsweise weltweit 155 Millionen Pkw- und LKW-Reifen verkauft, erneut ein Rekord. Insbesondere im Automotive-Bereich sieht Degenhart die Continental als treibende Kraft bei den Themen Autonomes Fahren, Elektromobilität und Vernetzung. Und das mit Technologievorsprung: „Wir liefern, was andere noch testen“, sagte Degenhart bei der Bilanzpressekonferenz. Der jüngste Zukauf, die Fahrzeugantennensparte des bayerischen Spezialisten Kathrein, zeigt die Richtung: Vom Datenaustausch bis in die Steuerung bietet Continental ein komplettes Portfolio. Degenhart beschrieb auch, dass sich der Anteil der Software am Wert eines Autos deutlich weiter erhöhen werde. Dem trägt das Unternehmen Rechnung: Von den 49.000 Conti-Ingenieuren weltweit hat bereits ein Drittel eine Software-Hintergrund. Ziel sei es, so Degenhart, die Zahl der IT-Spezialisten im Konzern auf 25.000 hochzuschrauben. Continental hat auch einen ersten Auftrag für die 5G-Vernetzung eines Fahrzeugs. Degenhart wollte aber nicht sagen, für welchen Auftraggeber man dabei arbeitet.

Bis 2030 allerdings wird aus Sicht des Continental-Vorstandsvorsitzenden das echte autonome Fahren noch keine wesentlichen Umsatzbeiträge leisten; bis dahin geht es vor allem um Fahrerunterstützung und damit insbesondere um das Thema Sicherheit. Solche Assistenzsysteme sollen im laufenden Jahr aber bereits 2 Mrd. Euro zum Conti-Umsatz beisteuern.

Die Entscheidung über einen Einstieg in die Produktion von Batteriezellen hält Degenhart erst Ende 2020 für erforderlich. „Noch sortiert sich der Markt“, sagte er und betonte die Notwendigkeit von Kooperationen. Außerdem wies er auf die Entwicklung der Wasserstofftechnologie hin: Er erwartet einen Mix, nicht Batteriezellen als alleinige Energiequelle.

Was die Märkte betrifft, sieht der Continental-Chef im laufenden Jahr vor allem Herausforderungen durch das verlangsamte Wachstum in China. ContiTech steckt im Effizienzprogramm, mit dem die Ebit-Marge wieder über 10 Prozent gehoben werden soll. Degenhart wies darauf hin, dass gleichzeitig zwei neue Reifenwerke in die Produktion gehen. Und im Automotive-Bereich gehe es darum, den hohen Auftragsbestand ohne Effizienzverluste abzuarbeiten.

Vom Brexit sieht sich Continental bei einem Anteil des britischen Geschäfts von 5 Prozent weniger betroffen. Trotzdem arbeitet ein großes Team an der Vorbereitung, man habe vorsorglich die Lagerbestände erhöht. Darüber hinaus müsse man abwarten, wie sich die Abwicklung des Warenaustausches je nach den Bedingungen des britischen Austritts entwickeln werde.