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Kompetenzzentrum „Mit uns digital“ wird weiter gefördert

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An dieser Stelle kommt man einfach nicht an Böll vorbei: Gruppenbild mit Dame. Svenja Reimer ist für die Weiterentwicklung der Maschine hinter ihr zuständig. Außerdem, von links: Berend Denkena, Axel Schulz, Gerald Schroth und Michael Rehe.
Neue Runde für „Mit uns digital“ – in den kommenden beiden Jahren geht die Beratung mittelständischer Unternehmen bei der Digitalisierung in Niedersachsen und Bremen weiter. Die IHK Hannover hatte sich für die klar für die Fortsetzung ausgesprochen und auch bereits darauf hingewiesen, dass über 2020 hinaus gerade kleine und mittlere Unternehmen noch Unterstützung brauchen werden.

Nicht unerwartet hat das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum „Mit uns digital“ jetzt die Zusage die zweite Förderperiode erhalten: Das Bundeswirtschaftsministerium bewilligte für die kommenden zwei Jahre 3,6 Mio. Euro. Bis November 2020 hat sich das Kompetenzzentrum weitere 500 Firmengespräche, 160 Schulungen und die Umsetzung von 40 Projekten insbesondere in mittelständischen Unternehmen vorgenommen.

In den vergangenen drei Jahren sind bereits 5,3 Mio. Euro aus Berlin in das Kompetenzzentrum geflossen, das Niedersachsen und Bremen abdeckt. Umgesetzt wird die Arbeit von „Mit uns digital“ durch die Leibniz Universität, das Produktionstechnische Zentrum in Garbsen (PZH) und das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH). Hinzu kommen weitere Institute und Schulungspartner, etwa die Kanzlei Herfurth und Partner, das Laserzentrum Hannover oder das Soziologische Forschungsinstitut an der Uni Göttingen.

In der Weiterförderung sieht Professor Dr. Berend Denkena, Vorstandssprecher des Kompetenzzentrums, „die erfolgreiche Arbeit der vergangenen drei Jahre“ bestätigt. Zu Buche stehen bislang fast 500 Firmengespräche, 18 Projekte mit Unternehmen, 90 Live-Demonstrationen und 65 Informationsveranstaltungen. Damit seien die Kennzahlen für die ersten drei Jahre übertroffen, so Dr. Michael Rehe, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums. An zehn Standorten gibt es so genannte Lernfabriken, darunter die so genannte Generalfabrik auf dem hannoverschen Messegelände, in denen sich kleine und mittlere Unternehmen Impulse für die Digitalisierung holen können. Hinzu kommt ein umgebauter Linienbus, in dem digitalisierte Produktion in einzelnen Schritten an Beispielen gezeigt wird. Mehr als 30 Touren hat diese mobile Lernfabrik in den vergangenen drei Jahren absolviert.

„Mit uns digital“ ist eines von 18 regionalen Zentren, die bundesweit den Mittelstand bei der Digitalisierung unterstützen sollen. In Niedersachsen wurde das Zentrum bereits sehr früh eingerichtet; der Deutschlandvergleich zeigt entsprechend eine hohe Präsenz des Kompetenzzentrums zwischen Nordsee und Harz.

In den kommenden zwei Jahren soll das Angebot weiter ausgebaut und an die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst werden. Dabei geht es jetzt nicht mehr in erster Linie darum, Unternehmen für die digitale Herausforderung zu sensibilisieren, sondern ihnen konkrete Projekte nahezubringen, so Geschäftsführer Michael Rehe. Das Ziel bleibt, im Flächenland Niedersachen möglichst nah an die Unternehmen heranzukommen. Lob gab es von Vorstandssprecher Denkena in diesem Zusammenhang insbesondere für die Industrie- und Handelskammern, aber auch für die Wirtschaftsförderer, die das Angebot des Kompetenzzentrums bekannt machen und vermitteln. Die Themen der vergangenen drei Jahren waren neben einer ersten Einstiegshilfe in die Digitalisierung vor allem die Verbesserung der Abläufe in Unternehmen, zunehmend auch IT-Sicherheit, dann Mitarbeiterqualifizierung und –motivation sowie Recht, etwa bei den Datenschutzvorgaben, und Ökonomie, also Wirtschaftlichkeit. Ausgebaut werden soll in der neuen Förderperiode der auch jetzt schon auf großes Interesse stoßende Bereich Retrofit, also das Aufrüsten älterer Maschinen, um sie in digitalen Prozessen nutzen zu können.

Berend Denkena wies auch darauf hin, dass „Mit uns digital“ auch ein neues Instrument ist, um Wissen aus dem akademischen Bereich in die Unternehmen zu bringen. Er nannte eine Zeit von zehn Jahren, die es derzeit noch immer braucht, bis Forschungsergebnisse in der Praxis ankommen. Über die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen wie in den Projekten des Kompetenzzentrums und die intensive Verbreitung von Wissen über die vielfältigen Informationsangebote lässt sich das nach seinen Worten beschleunigen. Außerdem werden Berührungsängste abgebaut, und indem man Unternehmer einbezieht, könnten Forschungsarbeiten entsprechend angepasst werden. „Es war dringend an der Zeit, sich näher kennenzulernen“, sagte Denkena zum Austausch zwischen Wissenschaft und Unternehmen. Und was als Wissensübertragung im Zuge der Digitalisierung funktioniert, kann nach seinen Worten auf für andere Bereich übertragen werden: Auch Erkenntniss, die in lang laufenden Sonderforschungsbereichen gewonnen werden, ließen sich mit Informationskanälen, wie sie jetzt im Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum aufgebaut werden, schneller weitergeben. Denkena nannte aktuelle Forschungsfelder an der Uni Hannover wie Gentelligente Bauteile im Lebenszyklus oder Hybride Bauteile, in denen verwertbares neues Wissen erarbeitet wird.

Berührungsängste gegenüber der Forschung hat man bei der Wunstorfer ATS Elektronik GmbH in Wunstorf in den vergangenen Jahren komplett abgelegt, betonte Geschäftsführer Gerald Schroth. Das Unternehmen ist in der Funk- und Sicherheitstechnik zu Hause und testet beispielsweise gerade ein System, mit dem Passagiere und Crewmitglieder auf Kreuzfahrtschiffen geortet werden können. Das ist natürlich vor allem bei Unglücksfällen lebenswichtig. Von dieser Grundidee ausgehend setzt ATS mit Unterstützung des Mittelstand-4-0-Kompetenzzentrum ein System um, mit dem nicht Menschen, sondern Bauteile im Fertigungsprozess geortet werden können.

Neben Schroth berichtete auch Axel Schulz, Geschäftsführer der Hamelner Schubs GmbH, bei der Bekanntgabe der Weiterförderung von „Mit uns digital“ über positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum. Bei Schubs wurde ein Assistenzsystem umgesetzt, bei dem Mitarbeiter angeleitet werden, um die ersten Arbeitsschritte bei der Bestückung von Schaltschränken zu erledigen. Dadurch, so Schulz, werden bei Fachkräften wichtige Kapazitäten frei, während die Digitalisierung an dieser Stelle auch angelernten Mitarbeitern eine Beschäftigung bietet. Bei Schubs gibt es zudem eine lange Tradition, auch Menschen mit Behinderungen Möglichkeiten zu öffnen: Zurzeit läuft an Training für drei Mitarbeiter, um sie an den neuen entstandenen Arbeitsplätzen einzusetzen.