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Die Freitags-Kolumne: Zukunft jetzt

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Zeit sparen? Pustekuchen. Alles wird immer schneller. Das hat schon der Hase gemerkt, als er gegen den Igel zu gewinnen versuchte.

Sie werden es heute überall hören: Am 9. November wurde in Deutschland immer wieder Geschichte geschrieben, im Guten wie im Schlechten. So oft, dass dieser Tag in der Wikipedia sogar einen eigenen Eintrag hat. Nehmen wir nur die Novemberrevolution vor 100 Jahren, den Putsch in München 1923, die Programnacht 1938. Und, wenn man am Schluss dieser Aufzählung dann doch an grenzenlos schöne Bilder erinnern darf: der Fall der Mauer 1989. Nächstes Jahr ist das drei Jahrzehnte her. Schnell vergangene Zeit?

Keine Angst, es wird alles noch schneller. Nach wie vor kann man sich da auf den Soziologen Hartmut Rosa berufen: Wir reisen schneller, kommunizieren schneller, produzieren schneller, können unsere Arbeit schneller erledigen. Also sparen wir Zeit, oder? Und müssten davon mehr zur Verfügung haben als früher. Und doch zerrinnt sie uns angesichts der vielen neuen Möglichkeiten und Zwänge unter den Fingern, löst sich in Dunst auf. Wem das bekannt vorkommt: Auch der Schriftsteller Michael Ende hat das in „Momo“ vorausgeahnt.

Kein Wunder also, wenn der Eindruck entsteht, man würde immer schneller von der Zeit eingeholt. Haben wir nicht lange über Digitales Natives gesprochen und dass sie, die mit Computern oder schon vernetzt aufgewachsenen Generationen Y und Z, als Nachwuchs in die Unternehmen kommen und ganz neue Vorstellungen und Werte mitbringen? Nun ja, sie sind schon da. Hört sich etwas nach Hase und Igel an. Und in der Fabel hat sich der Hase aufgerieben und den Igel doch nicht überholt. Um (etwas krude, aber immerhin) im Bild zu bleiben: Wenn der Igel dann noch Computer und Smartphone zur Verfügung hat, um den Hasen zum Rennen zu bringen, wird alles noch schneller. Nur ein kleines Beispiel: Haben wir nicht erst gestern darüber nachgedacht, das Computerspiele bald literarische Qualität haben könnten? Und den Sport erobern? Im Deutschen Literturarchiv in Marbach arbeitet man daran, Spiele zu erfassen. Und im aktuellen Angebot des Hochschulsports der Leibniz-Uni in Hannover findet man jetzt auch League-of-Legends-Kurse. Ätsch, wir sind schon da. Was tun also gegen diese Beschleunigung? Ganz einfach: Erstmal schönes Wochenende.

pm

Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.