Start Unternehmen Dicht Dran Smart auf dem Sofa

Smart auf dem Sofa

-
TEILEN
Foto: wesmartify GmbH
Foto: wesmartify GmbH
Potenzielle Kunden auf Partys erreichen: Die wesmartify GmbH, ein Start-up aus Bad Salzdetfurth, setzt auf den Direktvertrieb, um ihre Produkte für das smarte Zuhause an die Frau oder an den Mann zu bringen.

Etwa jeder Zweite kauft etwas. Entweder direkt bei einer der Smart-Home-Partys oder danach. Für ein abschließendes Urteil ist es noch zu früh, aber Geschäftsführer Ralf Klar ist mit der Abschlussquote von 50 Prozent durchaus zufrieden. Immerhin wurde die wesmartify GmbH erst vor gut einem Jahr gegründet. Und die ersten richtigen Verkaufs-Partys starteten auch erst Anfang des Jahres. Davor wurde das Konzept erstellt und ausprobiert – und mit beidem hatte maßgeblich Projektleiter Björn Nahler zu tun. „Zu den ersten Smart-Home-Partys habe ich meine Freunde eingeladen“, erinnert er sich. Ziel war es, zu erfahren, welche intelligente Technik gefragt ist und welche Anwendungszwecke sich potenzielle Kunden in der Zielgruppe „35 aufwärts“ wünschen. Die Heizung absenken, wenn das Fenster offen ist, die Lüftung steuern, wenn es draußen warm ist, Licht einschalten, wenn man unterwegs ist oder einen Hinweis auf das Smartphone bekommen, wenn ein Fenster – möglicherweise von einem Einbrecher – geöffnet wird. Mit smarter Technik ist vieles möglich.

Wer das junge Unternehmen im Tec-Center in Bad Salzdetfurth besucht, findet eine typische Start-up-Atmosphäre vor. Das junge Team soll in seinem kleinen Büro auf dem riesigen Gelände, auf dem Fuba einst Antennen für das ganze Land herstellte, genug Freiraum haben, um das Geschäft voranzubringen. Hinter wesmartify steht die Möhlenhoff GmbH aus Salzgitter, ein Mittelständler, der seine Produkte zur Steuerung von Heizungen nicht direkt an den Endkunden, sondern an Hersteller verkauft.

Projektleiter Björn Nahler (li.) und Geschäftsführer Ralf Klar Foto: wesmartify GmbH
Projektleiter Björn Nahler (li.) und Geschäftsführer Ralf Klar Foto: wesmartify GmbH

Warum Direktvertrieb?
Was mit Tupperware und Thermomix funktioniert, klappt auch mit smarter Technik, denkt man sich bei wesmartify. Die Kosten für die Berater auf Honorarbasis sind überschaubar und auch im Vergleich zum klassischen Onlineshop gibt es Vorteile: Es gibt praktisch keine Retouren. Es überrascht daher nicht, dass die im Direktvertrieb erzielten Umsätze in Deutschland in den letzten zehn Jahren auf rund 17 Mrd. Euro wuchsen, was etwa einer Verdopplung entspricht.

Es gehört zum Konzept, dass die Sofarunden den Access Point, quasi die Basisstation für alle Anwendungen, selbst in Betrieb nehmen und mit weiteren Funktionen verknüpfen. Zum Beispiel Fensterkontakt und Thermostat anbringen – und dann spüren, wie die Heizungstemperatur sinkt. Beim direkten Kontakt zu den Kunden setzt das Unternehmen auf Technikbegeisterte, die es für die Einsätze in den Wohnzimmern fit macht. Die sogenannten Smartifier organisieren die Partys gemeinsam mit den Interessenten, bringen das gesamte Equipment mit und führen die Gäste durch den Abend. Auch nach Abschluss der Veranstaltung stehen sie den Teilnehmern für Fragen zur Verfügung. Es sind bislang vor allem technikaffine Studenten, aber auch zwei Ingenieure sind unter dem guten Dutzend Berater, die bereits geschult wurden. Pro Monat organisiert jeder Smartifier nebenberuflich zwei oder drei Smart-Home-Partys, an denen meist zwischen vier und 12 Gäste teilnehmen. 65 Prozent der Kunden sind männlich. Neben dem Access Point im Wert von etwa 50 Euro, den jeder Ausrichter einer Party als Gastgeschenk erhält, hat wesmartify etwa 40 Produkte im Angebot, die via Funk untereinander kommunizieren. Die meisten Produkte sind mit Hilfe einer App leicht selbst zu installieren.

Das Geschäft entwickelt sich gut: „Der Umsatz wächst sogar etwas schneller als geplant“, sagt der Geschäftsführer. Er ist überzeugt, sich mit dem Konzept im umkämpften Markt für Smart-Home-Technik durchsetzen zu können. „Aus unserer Sicht ist die Beratung ein ganz entscheidender Faktor.“