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Gemeinsam in Hannover mit den Wirtschaftsjunioren

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Britisch-deutsches Treffen in diesem Sommer am Maschsee in Hannover. Foto: privat
Britisch-deutsches Treffen in diesem Sommer am Maschsee in Hannover. Foto: privat

Sommer 2018: Ein geordneter Brexit ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, ein EU-Austritt der Briten ohne irgendwelche Vereinbarungen wird von Tag zu Tag wahrscheinlicher. Auch die britische Regierung beginnt damit, Unternehmen mit Informationen für diesen Fall zu versorgen, in sogenannten Brexit Preparedness Notices (einen Link darauf und weitere Nachrichten unter www.hannover.ihk.de/brexit). So sperrig allein der Begriff Preparedness Notices in deutschen Ohren klingt, so kritisch sehen manche Beobachter auch das, was sie bieten. Allerdings weiß tatsächlich ja noch niemand, was kommt und welche Auswirkungen das dann haben wird.

In dieser Situation trafen sich junge Unternehmer aus beiden Ländern in Hannover: Acht von der Bristol Junior Chamber, insgesamt 25 bei den verschiedenen Anlässen von Seiten der Wirtschaftsjunioren Hannover. Die Partnerschaft hat bereits eine lange Tradition, gefühlt, sagt WJ-Chef Christian Hentschel, „seit Jahrzehnten“. Auf beiden Seiten junge Unternehmer und Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen und in verschiedensten Positionen; in ungeraden Jahren trifft man sich in Bristol, in geraden in Hannover. Hier acht Stimmen von Teilnehmer des diesjährigen Treffens, alle im Alter zwischen Mitte 20 und Ende 30. Die Meinungen sind vielfältig, aber etwas taucht nicht auf: Die Hoffnung, der Brexit lasse sich auf den letzten Metern noch verhindern. Das würde in Großbritannien vor allem eines erfordern: Jede Menge Mut.

Leon Mussmann ist beinharter Kritiker der EU und kommt nach einer Abrechnung mit Europa zu dieser Einschätzung:

„Ich sehe einem freieren Großbritannien entgegen, in dem wir mit anderen Nationen handeln können statt über Gebühr für EU-Waren zu zahlen oder unter hohen Importzöllen für Nicht-EU-Produkte leiden zu müssen. Das Königreich verfügt über eines der weltweit größten wirtschaftlichen Fundamente, das uns heute zum neuntgrößten Exporteur und zur fünftgrößten Wirtschaft macht – durch die Unabhängigkeit werden wir von dieser Position auch profitieren können.

Oliver Brown sieht sich als „hard Line remainer“, der allerdings auch Gründe für den Austritt akzeptiert – um unter dem Strich zu diesem Schluss zu kommen:

„Die Tatsache, dass ich gerade dabei bin, auf Grund der Vorfahren meiner Großeltern einen irischen Pass zu beantragen, sagt wohl alles über meine Einschätzung der Lage. Ich glaube ganz fest daran, dass Globalisierung und Freihandel das Leben aller zu verbessern können. Ich bin sowohl Brite als auch Europäer.

Owen Jennnings beklagt, wie die britische Regierung mit dem Thema Brexit umgegangen ist, denn:

„Die Vorteile der Mitgliedschaft wurden den Wählern nicht genügend erklärt. Ich fürchte, dass das übrige Europa jetzt schlecht von uns denkt, aber ich hoffe, dass wir so eng wie möglich verbunden bleiben. Und hoffentlich können auch meine Kinder noch vom freien Warenverkehr und von der Freizügigkeit profitieren.

Andie Spragg kritisiert, dass im britischen Parlament unternehmerischer Pragmatismus fehlt um das zu erreichen, was eine – knappe – Mehrheit der Briten will:

„Als ich für den EU-Austritt gestimmt habe, hatte ich im Sinn, dass wir freier in einem größeren Umfeld Handel treiben können. Und weniger von Gesetzen eingeschränkt werden, die einfach nicht für alle Märkte und Kulturen so vieler EU-Mitgliedstaaten passen können. Ich wollte unsere Souveränität zurück, und ebenso, dass sich Chancen öffnen. Ich bin besorgt über die Kurzsichtigkeit und das Unvermögen, das angemessen umzusetzen.

Christian Hentschel ist Vorsitzender der Wirschaftsjunioren in Hannover und hofft, dass zumindest der Schaden begrenzt werden kann.

„Wie es scheint, geht es nur noch um die Bedingungen der ,Scheidung‘. Hierzu wünsche ich mir von allen Beteiligten in Brüssel und London eine gesunde Portion Mut bei der verbindlichen Verhandlung der zukünftigen Beziehungen, so dass der mögliche wirtschaftliche Schaden zumindest durch klare Vorgaben so klein wie möglich gehalten werden kann. Die zukünftige Fortführung des partnerschaftlichen Dialoges zwischen den Menschen auf beiden Seiten des Ärmelkanals halte ich dabei auch für eine wichtige Säule der gesellschaftlichen und politischen Stabilität in Europa.

Simone Claßen bedauert die Signalwirkung des Brexits in einer Welt, die sich ansonsten immer stärker vernetzt.

„Ich finde es schade, dass in der heutigen Zeit, in einer Welt der globalen Vernetzung, ein Volk einen Schritt zurück macht! Der Brexit wird Chancen und Risiken bringen. Für Unternehmer sehe ich einen Nachteil in der Vermarktung von Produkten nach England. Dies wird sicherlich nicht mehr zollfrei und so reibungslos wie jetzt funktionieren. Für den Banksektor in Deutschland gibt es meiner Meinung einen Vorteil, da Banken aus regulatorischen Gründen ihr Geschäft aus London verlagern müssen. Ich befürchte, dass die jungen britischen Unternehmer aufgrund des Brexits England als unrentabel empfinden und ihre Konsequenzen ziehen müssen.

Maxim Ignaz betont zwar in erster Linie, wie wichtig es ist, als Unternehmer endlich klare Rahmenbedingungen für den Brexit zu haben, sieht aber auch einen Hoffnungsschimmer:

„Der Austausch mit der Bristol Junior Chamber zeigt mir, dass die bestehenden guten Verbindungen zu Großbritannien auch nach dem Brexit in jeder Hinsicht erhalten bleiben werden. Daran arbeiten nicht nur wir als Wirtschaftsjunioren Hannover, sondern auch viele Menschen in Großbritannien. Das macht mir sehr viel Mut in Hinblick auf den Brexit, wie auch immer dieser Aussehen wird. Die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder werden sich aus meiner Sicht trotz der geänderten Rahmenbedingungen positiv entwickeln können.

Dr. Jennifer Rasche hofft trotz allem auf eine weiterhin möglichst enge Verbindung zu der Europäischen Union und Großbritannien:

„Ich hätte vor zwei Jahren nicht gedacht, dass die Entscheidung wirklich für den Austritt ausfallen würde. Eines der wohlhabendsten Länder der EU sollte sich nicht vor der Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft scheuen. Die EU hat viel Gutes hervorgebracht und zu einem gemeinsamen Einsatz für Demokratie, Frieden und Wohlstand in Europa geführt. Mit dem Austritt werden wir zwischen ,Europäern‘ und ,Briten‘ unterscheiden. Das finde ich sehr schade. Ich hoffe, dass Großbritannien möglichst enge Beziehungen zur EU aufrechterhalten.

Sie suchen Kontakt zu den Wirtschaftsjunioren – in Hannover? www.wj-hannover.de Oder anderswo? Alle Kreise im Überblick auf www.wjd.de