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IHK-Konjunkturumfrage: Reichlich Skepsis trotz guter Lage

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IHKN-Hauptgeschäftsführer Dr. Horst Schrage.
Niedersachsens Wirtschaft ist weiter in sehr guter Verfassung. Das zeigt die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage. Kaum überraschend allerdings: Angesichts der Unsicherheit insbesondere beim Brexit und in China sind die Unternehmen mit ihren Erwartungen vorsichtig geworden.

Die niedersächsischen Industrie- und Handelskammern rechnen im laufenden Jahr mit einem Wachstum in Niedersachsen von rund einem Prozent – allerdings nur, wenn ein ungeregelter Brexit noch vermieden wird und vor allem Probleme in der chinesischen Wirtschaft ausbleiben. Das erklärte Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen, bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage unter rund 2000 Unternehmen in Hannover. Zwar ist der IHK-Konjunkturklimaindikator erneut zurückgegangen, zum vierten Mal in Folge und um weitere 4 Punkte auf jetzt 112. Das liegt aber nach wie vor über dem langjährigen Durchschnitt. Die aktuelle Geschäftslage im Land bleibt damit auf hohem Niveau. Zwar habe man, so Schrage, in den vergangenen Quartalen rückläufige Auftragseingänge registriert. Das hat sich aber nicht auf die Situation der Unternehmen ausgewirkt. Zuletzt verzeichneten die IHK-Volkswirte eine leichte Entspannung bei den Auftragseingängen der Industrie. Und auch bei den Autoherstellern haben sich die Bestellungen nach dem Einbruch im Herbst durch die Prüfprobleme bei der Zulassung – Stichwort WLPT – wieder leicht erholt.

Mit ihrer Prognose liegen die Industrie- und Handelskammern leicht über der Nord/LB, die vor wenigen Tagen ein Wachstum von etwa 0,8 Prozent im laufenden Jahr prognostiziert hatte. Beide sehen aber Niedersachsen im laufenden Jahr unter dem Bundesdurchschnitt. Und auch der IHKN-Hauptgeschäftsführer betonte, dass er grundsätzlich positiv in neue Jahr blickt. Das heißt: Kommt es zu einem harten Ausstieg der Briten, könnten nach seiner Einschätzung das Wachstum im schlimmsten Fall um bis zu 0,3 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Deutlich stärker noch würden sich aber konjunkturelle Probleme in China auswirken. Sollten der Handelskrieg mit den USA eskalieren, müsse man neu überlegen, sagte Schrage. Er setzt jedoch auf eine Vernunftlösung in der bis zum März reichenden Atempause bei den Verhandlungen zwischen den beiden Wirtschaftsmächten.

Trotz guter Lage sind die Unternehmen bereits jetzt mit sehr viel Skepsis unterwegs, erklärte Schrage. Das liegt nicht allein an den – allerdings auch nach unten gerichteten – Exporterwartungen. Auch der Fachkräftemangel schlägt mehr und mehr durch: 60 Prozent der Unternehmen bezeichnen das mittlerweile als Risiko, drei Prozentpunkte mehr noch als im Vorjahr. Ebenfalls kritisch: die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Das sind, wie Horst Schrage erläuterte, nicht nur die im Ausland: Auch überbordende Regulierung – Stichwort nach wie vor: DSGVO – belastet Niedersachsens Wirtschaft.

Ein klare Einschätzung für 2019 fällt nicht leicht, sagte Schrage abschließend. Unmittelbar vor einer Eintscheidung in London über einen Plan B für den Brexit wies er auf die Bedeutung des Landes hin. Rund 200 niedersächsische Unternehmen seien in Großbritannien mit Niederlassungen vertreten, die Zahl der Geschäftskontakte liegt weit höher. Handelsunternehmen hätten ihre Lager im Königreich aufgefüllt, um Probleme im Warenverkehr in den ersten Wochen nach dem Ausstieg der Briten abzufedern. Betroffen seien aber insbesondere Unternehmen, die wegen ihrer Produktionsverflechtungen auf einen Warenaustausch mit Großbritannien angewiesen sind. Hier sind die Vorbereitungen schwieriger, auch wenn Unternehmen natürlich mit dem Warenaustausch mit Drittstaaten vertraut sind.

Die Branchen (außer Industrie) im Überblick

Bauhauptgewerbe: Kapazitäten sind voll ausgelastet, Neueinstellungen geplant

Großhandel: Steigende Umsätze erwartet

Einzelhandel: Steigende Einkommen bringen Umsatzwachstum

Verkehrsgewerbe: Trübe Stimmung trotz guter Geschäftslage – Fahrermangel

Banken: Kreditgeschäft mit Firmenkunden bleibt deutlich expansiv

Versicherungen: Neugeschäft wächst, Beitragseinnahmen steigen

Dienstleister: Umsätze und Auftragseingänge steigen, Investitionen ebenso

 

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Klaus Pohlmann

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