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Sami Haddadin – Mensch im Mittelpunkt

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Professor Dr. Sami Haddadin. Foto: Insa Hagemann
Professor Dr. Sami Haddadin. Foto: Insa Hagemann
Vorausdenker: Die gut 1000 Gäste beim IHK-Auftakt Anfang Januar in Hannover erlebten mit Professor Sami Haddadin einen der aktuell renommiertesten Robotik-Spezialisten überhaupt. Der 38-Jährige, in Neustadt am Rübenberge geboren, mit Eltern aus Finnland und Jordanien, erhält in diesem Jahr für seine Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Mensch und Roboter den Leibniz-Preis, der als wichtigste Auszeichnung in der Forschungsförderung gilt. Bevor es Haddadin 2018 von Hannover nach München zog, nahm er noch als Professor an der Leibniz-Uni den Zukunftspreis des Bundespräsidenten entgegen. Auch das würdigte seine Erfolge, Roboter zu entwickeln, die komplexe Aufgaben erfüllen, möglichst wenig kosten, leicht und intuitiv zu bedienen sind und bei aller Lernfähigkeit doch nichts mehr sein sollen als ein bloßes Werkzeug des Menschen.

Er ist einer der führenden Robotik-Experten. Umso mehr mag es überraschen, wie sehr Sami Haddadin, Professor an der TU München und dort Direktor der frisch gegründeten Munich School of Robotics and Machine Intelligence, den Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens stellt. Roboter, die dem Menschen gleichkommen, ihn ersetzen? Mit solchen Zukunftsversprechen, die bei manchen zu Befürchtungen werden, wolle er aufräumen, erklärte Haddadin beim IHK-Auftakt Anfang Januar in Hannover.

Und das von einem Forscher, der aktuell zu den Schrittmachern der Entwicklung in der Robotik gilt? Andererseits: Wer könnte sich besser dazu äußern als jemand, der sich wie nur wenige andere mit der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine auskennt?

Immer wieder weist Haddadin auf die Einzigartigkeit des Menschen und seiner Fähigkeiten hin. Das muss demütig machen, sagte er in Hannover. Natürlich: Schon vor über 20 Jahren habe ein Computer den Menschen im Schach besiegt, und vor gut zwei Jahren auch im Go, was noch schwieriger war. Aber so ohne weiteres schafft das, was man künstliche Intelligenz nennt, den Sprung von der virtuellen Welt in die Realität nicht. „Sehen, greifen, umsetzen: Das ist die eigentliche Kunst“, so Haddadin. Und, etwas abstrakter: „Die physische Intelligenz ist noch fast unverstanden.“

Allerdings: Klein reden würde er das auf diesem Gebiet bislang Erreichte wohl auch nicht. Schließlich gehört Haddadin zur Avantgarde dieser Entwicklung. Sein Roboter, Franka Emika, hat es bis auf die Titelseite eines amerikanischen Magazin gebracht: so viel zur internationalen Wahrnehmung. Franka Emika ist ein mechanischer Arm, der auf seine Umgebung reagieren kann. Bekannt sind Videos, bei denen Roboter aus der Franka-Emika-Familie mit einer Metallspitze Luftballons eindrücken, ohne sie zum Platzen zu bringen. Mit dieser Sensibilität gehört Haddadins Entwicklung zu der Generation von Robotern, die ihresgleichen aus den Sicherheitskäfigen befreit. Und die, wenn man so will, Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten können, ihnen als Werkzeug dienen. Denn das ist die Rolle, die Haddadin diesen Cobots, kollaborativen Robotern, zuweist: die des bloßen Werkzeugs. Und hier kommt dann sogar die Klassik der Science-Fiction-Literatur ins Spiel: Haddadin zitiert als Maxime das erste Robotergesetz, formuliert vom Romanautor Isaac Asimov, auf den auch der Begriff Roboter zurückgeht: Ein Roboter, schrieb Asimov schon 1942, darf keinen Menschen verletzen oder zulassen, dass einem Menschen Schaden zugefügt wird. Haddadin arbeitet aber nicht nur daran, dem Roboter einen Tastsinn zu geben, der ihm bislang fehlte, und ihn damit zu einem Werkzeug zu machen, mit dem Menschen gefahrlos zusammenarbeiten. Die Maschinen sollen auch lernfähig sein. Außerdem möglichst leicht programmierbar, und damit möglichst leicht zugänglich. Haddadin hat sich die Demokratisierung von Technologie auf die Fahnen geschrieben. Und dabei ist aus seiner Sicht auch der Preis entscheidend: Roboter sollen kein Luxusgut bleiben, so Haddadin, sondern ein Werkzeug für alle sein. Entsprechend fordert er, dass die Beschäftigung mit der neuen Technik früh, bei Kindern und Jugendlichen, anfangen müsse: „Nach den Digital Natives kommen die Robonatives“, erklärte er in Hannover.

Deshalb setzt sich Haddadin dafür ein, auf breiter Basis Wissen über die neue Technik zu vermitteln. In Hannover treibt er die Stiftung Robokind voran. Denn wenn man genau hinsieht, so Haddadin, wird man feststellen: Der Roboter ist kein Monster, keine Bedrohung, kein Menschenersatz – sondern ein immer besseres Werkzeug für den Menschen.

Auch hier stehen Menschen im Mittelpunkt: Die Queenz of Piano, Jennifer Rüth und Ming, begeisterten in Hannover das Publikum. Foto: Insa Hagemann
Auch hier stehen Menschen im Mittelpunkt: Die Queenz of Piano, Jennifer Rüth und Ming, begeisterten in Hannover das Publikum. Foto: Insa Hagemann

Stiftung Robokind

Beim IHK Auftakt in Hannover wies Sami Haddadin auf ein besonders Anliegen hin: Über Robokind – eine Stiftung, die gerade in Hannover aufgebaut wird – sollen Bildung in der Robotik und Künstliche Intelligenz jedermann verfügbar und zugänglich gemacht werden. Das entspricht dem Ziel Haddadins, Technologie zu demokratisieren und, angefangen bei Kindern und Jugendlichen, über Roboter und Künstliche Intelligenz zu informieren. Zukünftige Generationen in allen Bereichen der Gesellschaft sollen auf den Wandel und die wachsende Bedeutung der Robotik vorbereitet sein. Dafür werden Bausteine in Form von Schulungskonzepten entwickelt, die unter anderem an der Roboterfabrik der Uni Hannover angewandt werden. Schüler, Azubis und Erwachsene können an Schulungen vor Ort und virtuell teilnehmen. Weitere Angebote sind geplant.
www.robokind.de

Zum Anfassen, im wahrsten Sinn des Wortes: Franka Emika beim IHK-Auftakt. Foto: Insa Hagemann
Zum Anfassen, im wahrsten Sinn des Wortes: Franka Emika beim IHK-Auftakt. Foto: Insa Hagemann